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2 (1860) Director - Globus
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Ehrgefühl.

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Falle ist das Geben des Ehrenworts ebensowenig Sünde als im analogen Falle dieLeistung des Eides. Darüber muß aber der Zögling vom Erzieher ins Klare gesetztwerden; er soll wissen, was das Ehrenwort in der socialen Welt bedeutet; er soll das-selbe scheuen, wie jeder rechtschaffene Christ sich vor dem Eide scheut; aber muß er esgeben, so soll er auch wissen, daß er wirklich seine Ehre einsetzt, somit von seiner Ehren-haftigkeit in diesem speciellen Falle seine ganze sittliche Existenz abhängt.

Es ist nur noch übrig, einen Blick auf die Geschichte zu werfen, die uns über dieErziehung des Ehrgefühls so sehr entgegengesetzte Theorien vorführt. Cramer giebt(Gesch. der Erz. und des Unter. II. S. 598) Cicero als den ersten an, der acht römischdas Moment der Ehre, das llonssturn st ctsvorurn in die Pädagogik einführte; und Quin-tilian (ebend. S. 672) bezeichnet es schon als einen der Vorzüge, die die Schulerziehungvor der häuslichen voraus habe, daß sie den Ehrgeiz entflamme, der, obgleich an sich einLaster, doch häufig die Quelle von Tugenden sei. Das ist denn auch herrschende An-sicht in allen den pädagogischen Kreisen geblieben, welche das classische Alterthum zuihrem geistigen Mittelpunct hatten. So klagt Augustin in seinen Confessionen (I, 17.III, 3) über die eitle Sucht nach Ehre, von der seine Schulzeit, namentlich seine rhe-torischen Studien und Uebungcn begleitet gewesen. Und wieder in der Zeit der nach-mittelalterlichen Humanisten galt, wenn auch christlich gemildert, die Ehre als eine Haupt-triebfeder, die ver Lehrer in Bewegung setzen müße. Von Trotzendorf z. B. ist bekannt(s. die Schrift über ihn von Löschte, Breslau 1856, S. 37), daß er seine Schüleran bestimmten Tagen sogar Lobreden aus einander halten ließ;wem der Preis zuer-kannt wurde" (d. h. wohl dem Redner, nicht dem von ihm Belobten)der wurde be-kränzt, sein Name wurde öffentlich ausgerufen, in ähnlicher Weise, wie einst den Siegernzu Olympia geschah." Hieher mag auch gerechnet werden, was dort S. 19 bei Gele-genheit der Begrüßung, mit der Trotzeudorf sein Amt unter den Schülern von Gold-berg augetreten habe: Latvsto vos nobilss, oonsulss, oaesarnm, rsZum, piinoiprrmoonsiliarii, vos oxiüoss st artilloss oto. weiter erzählt wird als Vorgang hiezu, daßnämlich Luthers Lehrer in Eisenach, Joh. Trebonius, beim Eintreten in das Schulzim-mer jedesmal das Barett abgenommen und dies auch von den andern Lehrern verlangthabe,dann es sitzet unter diesen jungen Schülern noch mancher, da Gott aus demeinen einen ehrlichen Bürgermeister, aus dem andern einen Cantzler, Hochgelahrtenvootorsm oder Regenten machen kann; ob ihr sie gleich jetzo nicht kennet, denselbensollet ihr billig Ehre erzeigen." Wie sehr die Jesuiten den Ehrgeiz zu benutzen suchten,aber nicht aus Nachahmung elastischer Vorgänger, sondern weil an diesem Gängelbandedie Knaben auch dereinst noch als Männer zu leiten waren, und in welch raffinirter,corrumpirender Weise sie dieses Mittel auwendeten, ist bereits erwähnt. Aber auch diepositiven Gegner der alten, gelehrten Schulbildung, namentlich Locke und die Philan-thropisten haben mittelst des Ehrtriebes Wunder thun wollen. Bei ihnen war dasMotiv der Haß gegen allen Zwang, gegen die herkömmliche Art, durch Züchtigung denSchüler vorwärts zu treiben; viel leichter, viel angenehmer erschien ihnen das Reiz-mittel der Ehre; Locke nennt die Anwendung desselben das große Geheimnis der Er-ziehung. lieber dem Angenehmen, was dieser Weg für den Zögling haben sollte, ver-gaß man nicht bloß das sittlich Gefährliche, sondern auch das jenem Zweck selber nichtEntsprechende, Laß derjenige, in dem einmal der Ehrgeiz angefacht ist, eigentlich niemalssich glücklich fühlt, weil auch die glänzendste Befriedigung doch nur eine momentane ist,jede Nichtbefriediguug aber furchtbare Qualen schafft. Locke war übrigens einsichtsvollgenug, um seinGeheimnis" doch nur für jüngere Kinder anzuempfehlen; die reiferensoll das Pflichtbewußtsein und die Zufriedenheit Gottes vielmehr leiten, als der Beifallder Menschen. Aber wird dieses so sehr menschliche Motiv auf ei nen bestimmten Ter-min jenem göttlichen den Platz räumen, wenn es der Erzieher wünscht? 2m Gegen-sätze zu alle dem haben die Pietisten dem Ehrtrieb ganz und gar kein Recht und keineNahrung geben wollen. In A. H. Francke'skurzem und einfältigem Unterricht"