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2 (1860) Director - Globus
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Ehrgefühl.

Noch mehr Werth aber für die Erziehung des Ehrgefühls, als das richtig ertheilteLob, hat das Vertrauen, das der Erzieher dem Zögling im Lebensverkehr selbst beweist.Er kann ihm irgend einen ehrenden Auftrag geben; er kann ihm in einer Untersuchungaufs Wort glauben; er kann ihm sagen, was Paulus dem Philemon sagt:ich weiß,du thust mehr als ich dir sage," alles derartige wird den Zögling innerlich heben,wird es ihm desto unmöglicher machen, solches Vertrauen zu tauschen. Ob dies Ver-trauen aber auch so weit gehen darf, daß der Lehrer einen Theil seines Amtes an einenSchüler überträgt, das ist, abgesehen von Nothfällen und von der wechselseitigen Schul-einrichtung, zweifelhaft; wen der Lehrer so beehrt, der wird gar zu leicht ein Gegen-stand des Hasses der andern und meist nicht ohne Grund. Dagegen gelangt unter denSchülern selbst leicht einer oder der andere zu einem gewissen Ansehen; oft ist esder körperlich Stärkste, oder der im Spiel Gewandteste, oft aber auch der intellectuellam weitesten Vorgeschrittene. Der Lehrer kann ihm solche Ehre lassen, wofern auchdie sittliche Qualität derselben würdig ist; alsdann kann Ein solcher Schüler, der denTon angicbt, für eine ganze Classe ein Segen sein. Ist aber diese Hegemonie einebedenkliche oder entschieden nachtheilige, dann ist es nöthig, dem Volkstribuu zu zeigen,daß man seine Auctorität mit nichten anerkennt. Aehnlicher Weise gewinnt auch unterGeschwistern öfters eines eine gewisse Auctorität, der sich die andern in williger Aner-kennung seiner Superiorität unterordnen ein Gegenstück zu 1 Mos. 37, 119. Istdiese Superiorität eine wohlbcgründete, so thut man wohl, sie gewähren zu lassen, abernicht zu steigern; den Eltern gegenüber soll kein Kind das bevorzugte sein. Wie imKreise der Familie vielmehr jedem Kind zu fühlen gegeben werden kann und soll, daßes als Glied des Ganzen Werth geachtet ist, z. B. durch Feier seines Geburtstages,darüber s. d. Pädagogik des Unterzeichneten, 2. Ausl. S. 293 f. und den Art. Familie.

Wir haben oben dafür angenommen, der Ehrtrieb und als erste, echt kindliche Formdavon das Ehrgefühl sei im Kinde schon vorhanden und brauche also nur richtig ge-leitet und vor den genannten Ausartungen bewahrt zu werden. Allein wir haben eszuweilen auch mit Individuen zu thun, die in Bezug auf alles, was Ehre heißt, in dieClasse der Dickhäuter gehören. Solch einem Menschen ist es total gleichgültig, welcheZeugnisse über ihn ausgestellt werden. Das kann die Folge allgemeiner sittlicher Stumpf-heit sein, die überhaupt jeder geistigen Einwirkung Trotz bietet; ein Mensch solcher Artkann nur noch durch die zwingende Gewalt der Zucht zu demjenigen genvthigt werden, wasnothdürftig seine menschliche Existenz bedingt. Andre aber können nach einer Seite fürdas Urtheil, schon für die Mienen ihrer Umgebung sensibel sein und z. B. eine miß-liebige Bemerkung von Geschwistern über ihr dürftiges Wissen und Können sehr empfind-lich aufnehmcn, während dieses Ehrgefühl weit nicht bis dahin reicht, um sie anzutrei-ben, sich ein bessres Wissen und Können anzueignen, um sich alsdann vor Lehrern undEltern nicht mehr schämen zu müßen. Einem solchen ist der Selbstwiderspruch immerwieder vorzuhalten, in dem er sich befindet; kann jenes in oft kleinlicher Empfindlichkeitsteckende Ehrgefühl entbunden und ihm der Werth einer wahren Ehre bemerklich ge-macht werden, so ist das ein Glück; denn wie sich die Ehre schlechterdings nicht erzwin-gen läßt, so auch nicht das Ehrgefühl. Oft aber wird der Zögling (wie es mancheErwachsene sind) durch eine gewisse Bequemlichkeit oder auch durch hohe Einbildung ganzgleichgültig gegen der Menschen Urtheil; ob sie gut oder schlimm von ihm denken, dar-über besinnt er sich keinen Augenblick, er lebt sich und seinen Gedanken, denkt vielleichtgar nicht daran, daß andre sein Benehmen gewahr werden, oder ist zu stolz, um sichdarum zu kümmern, welchen Eindruck sie von ihm bekommen. Ein svlcker ist immerwieder gerade an das zu mahnen, an was er selber nie denkt, nämlich: was wird manvon dir denken? So wenig es einem christlichen Charakter entspräche, bei allem, wasman thut, sich von dem Gedanken an der Menschen Urtheil bestimmen zu lassen undeben darum was man thut immer zuerst um des Scheins willen zu thun: so verkehrt,so lieblos und so thöricht ist doch jene Gleichgültigkeit gegen fremdes Urtheil; es ist aber