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2 (1860) Director - Globus
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Erzieher.

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6) Denn daß einem Erzieher, welcher die bisher aufgestellten Forderungen erfüllt,die Liebe und Achtung seiner Zöglinge nicht entgehen werde, das unterliegt ja wohlkeinem Zweifel. Ein Erzieher, welcher von heiliger Liebe zu seinen Zöglingen erfülltund von Begeisterung für seinen Berus, in treuem und ernstem Eifer mit ihnen gemein-schaftlich dem Ziele vollendeter Bildung entgegenringt, muß durch seine gesammte Persön-lichkeit einen Eindruck machen, welchem die Zöglinge sich nicht zu entziehen vermögen.Wenn er die Meisterwerke der Dichtkunst, oder die Geschichten und Lehren der heiligenSchrift nur vorliest mit der in Ton und Stimme nachbebenden innersten Bewegungdes tiefsten eigenen Ergrifsenseins, so wirkt das mehr als eine weitläufige Erklärung;sein Blick dringt den Schülern ins Herz und mahnt und straft nachdrücklicher, als dasWort, sein ernstes Wort schlägt mehr, als der Stock eines andern und das, waser ist, wirkt mehr als das, was er sagt. Daß dieser Eindruck der Per-sönlichkeit des Erziehers die wesentlichste Bürgschaft ist für den Erfolgder pädagogischen Wirksamkeit, auch das darf jetzt als allgemein anerkannt angenom-men werden, und nach dem bisher bereits darüber Bemerkten dürfen wir uns hier aufdie Anführung zweier Aussprüche von Autoritäten beschränken, des schönen Wortesvon I. I. Wagner (Philosophie der Erziehungskunst S. 68): „Nichts erzieht besser alsdie Gegenwart eines trefflichen Menschen, er braucht nicht zu dociren und zu predigen;sein stilles Dasein ist eine Sonne, die wärmt und leuchtet," und eines andern, zunächstin Bezug auf die religiöse Erziehung, aber in dem Sinne, in welchem diese Grundlageund Ziel aller Erziehung sein soll, von Schleiermacher gesagten (Predigten a. a. O.S. 607 f.): „Mehr aber als alle Worte muß unser ganzes Leben, mit ihnen in wahrerund treuer Liebe geführt, die kräftigste Ermahnung zum Herrn sein, so gewiß als Gottdie Liebe, und eben deshalb auch Liebe die allgemeinste und vernehmlichste Offenbarungdes ewigen Wesens ist. Wenn sie unsere Liebe überall fühlen, nicht als einen Wider-schein der Selbstsucht, welche Ergötzung und Schmeichelei sucht, nicht als ein Spiel derWillkür, welche launisch vorzieht und hintanstellt, auch nicht als einen veränderlichenTrieb der sinnlichen Natur, der eben so leicht erkalten kann, als in schwache Weichlich-keit ausarten, sondern als einen, sei es auch schwachen, doch nicht allzutrüben und nichtganz unkenntlichen Abglanz der ewigen Liebe, und als im engsten Zusammenhang mitdem Dienste, den wir dem Erlöser als unserm Haupte geweihet haben: so wird dasdie kräftigste Ermahnung zum Herrn werden, durch welche sie erst alle übrigen verstehenund in sich aufnehmen lernen."*) Es kann nicht fehlen, daß einem solchen persönlichenVerhalten des Erziehers, um mit Nitzsch zu reden, auch „Ansehen zustehe," oder daßer Auctorität hat und zwar pädagogische Auctorität, nicht bloß polizeiliche oder mili-tärische (vgl. den Art. Auctorität). Daß der Erzieher überhaupt dem Zöglinge eineAuctorität ist, liegt in der Natur der Sache. Das Kind selbst empfindet, wenn es nichtdurch mangelhafte oder verkehrte Erziehung seiner Sphäre entrückt ist, seine Abhängigkeit

*) Es giebt freilich eine Liebe, die diesen schönen Namen keineswegs verdient, jene Affen-liebe, die in dem Kinde nichts anderes sieht, als eine Puppe und ein Spielzeug, einen Gegen-stand des sinnlichen, selbst kindischen Wohlgefallens, die nicht auf das wahre Wohl des Kindes

geht, sondern ihm, um nicht Selbstüberwindung und Verleugnung üben zu müßen, überall nach-giebt und auch seine verkehrten Triebe und Neigungen nährt und großzieht, jene Liebe, die in demZögling, in seinen gefälligen Eigenschaften, seinen Künsten und Leistungen am Ende nnr sich

selbst, die eigene Geschicklichkeit und Weisheit, den Widerschein der eigenen Vortrefflichkeit bewun-

dert. Das ist nicht Liebe, sondern klägliche Eigenliebe und schwächliche, thörichte Eitelkeit, diesich an dem Kinde schwer versündigt. Die echte Liebe sucht nicht sich selbst, noch das Ihre indem Geliebten, sondern das Heil seiner unsterblichen Seele, das wenn auch getrübte, doch nie-mals ganz ausgelöschte Ebenbild Gottes, und ihr Ausfluß ist die Zucht, die dieses Ebenbildwieder herzustellen bemüht ist, gerade auch wenn sie manchmal wehe thun muß. Und dieserLiebe allein öffnet sich auch das Herz des Kindes in dankbarem Vertrauen, während jene anderewiederum nur Eigenliebe zeugt und später sicherlich mit Undank belohnt wird. D. Red.