Erzieher.
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selbstverleugnenden Fürsorge für das Wohl seiner Zöglinge deren Glauben an seineGerechtigkeit und Unparteilichkeit nicht erschüttern, sie vielmehr ahnen lassen,daß die wahre Unparteilichkeit auf noch andere Momente Rücksicht zu nehmen hat, alsauf den äußern Thatbestand. Endlich aber lassen sie von einem solchen Erzieher umso williger sich leiten, da ihn die Liebe treibt, die Auctorität nicht darin zu suchen, daßer in unnahbarer Höhe über ihnen steht und seine äußere Würde mit reizbarer Eifer-sucht bewacht, sondern ihre Freiheit ihnen zu lassen, so weit es der Zweck der Erziehunggestattet, und sich zu ihren Anschauungen, Neigungen und Bedürfnissen herabzulassen,freilich nicht um mit den Kindern kindisch zu werden, sondern um sie zu sich emporzu-ziehen, worin ihm zu folgen sie ja schon der natürlichste Wunsch des Kindes treibt,groß zu werden und einem solchen Manne wo möglich gleich.
k) Mit der Hindeutung auf die Nothwendigkeit, daß ber Erzieher zu den Zöglingensich herablasse, ist bereits der Uebergang gebildet zu den Forderungen, welche von andererArt sind, als die bisher ausgestellten. Diese nämlich giengen im wesentlichen schon ausdem Begriffe der wahren Mündigkeit im Geiste des Christenthums hervor und wiesenauf die allgemeine ethische Grundlage hin, auf welcher bei einem jeden, der irgendwiezur Erziehung berufen ist, die erziehende Thätigkeit beruhen muß, wenn sie zu einem er-sprießlichen Erfolge führen soll; die nun weiter aufzustellenden Forderungen dagegen be-ziehen sich auf besondere Begabung und heben Eigenschaften hervor, wie sie der-jenige in sich finden muß, welcher die Erziehungsthätigkeit zu seinem besonderen Berufemachen will. Der Wille, zu den Kindern liebevoll sich herabzulassen, wird freilich dieheilige Liebe begleiten, welche zum Begriff christlicher Mündigkeit gehört; die Fähigkeitaber, es wirklich und in der rechten Weise zu thun, hängt zugleich von einem eigenthüm-lichen Talent ab. Schon die Neigung, überhaupt aus sich herauszugehen undbestimmend auf andere einzuwirken, wie es die pädagogische Wirksamkeit vor-aussetzt, ist nicht jedermanns Sache, noch weniger, gerade mit Unmündigen vorzugsweisesich zu beschäftigen. Wessen Richtung hauptsächlich darauf geht, immer neue Kenntnissezu sammeln und den eignen Gedankeuiuhalt immer vollständiger systematisch zu ordnenund zu gestalten, dem muß die pädagogische Berufsarbeit eine Last werden, die er sobald wie möglich abschüttclt, um zur stillen Selbstbeschästigung oder zum Verkehr mitebenbürtigen Geistern zurückzukehren; wie z. B. Kant, obgleich er durch seine Vorlesungenüber Pädagogik hinlänglich bewiesen hat, daß er Werth, Aufgabe und Verfahren einer-zweckmäßigen Erziebung sehr Wohl kannte, doch stets fühlte, daß er zum praktischen Er-zieher selbst nicht tauge, und später mit großer Offenheit gestand, daß er die von ihmaufgestellten Vorschriften der Erziehungskunst sich selber nie hätte aneignen können, unddaß es in der Welt vielleicht nie einen schlechteren Hofmeister gegeben habe, als ihn.Wer mit allzuweicher, nicht von der gehörigen Gegenwirkung begleiteter Empfänglichkeitder frischen, ja wilden Lebendigkeit der Jugend gegeuübertritt, der kann Wohl auf einzelnetalentvolle und gutgeartete Zöglinge anregend und fördernd wirken, wird aber imganzen von den Schülern bestimmt werden, statt sie zu bestimmen. Auf der andernSeite aber darf in der Begeisterung für sein pädagogisches Ideal oder doch in der festenUeberzeugung von der Richtigkeit seines Verfahrens seine positive Einwirkung auf dieZöglinge nicht die Empfänglichkeit für Art und Bedürfnis der Jugendunterdrücken. Der Erzieher muß die Jugend verstehen und mit ihr zu reden und um-zugehen wissen, damit nicht der jugendliche Geist, statt durch Lehren, die er sich wirklichanzueignen vermag, gebildet zu werden, durch äußerliches Aufnehmen von unverstandenenoder halbverstandeuen Dingen in seiner Entwicklung gehemmt, nicht die jugendliche Kraft,statt geweckt und geleitet zu werden, unterdrückt und nur abgerichtet oder zu trotzigemWiderstande gereizt werde. Ferner setzt der Begriff eines lebendigen Gliedes im Or-ganismus der Gesellschaft, zu welchem der Unmündige, erzogen werden soll, voraus,daß ein jedes Individuum zu einer bestimmten Function im menschlichen Leben von
Pädag. Encyklopädie. II. 1