Eitelkeit.
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fremde Lob, welches das Bild der eigenen Persönlichkeit zurückstrahlt und den Cultusder Selbstbespiegelung nährt. Deshalb ist es dem Eitlen nicht, wie dem Ehrliebenden,um wirkliche Ehre bei andern zu thun; er ist selbst von seinem Werthe so überzeugt,daß er mit den leeren Zeichen fremder Werthschätzung, an deren Aechtheit er nichtzweifelt, mit dem, was die conventionellen Formen der Höflichkeit mit sich bringen, jaoft schon mit dem Gedanken, daß er überhaupt beachtet werde, was ihm mit Bewunde-rung gleichbedeutend ist, sich begnügt. Er nimmt so sehr den Schein für das Wesen,daß auch das Lob und die Bewunderung von Unwissenden oder von solchen, die ihnnur zum Besten haben und ihn vielleicht für ihre eigennützigen Zwecke benützen wollen,ihn befriedigt.
So proteusartig die Eitelkeit in ihren Erscheinungsformen ist, so verschiedene Gradehat sie auch; zwischen dem, dessen ganzes Dichten und Trachten von ihr beherrscht wird,und dem sonst wackeren Manne, der in irgend einer äußerlichen Beziehung eine Schwächedieser Art an sich hat, giebt es viele Zwischenstufen. Darum erstreckt sich auch ihrScepter gar weit, über jeden Stand unv jede Bildungsstufe, jedes Alter und Geschlecht.Es giebt alte und junge Gecken, es giebt Knaben und Jünglinge, die eben so gern vordem Spiegel stehen, als Mädchen. Die Mütter sagen sogar, im Punct ves Anzugsseien die Söhne schwerer zu behandeln als die Töchter, weshalb Göthe räth, man solledie Knaben uniformiren und nur bei den Mädchen den individuellen Geschmack berück-sichtigen. Ueberall aber ist die Eitelkeit ein Fehler, der den Menschen nicht nur lächer-lich macht, sondern auch seinen sittlichen Werth und Gehalt vermindert und, wo siehöhere Grade erreicht, vernichtet.
Es geht aus dem Bisherigen hervor, daß falsche Selbstliebe und unrichtige Werth-urtheile theils über das eigene Subject und was an ihm ist, theils über das Lob an-derer die beiden Hauptbestandtheile der Eitelkeit sind. Hieraus ergeben sich die wichtigstenRegeln für den Erzieher: Das beste Mittel gegen die falsche Selbstliebe in den Kindernbesteht darin, daß aufrichtiges Wohlwollen, aufopfernde, thätige Liebe und Empfänglich-keit für alle höheren Interessen, also vor allem herzliche Frömmigkeit in dem Kreiseherrsche, dem sie augehören; in diesem Geiste liegt eine Macht, die mehr wirkt, alsjedes symptomatische Verfahren, sowie umgekehrt der Einfluß einer auf eitle Dinge ge-richteten Umgebung, putzsüchtiger Mitschülerinnen re. auch für eine weise Erziehung schwerzu überwinden ist. Unter sittlich lauteren Menschen heranwachsend kann der Zöglingam ehesten gegen die Eigenliebe in seinem Innern streng sein lernen, so Laß er unlau-tere Motive als solche erkennt und bekämpft. — Die Urtheile über den Werth der Dingewird der Zögling ebenfalls besser aus der Handlungsweise des Erziehers entnehmen undsich aneignen, als aus seinen Belehrungen; doch sind in weiser Beschränkung auch diesenicht überflüssig. Es ist gut, wenn der Erzieher dem Zögling, besonders bei sich dar-bietenden Gelegenheiten und an vorkommenden Beispielen, aber ohne persönliche Anzüg-lichkeiten zeigt, was für Eigenschaften den Menschen wirklich zieren und welche gar keinenoder einen nur untergeordneten Werth haben; er thut Wohl daran, wenn er es demKinde lebhaft vor die Seele stellt, daß Gott das Herz anfieht und nicht das, was vorAugen ist, daß nur köstlich vor ihm ist „der verborgene Mensch des Herzens unverrücktmit sanftem und stillem Geist", daß sein bestes Thun weit hinter dem Sollen zurück-bleibt und das wirklich Gute daran nicht sein Verdienst ist, wenn er in Bezug auf dieHandlungen der Menschen den Blick des Zöglings von der Oberfläche auf das Innere,von der Schale auf den Kern lenkt, dabei aber auch über löbliche Eigenschaften vongeringerem Werth gerecht und billig urtheilt, damit seine Warnung vor Ueberschätzungderselben bei dem Zögling leichteren Eingang finde (vergl. auch den Art. Bescheidenheit).Ein richtiges Urtheil über den Werth der Dinge wird auch dadurch befördert, wenn derZögling frühe zu ernsten Beschäftigungen angehalten und Sinn und Streben auf edleZwecke gerichtet wird, gerade wie es ihn andererseits zu falschen Werthurtheilen unddamit zur Eitelkeit verleitet, wenn er die Kindheit und Jugend vertändeln darf, statt