Erzieher.
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doch das Allernützlichste sie zu lehren vergißt, das Lernen nämlich. Der wissenschaftlichgebildete Christ nimmt seinen Standpunct auf dem festen Grunde des christlichen Prin-cips, von welchem Hegel treffend sagt: „Dieses Princip macht die Angel der Welt,denn an dieser dreht sich dieselbe um,' bis hieher und von daher geht die Geschichte."In dem Bewußtsein, welches das apostolische „alles ist euer!" ausspricht, schaut erhin auf die ihn umgebende Welt. Gerade sein Christenthum lehrt ihn den rechtenHumanismus, dem nichts menschliches der Beachtung unwerth erscheint, und geradeder Umfang und die Gediegenheit seiner Bildung führen ihn darauf hin, daß auch fürdie wissenschaftlichen Räthsel der letzte Schlüssel nur im Evangelium zu finden sei. Sowird er, selbst frei von dem Wissen, das aufblähet, auch seine Schüler frei davonhalten, getreu dem Worte des wackeru Gigas: „81 Obristnm nssols, nillii sst, sl osstsraLlools, ot siuo xistuto sruäitio ost vsusnuin." (Vgl. Hundeshagen, über die Naturund die geschichtliche Entwickelung der Humanitätsidee in ihrem Verhältnis zu Kircheund Staat. Berlin 1853.)
o) Vor allem aber, was ihm in Gottes Schöpfung begegnet, muß die gläubigeLiebe dem Menschen für den Menschen selbst das Herz aufschließen, in welchem ihmdas Ebenbild des ewigen Gottes entgegenstrahlt; bestimmter erwächst hieraus für denErzieher die Forderung der Liebe zu seinen Zöglingen, der eigentlichen Cardinal-tugend des Erziehers *). Nicht sowohl, was diese in ihrer Besonderheit gegenwärtigthatsächlich sind, soll er lieben, als vielmehr den göttlichen Keim, der in jeden ein-zelnen gelegt ist, und die besondere Art und Weise, wie dieser Keim in einem jeden alseinem eigenthümlichen Glieds der menschlichen Gemeinschaft zur Entwickelung kommensoll,' er soll, wie unser Dichter es ausdrückt, in den Kindern nicht bloß lieben, wassie sind, sondern was sie ankündigen. Und wo nur eine menschliche Seele vorhandenist, da fehlt auch nicht ein solcher Keim, noch der Beruf, zur Verwirklichung des gött-lichen Gesetzes in seiner Art und in seiner Weise beizutragen. Das muß der Erzieherbeständig sich Vorhalten, damit er nicht die Schwachen verachte, nicht die, deren Anlageund Richtung auf ein ihm minder zusagendes Gebiet hinweiset, vernachlässige, nicht dieminder Lenksamen aufgebe oder durch Härte erbittere, damit überhaupt „keines vondiesen Kleinen" durch ihn geärgert werde oder gar verloren gehe. Wenn nun aber dieLiebe nothwendig mit dem Wunsche, und zwar mit dem thätigen Wunsche verbundenist, daß keiner verloren gehe, sondern jeder zum wahren Leben gelange, so muß endlich derErzieher auch seinen Beruf lieben, der ja neben dem geistlichen Berufe wie keinanderer unmittelbar auf jenes Ziel gerichtet, ist. Und zwar genügt zur wahren Liebezum pädagogischen Berufe nicht jene natürliche Neigung zum Schulhalten, die nur zuhäufig in einem pedantischen Mechanismus untergeht, oder das vielleicht von Eitelkeitund Ehrgeiz gespornte Bestreben, die Kinder in diesem oder jenem Unterrichtsgegenstanderecht voran zu bringen, sondern eine Liebe zur eigentlich erziehenden Thätigkeit soll
Ich kann mir nicht versagen, hier ein Wort von Nitzsch (a. a. O. III. S. 107) anzu-führen, welches zwar zunächst auf die heilige Liebe als die belebende Kraft in der seelsorger-lichen Thätigkeit des Geistlichen sich bezieht, doch aber auch auf die pädagogische Wirksamkeit fastmit gleichem Rechte angewandt wird: „Ist aber des Leibes Auge nicht Licht, so wird dennoch derganze Leib mit allen seinen Gliedern und Kräften, Gelehrsamkeit, Weltkenntnis, Bercdtsamkeitund Geschäftigkeit finster sein. Denn was zunächst erfordert wird, wenn an Mann gebrachtwerden soll, wovon das Herz bedarf, Gewißheit, Besonnenheit, treffende Zurede und Handlung,seelsorgerliche Geistesgegenwart, alle die besten Gaben weisen doch auf den xriinns inotor, aufdie erfahrene und belebende allerheiligste Liebe Christi aufs neue zurück. Durch das Herz derHirtenliebe wird das Gedächtnis der Gelehrsamkeit prompt und wach, von dageht die naturwüchsige Beredtsamkeit aus, die sich von selbst der apostolischen undprophetischen verähnlicht." Auch F. A. W o l f fordert: „Habe einige Liebe zu allen den Stu-dien, die du treibst und zu den Jünglingen, die deiner Bildung anvertraut sind; doch wo Colli-sionen entstehen, die größere Liebe zu den letzteren."