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2 (1860) Director - Globus
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Erzieher.

Trefflichsten, sondern an seinem nächsten Nebenmann messen, nur über dessen Mangel-haftigkeit hinragen will, und zufrieden ist, jeden neuen Tag, wie alle vorigen, nur vor-wurfsfrei hinter sich, nicht als eine weitere Annäherung zu dem Höchsten vor sich zublicken, der wird sein Leben lang mühsam und unlustig nur an dem Karren seiner Mittel-mäßigkeit ziehen, und verdient es zu karrnen und unter der Geißel des Treibers zuseufzen, bis er ermattet und lebenssatt niedersinkt und man gleichgültig seinen Platz füreinen andern räumt. Womit verdienen aber die schuldlosen Kleinen, einem solchenKärrner hingegeben zu sein, und die Eltern des Volkes den Schulzwang, ihr Liebstesihm überlassen zu Mützen?" (Sold an, Einfluß der Schule auf das Leben des Volks.1845 S. 205 s.). Mit seinem Ideal vor Augen muß der Erzieher, während er andereerzieht, stets auch sich selbst erziehen, damit sein lehrendes und mahnendes Wortimmer vollständiger von der treibenden Kraft des eignen Beispiels begleitet undunterstützt sei und auf ihn der Göthe'sche Spruch Anwendung finde: „Mit einem Herrensteht es gut, der, was er befohlen, selber thut." (Vgl. die vortreffliche Rede: über diePflicht ein gutes Beispiel zu geben, von C. L. Roth Kl. Schriften I. S. 35 ff.). EinErzieher, der nicht auch durch sein Beispiel lehrt, entbehrt bei seiner Thätigkcit derwirksamsten Hülfe. Seinem Wirken fehlt dann die Aufrichtigkeit und Wahr-haftigkeit und darum den Zöglingen nothwendig auch das rechte Zutrauen. Dasscharfe Auge der Kinder entdeckt leicht die Differenz zwischen den Werken des Erziehersund seinen Worten, und welchen Eindruck wird eine Lehre, eine Mahnung noch machenkönnen, wenn der Lehrer und Mahner nicht einmal selbst darnach sich richtet? Mußnicht vielmehr ein solcher Erzieher den Zöglingen ein Gegenstand der Verachtung werdenmit seinem leeren Geschwätz? Gelänge es ihm aber auch, seine Schwäche zu verbergen,so vermag doch keine Vorsicht den Mangel jenes geheimnisvollen und gewaltigen Nach-druckes zu ersetzen, welcher das gesammte Sein und Wirken eines charaktervollen Er-ziehers, und das ist eben ein solcher, in welchem Lehre und Leben in vollkommenemEinklänge stehen, unmittelbar begleitet. Es ist eine sehr beherzigenswertste Bemerkung,wenn Schleiermacher (vgl. Ans Schleiermachers Leben. In Briefen. Berlin 1858 II.S. 24 f.) die Ansicht ausspricht, daß doch das ganze Geheimnis der Erziehung beschlossensei in Liebe und Wahrheit, und daß alles Künsteln in der Erziehung seinen Grundnirgends anders habe, als in dem bösen Gewissen, daß man den Kindern zeigt undanzuschauen giebt, was man nicht sollte. Wo aber eine heilige Liebe des Erziehers zuden Zöglingen nicht auf sein eignes Wesen und Verhalten heiligend zurückwirkt, und soihr gegenseitiges Verhältnis ein aufrichtiges und zutrauensvolles geworden ist, da kannalles mühsame Künsteln einen tüchtigen Erfolg doch nicht herbeiführen. Es ist in derThat nicht bloß den Kindern gegenüber unvernünftig, „einen sittlichen Erfolg unseresWirkens zu erwarten ohne eigene Unterwerfung unter das Sittengcsetz" (Thiersch,a. a. O. S. 82), sondern auch vermessen vor dem Angesichte Gottes, und zwar nichtallein, weil man sich herausnimmt, „ein sittliches Meisterstück zu Stande zu bringen,ohne den Urheber aller Sittlichkeit auf unserer Seite zu haben," sondern auch weil manForderungen, welche man als richtig und unumgänglich auf das klarste erkennt undauf das bestimmteste anerkennt, dennoch selbst nicht befolgt und darum das Urtheil:„Wer das Gute weiß und thut es nicht, dem ist es Sünde" mit allen seinen Folgenauf sich herabbeschwört. Dagegen feuert nichts so sehr an, als das Vorbild eines Er-ziehers, welcher in frischem Streben, gemeinschaftlich mit den Zöglingen und ihnen voran,dem vorgesteckten Ziele nachjagt; und wenn ihnen auch gerade durch sein Ringen nack-höherer Vollkommenheit klar werden sollte, daß er von menschlicher Unvollkommenheitselbst nicht völlig frei sei: so rechtfertigt auch vor Kindern nicht daS fertige äußere Werk,sondern der lebendige Glaube, das aufrichtige, ernste Hingegebensein an das höhereLeben und an die Ziele, welche es vorhält, und die diesem lebendigen Glauben ent-wachsende thätige Liebe deckt auch vor dem kindlichen Auge die Schwächen des geliebtenund geachteten Erziehers zu. (Vgl. den Art. Beispiel).