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Eitelkeit.
sich in anstrengender Arbeit nach hohen Zielen zu strecken. Gründlich wird aber auchdieser Fehler nur in dem Grad gehoben, wie mit dem Herzen des Menschen, das derHauptsitz der Eitelkeit ist, jene durchgreifende Veränderung vor sich geht, durch die erein neuer Mensch wird, ein Proceß, den die Erziehung wohl befördern, aber nicht alleinherbeiführen kann.
Wenn nun aber die Eltern selbst die schöne Figur, das neue Kleid, den witzigenEinfall des Kindes bewundern, wenn sie es anhalten, seine Künste vor andern Leutenzur Schau zu stellen, die sich vielleicht beeifern, sie schon den eitlen Eltern zu lieb zubewundern, wenn sie ihr Kind vor dem thörichten Lob der Ungebildeten, der erwachsenenund der gleichaltrigen, nicht zu bewahren suchen, und wenn sie von frühe auf durch dieWahl des Anzugs ein Modeäffchen aus ihm machen; wenn unbesonnene Lehrer ihrenbevorzugten Schülern schmeicheln und sie bei der Prüfung, vor angesehenen Fremden re.paradiren lassen; wenn die Erwachsenen überhaupt, anstatt das eitle Kind, das ihreAufmerksamkeit auf sich ziehen will, scheinbar unbemerkt zu lassen, den Kindern schönthun und nicht in deren Gegenwart ihre Worte mit verdoppelter Gewissenhaftig-keit abwägen, — dann ist es nicht zu verwundern, wenn die Saat der Eitelkeitüppig aufschießt.
Der Eitle macht sich andern Menschen nicht nur durch seine Ansprüche oft un-angenehm, sondern gewöhnlich auch lächerlich, aber dieser Seite des Fehlers gegenübermuß der Erzieher behutsam sein. Nichts verletzt, verbittert, entfremdet mehr, als Spottvon Seiten des Mächtigeren; der Zögling hat das Gefühl, daß der Erzieher die Ueber-legenheit seiner Stellung misbrauche, und glaubt sich um so mehr berechtigt, den be-straften Fehler bei sich zu vertheidigen und festzuhalten; nur dann etwa kann die Ironienoch günstig wirken, wenn das ihr beigemischte Ingrediens des Wohlwollens vorschlägt.Spott von Mitschülern dagegen ist sehr oft eine heilsame Arznei.
Mit der Eitelkeit verwandt ist die Gefallsucht. Der Wunsch, einen angenehmenEindruck auf andere zu machen, ist natürlich und niemand zu verargen; zum Fehler,zur Gefallsucht wird er erst, wenn er zum herrschenden Motiv des Handelns wird, sodaß der Mensch die äußeren Vorzüge, welche zu gefallen Pflegen, allzu hoch schätzt undzwischen den Personen, welchen er gefallen will, nicht den rechten Unterschied mehr macht.Ein Mädchen, das es darauf anlegt, durch ihre äußeren Vorzüge und zwar besondersPersonen männlichen Geschlechts zu gefallen, (d. h. eine Kokette, nur daß diese mit dem,den sie in ihrem Netze hat, auch noch ihr Spiel treibt) ist meistens schon ein eitlesKind gewesen; mit der wahrhaften Liebenswürdigkeit ist es jedenfalls aus. Am schlimm-sten aber ist es, die Aufmerksamkeit und das Wohlgefallen anderer mit Dingen auf sichziehen zu wollen, die ihren Werth in sich haben; „immerhin, sagt Jean Paul, wolle einMädchen mit Leib und Putz gefallen, nur nicht etwa mit heiligen Empfindungen."Wer solche Dinge an Kindern lobt, der macht „die bewußtlose Grazie des Seelentons,der Miene, der Empfindung durch das Benennen und Beloben auf immer zur bewußtend. h. zur getödteten."
Eine Tochter der Eitelkeit ist die Putzsucht, die sich leider nicht bloß bei Mädchenfindet. Eben in Rücksicht auf den Anzug hört man die Eitelkeit oft entschuldigen undsagen, ein Mädchen müße in einem gewitzen Grade eitel sein, sonst werde sie unor-dentlich, schlampig oder gar unreinlich. Daran ist nur soviel wahr: ein reger Sinnfür das Schöne, Anmuthige, Geschmackvolle, für Ordnung, Sauberkeit und Sitte stehtdem Mädchen, der Jungfrau nicht nur wohl an, sondern ist ihr nothwendig, wenn sieihren Berus ganz erfüllen will, und es wäre zu tadeln, wenn es ihr je gleichgültigwäre, welchen Eindruck sie durch ihre äußere Erscheinung macht; aber das ist noch nichtEitelkeit, wenn wir anders ihr Wesen oben richtig bestimmt haben. Es soll sich jederhüten, durch sein Aeußeres aufzufallen; auch hinter die Verachtung der Mode kann sichEitelkeit verstecken und Kant hat nicht Unrecht: „es ist besser, ein Narr in derMode, als ein Narr außer der Mode zu sein." Putzsucht aber ist cs, wenn man einen