Ehrgefühl.
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nichts zu thun, als daß der Erzieher den Zögling nöthigt, sich um der Menschen Urtheilzu kümmern und, wo es sein muß, sich darnach im Handeln zu richten. Er kann ihmnur vorstellen: sieh, man hält dich für dumm, für unordentlich, für schmutzig, für un-dankbar u. s. w., willst du dich darum ansehen lassen, als ob du's wirklich wärst? Undwenn du auch solch ein Herz von Blech hättest, so dulde ichs nicht, daß mein Kind sichund mich in solch schlechten Nus bringt; du mußt schlechterdings dein Benehmen ändern.Daß dies „schlechterdings" immer nur ein relatives ist, wissen tvir sehr wohl; aber nurwenn der Erzieher alles versucht hat, Zwang wie Vorstellung, Zucht wie Ermahnung,und dies unausgesetzt in Anwendung bringt, nur dann hat er das Seine gethan undist für den Erfolg nicht weiter verantwortlich. — Darauf übrigens, daß die Respecti-rung des Urtheils seiner Umgebung im Knaben den Grund legen müße zu jener Ach-tung der öffentlichen Meinung, die jedem zngemuthet werden müße, machen wir mitWaitz (Allg. Päd. S. l72 f.) noch besonders aufmerksam.
Es ist am Anfänge dieses Artikels das Wesen der Ehre zunächst nach der subjec-tiven Seite betrachtet worden, sofern sie in einem Gefühl besteht, das ich für einen an-dern habe, dem Gefühl der Achtung, womit ich ihn bereits innerlich ehre, auch wennich noch keine Gelegenheit zur Aeußerung dieses Gefühls, zur Ehr-Erbietung habe.Diese passive Seite hängt mit der activen, das Ehren anderer mit dem eigenen Erwerban Ehre aufs genaueste zusammen, nicht bloß in dem schlimmen Sinn von 2oh. 5,44.,da man sich gegenseitig ehrt, bloß nm gegenseitig geehrt, d. h. becomplimentirt zn wer-den, d. h. sich gegenseitig belügt und thöricht genug ist, um aus der eigenen Heucheleidennoch nicht auf die gleiche Unredlichkeit des andern zn schließen, — sondern auch indem sehr guten Sinn, daß, je mehr ich selber bereit bin, das Edle und Tüchtige inandern zu ehren, um so mehr diese Tüchtigkeit derer, die ich darob ehre, auf michselbst znrückwirken wird, nicht durch Anreizung zu eifersüchtigem Nachftrcben, sonderndurch Erregung des ganz gerechtfertigten Wunsches, Len großen Abstand zwischen mirund dem Gegenstände meiner Verehrung dadurch zu vermindern, daß ich, was miran Gaben verliehen ist, mit demselben Ernste ausbilde, um auch in meinem Theilenicht eine Null, sondern eine Person zu werden, ein Mann, dessen Leben nicht werth-los, nicht ein pures Vegetiren ist. Für die Phantasie des Knaben hat cs etwas un-widerstehliches, falls er gerade von einem tapfern General liest, sich selber als General,falls er einen Componisten an der Spitze seines Orchesters dirigiren sieht, sich alsKapellmeister u. s. f. vorzustellen. Wir legen aber darauf für deu genannten Zwecknicht viel Werth; gerade wer sich solche Dinge so lebhaft ausmalt, der begnügt sichleicht damit, sich als General, als Kapellmeister auch nur zu träumen, er wirdaber weder das eine noch das andere. Viel wichtiger und wirksamer ist es, wennin Haus und Schule man von allen den Menschen, die auf Ehre Anspruch haben, auchin ehrerbietigem Tone spricht, wenn sowohl die großen Männer des Vaterlands und derGeschichte, als auch die nahestehenden würdigen Personen nie anders dem Kinde vorAugen und in Erinnerung gebracht werden, denn als Gegenstände der Verehrung. Da-durch senkt sich die Idee des persönlichen Werthes, lange bevor über dieselbe rcflectirt,sie zu klarem Begriff erhoben wird, in das junge Herz ein, und eben so unbewußt gehtdie Application dieser Idee auf das eigene Ich mit seinem Leben und Streben vor sich.
Eine Schulfrage wird gewöhnlich auch ins Capitel von der Ehre und dem Ehrtriebausgenommen, nämlich, was von Prämien und Auszeichnungen aller Art, ebenso vomLocircn zu halten sei. lieber beide werden eigene Artikel folgen; über die erstern könnenwir nur wiederholen, was Bd. I. S. 529 gesagt ist, daß Lohn und Lob zwar Freude,aber nicht Selbstzufriedenheit im Zögling Hervorrufen dürfen, eine Freude über seinWerden, nicht eine Zufriedenheit mit seinem Sein. So, wie das Prämienwescn im all-gemeinen ist, ist eS unsrer Ueberzcugnng nach vom Nebel, und wenn das nicht, so ist eseine pure Geldverschwendung; die Methode vollends, wornach lei den Jesuiten und denPhilanthropien, bei den Franzosen und bei den Engländern (s. z. B. Hahn, das Nn-