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2 (1860) Director - Globus
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Ehrgefühl.

Ehrlichkeit.

sagt der Z. 2:Den Kindern sollen zur Ermunterung keine Nebenzwecke vorgehaltenwerden, als z. B. sic sollen studiren, sollen Kanzler, Doctoren, Superintendenten wer-den rc. Zwar wird ein Lehrer durch solche Fürstellung einigermaßen seinen Zweck er-reichen, hingegen werden die zarten Gemüther mit Ambition, Geiz, Neid und andernLastern unvermerkt erfüllet und hindern ihr ewiges Heil gewaltiglich. Wenn dagegendie Kinder zu beständiger Furcht und Liebe des allgegenwärtigen Gottes erwecket wer-den und ihnen der rechte Adel der menschlichen Seele, so in der Erneuerung zum Eben-bilde Gottes besteht" (vies ists also, was der Pietismus an die Stelle der weltlichenEhre setzt),mit lebendigen Farben vor die Augen gcmalet wird, so ist solches hinläng-lich genug und viel durchdringender und kräftiger zum Guten, als die satanischen Für-stcllnngen der Herrlichkeiten dieser Welt." (Vgl. dazu auch Zellers Lehren der Er-fahrung, HI. S. 47.) Aus ganz andern Gründen freilich war Rousseau gegen dieWeckung und Nährung der Ehrbegierde; wo der Zögling so isolirt wird, daß ein Ge-meinschaftsleben gar nicht möglich ist, somit die wesentliche Voraussetzung für wirklicheEhre fehlt, wo überdies Urtheil und Sitte der Menschen von vornherein als falsch undverderblich angenommen wird, da bleibt für jenes Motiv kein Platz übrig. Dasrichtige Maß hat Herbart (Umriß päd. Vorl. ß. 169) bündig so bezeichnet: man sollkeinen Ehrgeiz künstlich nähren, aber auch kein natürliches und richtiges Ehrgefühl er-drücken; in welcher Weise die neuere Pädagogik dieses Maß zu treffen und im ein-zelnen durchzuführen sucht, ist in obiger Auseinandersetzung dargelegt, neben welcher wiraußer den bereits erwähnten Werken noch ans Banr, Erz.-L. 2. Ausl. S. 170, D ö-derlein, Aufsätze, I, 2739. 238. Vilmar, Schulreden S. 60, Niemeyer, Grund-sätze re. I. S. 223 ff. 281, 315. III, 76, 194 und Völt er, über die Erziehung desEhrgefühls, in seinen Beiträgen zur christl. Päd. und Did. 1852, S. 31, verweisen.

Palmer.

Ehrlichkeit ist die gemüthliche Rechtschaffenheit im Reden und Thun und manwird sie von Ehrenhaftigkeit und Ehrcnfestigkeit dadurch unterscheiden, daß letztere zwarim Wesen Rechtschaffenheit gleich, den Nebenbegriff sittlicher Tapferkeit oder einessittlichen Pathos mit sich führen, während jene den des Naiven an sich hat, und daßdie Ehrlichkeit jedermanns Pflicht und gleichsam eine allgemeine Hans- und Werktags-tngend ist, während die beiden andern, gleichsam von festlicher Art, bei bcsondern Ge-legenheiten, Kämpfen, Versuchungen sich erproben. So handelt z. B. der Kaufmann,der bei ausbrechendcm Bankerott nichts ans die Seite schafft und all das Seine hergiebt,um die Gläubiger möglichst zu befriedigen, ehrlich, seine Frau aber, wenn sie unterVerzicht ans die ihr gesetzlich zustehende weibliche Freiheit auch noch ihr eigenes Ver-mögen dazu giebt, ehrenhaft; desgleichen handelt in Zeiten politischer Kämpfe derjenigeehrlich, der aus Mistrauen in seine Standhaftigkeit sich entfernt hält, derjenige aberehrenfest, welcher, einmal dareingestellt, standhaft und ohne Rücksicht auf eigenen Vortheiloder Nachtheil zu seiner Pflicht hält. Ehrlichkeit kann man von jedermann verlangen, sie istVoraussetzung bei den täglichen und allgemeinsten Beziehungen der Menschen zu einander;daß aber die Ehrlichkeit alltäglich mit Accent auftrete, das kann man weder verlangennoch wünschen, sondern sie soll als ein Habitus und selbstverständlich den gesellschaft-lichen Beziehungen innewohnen, daher sie oben als gemüthliche Rechtschaffenheit bezeich-net wurde; denn die sittliche Luft, in der wir gesunden Athem schöpfen, hat zu Grund-bestandtheilen neben der Liebe Treu und Glauben.

Sehen wir, was die Erziehung hiefür thnn kann und soll. Sie muß erstlichfür Wahrhaftigkeit des Zöglings, für seine Rechtschaffenheit im Reden sorgen.Das vornehmste Mittel dazu ist die Rechtschaffenheit und Wahrhaftigkeit des Erziehersselbst, daß Eltern, Lehrer lautere Menschen sind, damit die Kinder in solcher reingehal-tencn Luft aufwachsen, und die natürliche Neigung des menschlichen Herzens zurUnwahrheit (w«s keinen Vorschub durch diejenigen findet, an welchen

das Kind hinaufsieht, nach welchen es sich unbewußt bildet. Lügen wehren, Lügen strafen