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Einflüstern.
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Einstiistern, (Einblasen, Einhelfen, Einsagen, Vorsagen) rc. ist ein in allenArten von Schulen sich von selbst ergebendes, deshalb auch ein altes Nebel. „Hnoä oäis-oorojussi kuerint" heißt es von den Schülern in den Goldberger Gesetzen von 1563 „iclälliZontör ot aoonrato eckisounto, ckexositis librio reoitunto, alios rooitantss all anrornnon allinononto. Lnsnirns eniin illo äiliAsntiain iwxsckit et iAnavioios elstoit."(Vormbaum, ev. Schulordnungen I. x. 57.) Vgl. auch I. Camerarius in seinen xrao-oexta vitao xuoiills auf S. 511 der Sammlung Do äoosnäi stnäonäigno ruocko. Lasil.1541, R. Winter, wo die gegenseitige Unterstützung der Knaben beim mündlichen Ueber-setzen gerügt wird, da der Lehrer nicht nur di- Anlagen, sondern auch die Fortschrittejedes einzelnen Schülers kennen müße. — Zu beachten ist, daß es zwischen einem halb-lauten Mitsprechen oder Voraneilen, wie es lebhafteren Kindern, namentlich beim Sokra-tisiren, fast unwillkürlich begegnet, und einer raffinirten Kunst des Betruges unzähligeZwischenstufen giebt, deren moralischer Werth sehr verschieden ist; ferner, daß selbst beiden schlimmeren Fällen sehr häufig noch edle Motive, wie Mitleid und aufopfernde Groß-muth im Spiele sind, die selbst in der Bestrafung noch zu schonen und durch die Formder Rüge auf bessere Wege zu leiten sind, wenngleich das Bewußtsein, gegen das Gesetz,das einmal aufrechterhalten werden muß, gefehlt und zur Täuschung geholfen zu haben,auch vor dem Rechtsgefühl des Schülers die Strafe begründet. Bei der Kontrolle desPensums muß jeder Lehrer sich die Aufgabe stellen, das Einflüstern zu verhindern und,wo es als Gewohnheit herrscht, es systematisch auszurotten, ohne sich an den hierauserwachsenden Zeitverlust zu kehren. Bei Fragen dagegen, die sich mehr an Talent undVorkenntnisse als an Pflichterfüllung richten, bleibt der Individualität des Lehrers unterBeachtung der Größe der Classe, des Alters der Schüler, des Gegenstandes u. s. w.ein großer Spielraum. Manche der berührten Zwischenstufen kann man bei kleinenKlassen und gewählten Schülern nicht ohne Vortheil für Belebung des Unterrichtesdulden, insofern man sie beherrscht. Letzteres ist der Fall, so lange der Lehrer denintellectuellen Urheber einer jeden auf sympathischem Wege sich verbreitenden Antwortkennt und diese Kenntnis im Bewußtsein der Schüler zu erhalten weiß. Es zeigt sichdabei zuweilen, daß in der Schule wie im Leben ganz verschiedene Gaben dazu gehören,eine Wahrheit zu entdecken und ihr Form und Geltung zu verschaffen.*) In Volks-schulen ist die störende Sympathie namentlich durch Präcision in allen Formen derFragestellung und Antwortgebung zu bekämpfen (worüber Curtman, Lehrb. II.,6. Ausl. S. 75; vgl. auch Palmer, Päd., 2. Ausl. S. 535). Große Dienste thutdas Aufzeigen (Handerheben) der Schüler, die eine Antwort wissen, schon deshalb, weiles ihrem Sinn eine andre Richtung giebt. Die gröberen Formen des Betruges durchEinflüstern muß man sorgsam beobachten. Spielende Bewegungen der Hand, desSchnupftuchs, eines Buches nach dem Munde haben oft Verdeckung des Einflüsternszum Zweck. Verschwinden hinter dem Vordermann ist ohnehin jedem Lehrer verdächtig.Geschickte Einbläser richten den Kopf nicht nach dem aufsagenden Schüler hin und wissenwohl gar mit natürlicher Taschenspielerkunst in entgegengesetzter Richtung ein kleinesGeräusch zu erzeugen. Beim Rechnen dienen die Finger zum Telegraphiren der Zahl;boch werden mit denselben auch Worte angedeutet, z. B. durch Ausführung der Zügeauf dem Tisch, auf der vorgehaltenen Tafel für einen rückwärts sitzenden Schüler u. s. w.Mit besonderer Strenge hat man auf alle Spuren von dringender Aufforderung odergar Nöthigung zum Einflüstern durch Drohungen zu achten.
Eine Schule, in welcher das unredliche, für die Fortschritte wie für die Sittlichkeitder Schüler gleich verderbliche Einflüstern herrschend ist, leidet an einem wesentlichen Ge-
*) Wir möchten doch dem Lehrer rathen, solange er nicht eine große Sicherheit und Gewandt-heit besitzt, die Zügel in der Regel lieber etwas straffer zu halten. Auch entschuldbares Einflüsternhindert den Lehrer, das Maß der Leistungsfähigkeit bei dem einzelnen Schüler genau zu beob-achten. D. Red.