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2 (1860) Director - Globus
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Eigenthumstrieb.

so daß derselbe Knabe, der mit Hand und Fuß sich wehrt und zornig dreinschlägt, wennein anderes Kind sein Spielzeug nehmen möchte, keinen Anstand nimmt, die Sachenseiner Geschwister oder Gespielen sich anzueignen, wenns ihm möglich ist. Und dasselbekleine Mädchen im eben angeführten Beispiele konnte auf dem besten Wege zum Geizund gemeiner Selbstsucht sein, die keinem anderen etwas gönnt und vor lauter Furcht,das Eigenthum zu verlieren, seines Besitzes nicht froh wird. Das ist nun eben dieAufgabe einer guten Erziehung, den Eigenthumstrieb so zu leiten, daß mitihm auch das Nechtsbewußtsein stetig sich entwickelt. Dazu gehört vor allemdie Achtung vor dem Eigenthum des Kindes selber. Boz hat in einem seiner Romane(Klealr-Honos, Thl. 1.) mit schneidender Schärfe die Verkehrtheit jener Mutter gezeichnet,die heute ihren Kindern Geld in die Sparbüchse giebt, um es morgen für Missionenund andere fromme Zwecke wieder herauszunehmen. Das Kind empört sich in solchemFalle ebenso über die Ungerechtigkeit wie über den Zwang; es würde, wenn es wahr-nimmt, welche Freude einer armen Familie mit ein paar Geldstücken bereitet wird, frei-willig in seine Sparbüchse greifen und auch ein Almosen spenden, aber zur Wohlthätig-keit gezwungen verhärtet sich sein Herz den edleren Gefühlen der Liebe und des Wohl-wollens. Mad. Necker berichtet (a. a. O.) von den 18 Monate alten Kindern derenglischen Schule zu Spitalfields, daß sie nie die Früchte im Garten berührten unddas Eigenthum ihrer Spielgenossen wohl zu achten wußten. Aber ihre Erzieher gabenihnen auch ein gutes Beispiel, indem sie nie ermangelten, auch das geringste Spielzeugihnen wieder zuzustellen, wenn sie es ihnen auf einige Zeit genommen hatten.DieseVorsichtsmaßregel" bemerkt dazu die erfahrene und geistreiche Schriftstellerin,ist sehrnothwendig, nicht nur wegen der allzeit regen Lust zur Nachahmung, sondern auch, umden Kindern eine kostbare Eigenschaft, nämlich die Gefälligkeit, mitzutheilen. Nur dann,wenn das Kind vollkommen der Furcht überhoben ist, sein Eigenthum zu verlieren, be-kommt es Neigung, auch andere dasselbe genießen zu lassen, und zuletzt betrachtet esvielleicht das Recht, anderen etwas leihen oder schenken zu können, als das schönste mitdem Besitz verbundene Privilegium, so daß der Eigenthums-und Erhaltungstrieb (l'ssxritäs sonssrvatton) in seiner Seele sich mit dem Hochgedanken edler Freigebigkeit ver-schwistert." Als Parallele zu dieser sehr beachtenswertheu Bemerkung lassen wir eintreffendes Wort Palmers folgen (Pädagogik S. 235).Aber was hat denn das Kindfür Rechte? Das ist's eben, was manche Eltern gar nicht einsehen; weil sie des Kindeskleines Eigenthum, sein kleines Recht selber in ihrer Erhabenheit und Bequemlichkeitnicht achten, so muß das Kind am Ende sich in einer Art von Kriegszustand glauben,wo Raub und Gewalt gilt. Zuverläßig rühren eine Menge von Lieblosigkeiten unterkleinen Geschwistern daher, daß sie ihre Rechte nirgends geschützt sehen, und darum dieGewalt für das einzige Mittel halten, das Ihrige zu wahren. Für ein Kind ist dasschon ein wichtiges Recht, diesen Platz, diesen Teller, dieses Besteck bei Tische zu haben;wenn nun die Erziehenden darauf nicht achten und das als kindische Dummheit mitScheltworten zurückweiseu, was ans dem kindlichen Rechtsbegriff kommt: so wird zu-verlässig nicht liebevollere Nachgiebigkeit, sondern ungestümere Gewaltthätigkeit dieFolge sein."

Ein zweiter Hanptpunct ist, daß wir das Kind frühzeitig gewöhnen, sein Eigenthumnicht als Zweck an sich, sondern als Mittel zu menschenwürdiger Thätigkeit zu betrachten.Man überschütte es darum nicht mit Spielzeug, da es hierdurch versucht wird, entwederwie ein Hamster seine Schätze aufzuspeichern und nur den Besitz als Zweck zu betrachten,oder unstet von einem Ding zum andern zu eilen und keines recht zu brauchen, ankeinem sich recht zu freuen. Zwar ist es ganz der Natur des Kindes gemäß, wenn esein Spielzeug, das ihm die größte Freude machte, nach ein paar Stunden gleichgültigwieder fortwirft; sein leicht erregbarer Sinn strebt nach Mannigfaltigkeit der Eindrückeund darum auch nach Mannigfaltigkeit und Abwechslung in seinem Spiel. Aber mangewöhne es ebendeshalb frühzeitig, diese Mannigfaltigkeit sich selber zu schaffen, auf