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Erzieher.
veranlaßt wird, was sie von jenen gethan sieht nachzuthun und so auf deren Stufesich zu erheben; und in ähnlicher Weise würde es sich bei einem vollkommen normalenZustande der Gesellschaft verhalten, d. h. bei einem solchen, in welchem sowohl dieOrganisation des Ganzen vollkommen wäre, als jeder einzelne in dem vollkommenrichtigen Verhältnis zum Ganzen sich befände: „die (erziehende) Einwirkung wäreder der Idee der Sittlichkeit gemäße Umgang der älteren Generation mit der jüngeren(Schleiern! ach er, Erziehungslehre S. 90)." Auch wäre zu wünschen, daß wirklichsämmtliche Mündige den Unmündigen gegenüber sich mehr als Erzieher fühlten, inso-fern sie nicht nur durch ihr gesummtes Verhalten, sondern auch durch bestimmte ab-sichtliche pädagogische Einwirkungen ans die letzteren Einfluß üben könnten, und daßandererseits sämmtliche Unmündige bereit wären, „die Alten zu ehren," indem sie sammtihren nächsten Angehörigen derartige Einwirkungen dankbar aufnähmen. In dem altenGriechenland, namentlich in den dorischen Staaten, bestand einst ein solches Verhältnisund der Knaben-Eros der Hellenen in seiner reinen und edeln ursprünglichen Ge-stalt beruhte größtentheils darauf; bei uns dagegen ist die Gleichgültigkeit, wonach dieErwachsenen um die Kinder anderer sich gar nicht bekümmern, eben so groß als dieEifersucht, womit gewöhnlich die Angehörigen einer Familie auch gegen die begründetstenund wohlgemeintesten derartigen Einwirkungen anderer sich verwahren zu müßen glau-ben. Doch fällt allerdings theils in Folge der natürlichen Zusammengehörigkeit einzelnerMündigen und Unmündigen, theils in Folge eines bei der Mehrzahl der Mündigenvorliegenden Defectes an dem zu einer gedeihlichen pädagogischen Einwirkung erforder-lichen Können, Wissen und Wollen die Erziehungspflicht ganz besonders einzelnen zu.
a) Die ersten Mündigen, welchen in Folge natürlicher Angehörigkeit das Kind be-gegnet, sind die Eltern: ihnen liegt vor allen wie seine leibliche Ernährung und
Pflege, so auch seine Erziehung ob, und dies Gebot der Natur wird durch das göttliche
Wort ausdrücklich bestätigt. „Eltern sollen wissen, bemerkt Thiersch (a. a. O. S. 88)daß die Erziehung ihrer Kinder von Gott ihnen auferlegt ist und sonst keinem Men-schen in der Welt. „„Ihr Väter, sagt der h. Paulus, erziehet eure Kinder in der
Zucht und Ermahnung zum Herrn"" — ihr Väter, nicht ihr Lehrer, ihr Lehrerinnen
auch nicht: ihr Prediger und Priester. Sind die Kinder uns Eltern von Gott ge-schenkt, so sind sie auch uns und sonst niemand von Gott anvertraut und wir habendereinst Rechenschaft für sie zu geben. So ist für uns das Erzieheramt ein Amt, wel-ches wir gewisser von Gott haben als irgend ein anderes Amt." Zunächst liegt diesesAmt der Mutter ob. Das Leben des Neugeborenen, eben erst noch geradezu ein Th eilihres eigenen Lebens, steht durch die erste Ernährung mit ihrem leiblichen Leben immernoch in einem natürlichen Zusammenhang: kein anderes sittliches Verhältnis beruht insolcher Weise auf einer natürlichen Basis (Fichte, System der Sittenlehre 1798S. 450 f.). Je mehr aber das Seelenleben des Kindes erwacht, desto mehr entwickeltsich aus jenem natürlichen Zusammenhang auch eine geistige Gemeinschaft: niemandversteht das Kind besser als die Mutter, niemand wird von ihm besser verstanden als sie,und so bildet sich jenes innigste Verhältnis verklärter natürlicher Liebe, jener geheimnis-volle Wechselverkehr geistigen Gebens und Empfangens, in welchem, ihr selbst unbewußt,die Mutter vor allen andern dahinwirken kann, daß, wie Hegel (RechtsphilosophieS. 231 f.) es schön ausdrückt, „die Sittlichkeit in ihnen (Len Kindern) zur unmittel-baren, noch gegensatzlosen Empfindung gebracht werde, und das Gemüth darin, als demGrunde des sittlichen Lebens, in Liebe, Zutrauen und Gehorsam sein erstes Leben ge-lebt habe." Mit der wachsenden Reife des kindlichen Geistes tritt dann der Liebe derMutter mehr und mehr die Auctorität des Vaters zur Seite, welcher bei seiner er-ziehenden Einwirkung mehr auf bestimmte Ziele hinarbeitct und bestimmter Grundsätze sichbewußt ist. Doch muß daneben der mütterliche Einfluß immer ergänzend Mitwirken, in-dem das Kind in der Regel nur der Mutter mit vollem Vertrauen sich erschließt, wäh-rend die Scheu vor der eigenthümlichen Würde des Vaters leicht ein Hindernis für die