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Ehrlichkeit.
Eigenheiten.
Unnatur bisweilen zur Schulkrankheit. — Angewöhnung der Jugend an einen Aufwand,der über das Vermögen geht, oder Zulassung solchen Aufwands für Kleider und Ge-nüsse führt zur Unehrlichkeit, und Eltern, die unvermögend sind, aber zu stolz, solchesden Kindern zu gestehen, verleiten diese endlich zu Schimpf und Schande, indem sie sichselbst nur eine falsche Scham ersparen. Namentlich wer seinen Sohn in ein größeresZusammenleben mit Altersgenossen, z. B. auf eine Universität schickt, mag wohl znsehen,daß er ihn nicht selbst schon darauf vorbereitet habe, flott zu thun bei Schulden undmit Collegiengeldern, die er unter dem Vorgeben der Armut zurückerbat, sich gute Tagezu machen. Wenn die leichtblütige Jugend nicht die Erinnerung an die Ehrenhaftigkeitder Familie, aus der sie kommt, und an den Ernst des Vaters zu Schutz und Wachebei sich hat, so schafft sie sich in wenigen Jahren Scham und Neue für's ganze Leben.
Die Rechtschaffenheit des Thuns in Absicht ans Mein und Dein ist aber ebensowenig als die des Redens vom Erzieher allein symptomatisch zu erzielen. Es kommtdarauf an, daß neben dem speciell hierauf gerichteten Hüten und Wirken ein Höheresins Auge gefaßt werde — geistiges Besitzthum nämlich und das Sammeln der Schätzeim Himmel. Wem das Zeitliche im Mittelpunct und als Zielpunet vor dem Sinnsteht, dem wird umsonst Rechtschaffenheit gepredigt, oder im besten Fall bringt er's zueiner steifen Gesetzlichkeit, worauf er noch sich ein Besonderes einbilden wird. Darumwurde im Eingang die Ehrlichkeit als eine gemüthliche Rechtschaffenheit bezeichnet, zumUnterschied von jener gesetzlichen Steife und von der sog. bürgerlichen Ehrbarkeit, welchenur auf Correctheit in Befolgung conventioueller Normen ausgeht. Ehrlichkeit ist einHeransleuchten des Rechtschaffenen aus einem liefern Lebensgrund, eben darum auch nichtprätentiös, ja auch nicht immer glatt—es giebt cine ehrliche Grobheit, obwohl es falsch ist,grob zu sein, um ehrlich zu erscheinen, und nur der Ausdruck „ehrlich aber dumm" istunrichtig, weil ohne Uebnng des sittlichen Urtheils niemand wirklich ehrlich wird, einsittlichgeübtes Urtheil aber den Menschen in Wahrheit zur Verständigkeit führt, obzwarer von der List eines abgeführtcn Menschen, der es versteht, den gcmüthlichcn Scheinvon Rechtschaffenheit als ein Schalk sich anzncignen, in zeitlichen Geschäften übervor-theilt werden kann.
Ist aber die Ehrlichkeit in der That nur als ein von innen heraus wirksames undmit dem Leben in der Wahrheit wie mit dem Streben nach den Gütern, die drobensind, verbundenes rechtschaffenes Wesen zu erkennen, so leuchtet auch ein, wie menschlicheErziehung von außen allein sie nicht zu schaffen vermag, und daß auch hiezu noch eineverborgene Erziehung nothwendig ist, der sich jeder für sich zu stellen hat, so wie dortNathanael, da er unter dem Feigenbaum stund, und davon ihm das Zeugnis ist zuTheil geworden: siehe, ein achter Jsraelite, in welchem kein Falsch ist. A. Hauver.Ehrtricli, s. Ehrgefühl.
Eigenheiten sind Besonderheiten im Empfinden und Benehmen eines Individuums,welche theils unmittelbar aus einer Naturbeschaffenheit, — Jdiosynkrasieen z. B. gegen-über von gewissen Farben, Tönen, Thieren, auch Menschen (vgl. d. Art. Abneigung) —theils aus einer Familien- oder Stammesdispositiou hervorgeheu, theils als Reflexe undAusläufer seiner Eigentümlichkeit (vgl. Charakter), obwohl in einem mehr oder weni-ger zufälligen Zusammenhang mit dieser an den Tag treten: denn man kann sich voneinem Menschen gar Wohl seine Eigenheiten hinweg denken, ohne dabei seiner Eigen-tümlichkeit zu nahe zu treten, während vielmehr diese, wenn jene sich zu Sonderbar-keiten verfesten, entstellt und verzerrt wird. — Bei Kindern treten sie theils vorüber-gehend auf, wie beim Zahnen und schnelleren Wachsthum, oder indem sie Krankheits-perioden vorausverkündigen, begleiten, uachtönen; die Gährungen und Stürme im Or-ganismus während des Uebergangs aus der Kindheit zur Jugend treiben häufig Eigen-heiten auf die Oberfläche. Diese alle sind aber zu unterscheiden von solchen, die alsErzeugnisse eines habituellen Eigensinns und einer grillenhaften Absichtlichkeit erscheinen.Erstem muß mit Schonung und oftmals auf Umwegen mittelst einer dem Gemüths-