Elementarschule.
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treiben, sollte endlich aufgegeben werden. Jene Inhaltsleere lag weit mehr im Principdes ganzen Unterrichts, der von Seiten der formalistischen Pädagogen angestrebt wurde,als in den Denk- und Sprechübungen an sich. Und wer schützt uns davor, daßnicht auch innerhalb der Grenzen, in denen auch gegenwärtig diese Uebungen für noth-wendig anerkannt worden sind, der Lehrer bei der Willkür, die ihm in der Wahl desStoffes gestattet ist, gerade den leersten wählen wird? Sorgen wir nur dafür, daßder Lehrer selbst ein reiches inneres Leben, ein armes und warmes Herz in die Schule
mitbringt, so wird er keine inhaltsleeren Sprechübungen halten. Schließlich aber ist
die Denk- und Sprechübung, wenn sie nur dem Standpuncte der Kinder angemessenist und ihrer eigentlichen Aufgabe entspricht, niemals inhaltsleer, denn sie hat dieSprache, das lebendige Wort und seine Formen selbst zu ihrem Stoffe, ein Stoff, dermindestens ein eben so reicher ist, als der Laut und das Lautzeichen, die Zahl und dieForm. Wo an einem andern Orte die Idee des vereinigten Sach- und Sprachunter-richtes ihre Berechtigung hat, wird im Folgenden noch gezeigt werden.
Eben so ist in Beziehung auf den Nechenunterricht in der Elementarschule zuzu-gcben, daß nicht bloß mit unbenannten Zahlen, sondern auch mit benannten operirtwerden müße, und dies aus dem Grunde, weil die benannte Zahl dem Kinde lebendigerist, und an das Leben immer wieder angeknüpft werden muß. Aber es ist nicht zuübersehen, daß der eigentliche elementare Stoff, mit dem wir es hier zu thun haben,
eben die Zahl als solche ist. Der Werth der reinen Zahlenoperationen für die ge-
sammte Zucht und Bildung des Geistes darf so gering nicht angeschlagen werden, alsG. dies thnt. Allerdings hat besonders die Anwendung gewisser im Leben häufig vor-kommender Benennungen, wie Thaler, Groschen, Pfennige rc. für den Unterricht denNutzen, daß die dabei vorkommenden Neductionszahlen und deren Gebrauch dem Kindegeläufiger werden. Diesen Vortheil dürfen wir nicht übersehen, aber die Hauptsachedieses Unterrichtsgegenstandes bleibt, wie Gräfe richtig behauptet, jene Verstandesübung,welche durch die auf den Eigenschaften der Zahlen und auf ihren Verhältnissen zueinander ruhenden Schlüffe und durch die Nvthigung der Kinder, sich darüber auszu-sprechen, gewonnen wird. So wird denn freilich überall vom Concreten ausgegangen,aber allmählich der Begriff der Zahl aus der Reihe der gezählten Gegenstände hervor-gehoben und an der Zahl die Reihe der Uebungen vollzogen werden mäßen, welche deneigentlichen Unterricht ausmachen. Unter den Neuern hat auch Bormann (a. a. O.S. 212) darauf hingewiesen, daß dieser Unterricht „seine Belebung" (auch wohl seinebildende Kraft) „weniger in dem von außen Herangebrachten, als in der Behandlungder Zahl selbst suchen müße."
In Vorstehendem ist im allgemeinen die Einrichtung und das Lehrziel der derVolksschule angehörigen Elementarclassen ausgesprochen. Wie sich diese Einrichtung inder ungetheilten einclassigen Volksschule modificirt, das hängt von dem Lehrplaneab, welcher der obern Elaste zu Grunde gelegt wird (s. Volksschule). Wo es bei dieserEinrichtung, deren Unvollkommenheit von Goltzsch so treffend charakterisirt ist, sein Be-wenden haben muß, da wird es vornehmlich darauf ankommen, die nöthigen Abwechs-lungen von Unterricht und Selbstbeschäftigung aufs bestimmteste ein für allemal festzu-stellen, den Stoff für die Selbstbeschäftigung rechtzeitig vorher zu bestimmen, von deneingeführten Ordnungen und Gewohnheiten niemals abznweichen und den Mechanismusder verschiedenen Thätigkeiten durch ein angemessenes Helfershstem zu unterstützen, damitdurch den Uebergang von einer Thätigkeit zur andern keine Zeit verloren werde unddie stillen Beschäftigungen den Kindern niemals ohne Controlle bleiben. Auch ist fernerin gewissen Gegenständen eine wirkliche Kombination beider Haupteintheilungen immerMöglich, z. B. beim Beten des Katechismus, der Sprüche und Kirchenlieder, in einzelnenStunden der biblischen Geschichte, beim Gesänge; und es kann auch wohl in solchenStunden, was Schwarz (die Schulen, S. 51 u. 52) hervorhebt, gerade die Ungleichheitdes Standpunctes ein belebendes Reizmittel für den Unterricht werden. Wie sich ein