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2 (1860) Director - Globus
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Erzieher.

Glauben, welcher, begleitet von der auf eigener Erfahrung ruhenden Ueberzeugung, daßder einzelne Mensch so wenig, wie die gefammte Menschheit, zum wahren Leben gelangenkönne aus eigener Kraft, das in dem Erlöser sich ihm darbietende göttliche Leben er-greift und seine erlösende Kraft sich aneignet. Und da dieser Glaube wesentlich dasAufgeben des selbstsüchtigen Ich und die Hingabe an Gott und seinen heiligen Willeneinschließt, so ist er nothwendig und unmittelbar mit der Liebe verbunden, deren Wesenja negativ von Paulus dahin bestimmt wird, daß sie nicht das Ihre suche, und vonJohannes positiv dahin, daß wer in der Liebe bleibe, auch in Gott bleibe und Gottin ihm. Und zwar ist diese Liebe zuerst eben Liebe zu Gott, wendet sich aber, wennsie von der rechten Art und gesund ist, nothwendig von dem unsichtbaren Schöpfer aufdas sichtbare Geschöpf, nicht um ihn über diesem zu vergessen, sondern um in dem Ge-schöpf ihn zu suchen und zu lieben. Der gläubigen Liebe wird die ganze Schöpfungzu einer Offenbarung Gottes, überall erkennt, ahnt oder glaubt sie das Walten seinesewigen Gesetzes. Dadurch bleibt in der verwirrenden Mannigfaltigkeit der Erscheinun-gen des natürlichen und sittlichen Lebens ihr Blick immer auf das Wesentliche gerichtet,es geht ihr der Zusammenhang auf, welcher zwischen dem Einzelnen stattfindet, und wiejedes an seiner Stelle dem Ganzen dient.

b) Insbesondere nun wird durch die gläubige Liebe jedem einzelnen klar, wozu erselbst im Zusammenhänge des Ganzen berufen ist, und mit dieser Erkenntnis verbindetsich der Wille und die Kraft, diesem Berufe gemäß zu leben. Insofern nun aber dieses,daß der Einzelne, ohne sich zu überschätzen oder wegznwerfen, seine Stellung im Zu-sammenhänge des Ganzen richtig erkennt und in Thun und Lasten dieser Erkenntnisgemäß sich verhält, das eigentliche Wesen der Bildung ausmacht, im Unterschiede voneinem bloßen Unterrichtetsein oder gesellschaftlich Abgerichtetsein, insofern wird mit derwahren christlichen Mündigkeit jederzeit auch wahre Bildung verbunden, der Er-zieher, der Mann und Christ ist, wird auch ein gebildeter Mann sein, und in diesemSinne eignen wir uns gerne den Ausspruch von Thomas Arnold über die nothwen-Ligen Qualitäten des Erziehers an (Wiese, a. a. O. S. 187): „'WUat I nmnt is aman vko is a olrristian anck a Zontloman." Diese Wahre Bildung ist in derThat nicht bloß in Real- und polytechnischen Schulen, Gymnasien und akademischenHörsälen, noch in den Gesellschaften der Imnts volös zu finden, sondern sie ist die treueBegleiterin lebendiger Frömmigkeit, so wie umgekehrt eine Frömmigkeit, welche gegenirgend ein Gebiet des Wissens und Lebens, gegen die Erzeugnisse der „das Einzelnezur allgemeinen Weihe" führenden Kunst, beschränkt und geschmacklos oder eigen-sinnig sich verschließt, der rechten Kraft und Gesundheit noch ermangelt. Die rechteFrömmigkeit schließt Auge und Herz der mannigfaltigen Herrlichkeit der Schöpfung auf.Ihr dünkt nichts so gering, daß es nicht als Theil des Ganzen seinen Werth hätte,nichts so verderbt, daß cs nicht ein Gegenstand werden könnte für die in Christo in dieWelt getretene heiligende Kraft Gottes. Mag der Fromme in einen beschränkten Be-rufs- und Gesichtskreis gestellt sein, so fehlen ihm doch nicht die Grundgedanken derrichtigen Weltanschauung, und sic bilden gleichsam ein Netz, dem er seine, wenn auchnicht umfassenden Beobachtungen und Erfahrungen doch stets an richtiger Stelle ein-fügt: vor Uebcrschätzung eines einzelnen Gebietes des Wissens oder seines eignen Wissensund seiner Thätigkeit bleibt er sicher bewahrt. Und wo dann mit der christlichen Ge-sinnung ein umfassender und ins einzelne gehender Ueberblick über das Gesammtgebietdes menschlichen Werdens und Wirkens sich paart, da wird nichts zu finden sein vonjener theologischen Engherzigkeit, die Ansteckung fürchtet von der Beschäftigung mit denMeisterwerken des heidnischen Alterthums, noch von dem natürlichen Rückschlag philo-logischer Verbissenheit, die in der Kirche nichts erkennen will als eine pfäffische Ver-dummungsanstalt, oder von jenem roh empirischen Realismus, der zum Behufe dem-nächstigen materiellen Erwerbs der Zöglinge sie nur mit der materiellen Welt bekanntmachen will, und im Bestreben, sie nur Nützliches und recht viel Nützliches zu lehren,