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2 (1860) Director - Globus
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Ehrlichkeit.

verdient waren, wecken durch Uebermaß das Bewußtsein relativer Unschuld, das sich inder Einbildung zu dem der positiven steigert, wirken also dem Zweck wie der wahrenReue entgegen; gleichwohl aber ist von den Eltern der Lehrer zu vertheidigen und derGezüchtigte zur Erkenntnis seiner Schuld zu bringen; wer aber seinem Kind, das übergerechte Strafe klagend auftritt, Glauben schenkt und Recht gibt, der hilft ihm, den Lehrerd. h. einen Miterzieher verleumden, und schwächt sein eigenes Erziehen.

Indessen zur Rechtschaffenheit im Reden, wozu man auch die in den Geberdenliegende Sprache rechnen darf, denn auch in ihnen stellt sich aufrichtiges oder unaufrich-tiges Wesen dar, und Salomo behauptet weislich,wer mit den Angen winket, denketnichts gutes" haben zwar die bisher genannten Mittel theils bildend theils heilendmitznhelfen, allein das Wesentlichste muß auf andrem Wege kommen. Lügen ist Sündean sich und eine Konsequenz der Sünde, denn diese webt sich aus jener die Schleier zuihrer Verhüllung, braucht sie als Schminke für ihre Häßlichkeit. Daher ist der Kampfgegen das Lügen nur ein symptomatisches Verfahren, daS nicht zum Ziele führt, wennnicht zugleich und mit größerem Nachdruck der Sünde selbst entgegen und auf Reinigungdes Herzens und Lebens hingearbeitet wird. Es giebt keine Ehrlichkeit des Mundes ohneein ehrliches Herz und ohne ein ehrliches Thun. Der innere Spiegel des Geistes mußrein sein, von innen heraus und unbefleckt durch böse^Werke, dann gibt er reineStrahlen von sich, und wer ist, wie er soll, der allein kann und will sich zeigen, wieer ist. Daher gehört die Rechtschaffenheit des Thuns der Rechtschaffenheit des Redensnicht an die Seite nur, sondern voran, damit ein ehrliches Wesen zustandekommt.

Jene Rechtschaffenheit des ThunS, die mau unter Ehrlichkeit versteht, findet im ge-selligen Leben einen weiten Spielraum: allgemeine Aufrichtigkeit des Handelns, frei vonRänken und Hinterhältigkeit, Zuverläßigkeit und Worthalten, Bewahrung anvertrauterGeheimnisse, Treue gegen Freunde, Fernebleiben von zweideutigen Planen und verdäch-tigen Unternehmungen, von geheimen Verbindungen, kurz alles was hilft, daß manjedermann ins Angesicht sehen und von jedermann sich in sein Leben hineinsehen lassenkann. Grundsätzliches Mistrauen gegen die Menschen im Unterschied von der durchErfahrung gewitzigten Vorsicht verträgt sich kaum mit einem ehrlichen Sinn undfordert das Urtheil des Sprichworts heraus:wer andere hinter dem Ofen sucht, ist selbstdahinter gewesen." Mistrauen in junge Gemüther pflanzen, heißt eher zur Uebung eigenerals zur Entdeckung fremder Unredlichkeit Anleitung geben. Scherz verträgt sich wohlmit einem ehrlichen Gemüth, und Epaminondas, von dem gerühmt wird, er habe nie,auch nur zum Scherz eine Unwahrheit gesagt, muß nicht gerade hierin zum Ideal ge-nommen sein, obwohl der Heide viele Christen, die im Ernst lügen, beschämen kann;aber andere zum Besten haben und auf Kosten Leichtgläubiger witzig sein, ist eine Ver-letzung ihrer Ehre und stimmt nicht mit der Ehrlichkeit. Spielen um Geld ist nurwenigen ungefährlich und das Ueberlisten anderer dabei entweder Anfang oder Aus-läufer einer betrügerischen Neigung. Solches nennt der Franzose euphemistisch: oorriZer1a kortnne; aber man muß überall und auch in kleinen Dingen zum deutschen:Ehr-lich währt am längsten" halten. Wer aber auch ohne Kniffe spielt, der handeltdoch gegen die Ehre, wenn er entweder selbst unvermögend seinen und der FamilieUnterhalt oder einem unvermögenden Mitspieler die Nothdurft schmälert. Eltern, diebei ihren Kindern Geldspiele zulassen oder arrangiren, sorgen nicht wohl für sie, undStaaten, welche mit Lotto u. dgl. ihren Finanzen aufhclfen, verhelfen ihren Bürgernzur Schlechtigkeit und ihren Beamten zur Untreue. Es mag vielleicht ohne Schadengewinnen, wer des Gewinnes nicht bedürftig ist, aber wer vom erhofften Gewinn Glückund Abwendung der Noth sucht, der mistraut dem Gottesweg zum Glück, der Arbeitund der Sparsamkeit, und begiebt sich auf eine abschüssige Bahn, denn wo das Vertrauenzu Gott fehlt, da fehlt die Kraft und Hut für Treu und Glauben im Verkehr mitden Brenschen.

Dies alles hat die Erziehung im Auge zu behalten, um auf einen redlichen Sinn