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2 (1860) Director - Globus
Entstehung
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Ehrgefühl.

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gewahr wird, wie sehr er sich durch das Verrathen seiner Gedanken, durch das Unge-stüme seiner Begehrlichkeit lächerlich macht; Wünsche und Erwartungen, die der wahr-haft Ehrliebende, auch wenn er sie hegt, doch zurückdrängt, weil es ehrenhafter ist, An-gebotenes nur anzunehmen als Nicht-Angebotenes sich anzumaßen, kann jener nicht ver-schweigen, und wenn sie unerfüllt bleiben, hält er ebensowenig seinen Grimm zurücklauter Symptome eines vom Ehrgeiz völlig abgestumpften Ehrgefühls. Dazu kommtnoch, daß der Ehrgeizige sogar entschieden ehrlose Mittel zu seinem Zwecke nicht scheut,wie z. B. der ehrgeizige Schüler sich vor sich selber im geringsten nicht schämt, denLehrer zu hintergehen, während das wirkliche Ehrgefühl lieber sich eine Demüthigunggefallen läßt, als daß es solche Mittel gutheißen würde. Wie aber der Ehrgeiz dasEchte und Sittliche in der Ehrliebe, nämlich eben das Ehrgefühl abstumpft, so ist eran sich schon durchaus unsittlich, weil er das von der Pflicht Gebotene entweder unter-läßt und Übertritt, nur um Ehre zu erlangen, oder es thut, aber aus demselben Grund,also den Genuß eines Gutes, das nur wie ein göttlicher Segen aus wirklicher Sitt-lichkeit erblühen soll, zum Zweck, das sittliche Handeln aber zum Mittel macht. Manhat gesagt, daß, wenn dieses Moralgebot allgemein anerkannt würde, dann die Welt-geschichte sehr langweilig wäre; sie verdanke ihre großartigsten Facta dem Ehrgeiz,überhaupt den Leidenschaften der Menschen. Demnach müßte man, um die Weltgeschichtebei Athem zu erhalten, den Ehrgeiz eher nähren als dämpfen. Aber abgesehen davon,daß die größten weltgeschichtlichen Thatsachen: das Christenthum und die Reformationnicht das Werk der Leidenschaft sind, hat es die Erziehung (s. L. Art. Erziehung) nichtmit der Weltgeschichte, sondern mit dem einzelnen Menschen zu thun, und diesen zurLeidenschaft erziehen, damit er ein welthistorischer Mann werde, wäre eine Pädagogik,die den Zögling einem Moloch opferte, ohne irgend eine Bürgschaft, daß dafür seinName auf Len Blättern der Weltgeschichte zu lesen sein werde.

Aus dem Gesagten ergiebt sich nun, daß die pädagogische Behandlung ebenfalls einemehr negative als positive wird sein müßen. Wenn ich dem Knaben sage: schäme dichdieser Unart! schäme dich dieser unverständigen Antwort, dieser eigennützigen Handlung,dieses unpassenden Umgangs, dieser Gewaltthätigkeit gegen einen Schwächer» u. s. f.: soliegt darin bereits ein positiver Kern, denn da sich der Zögling erniedrigen kann, somuß er also an sich höher stehen, er muß einen Werth haben, den er momentan ver-leugnet hat. Diesen Werth kann das Kind selber noch in keiner Formel ausdrücken;er liegt ihm instinctartig darin, daß es ein Ich, ein Mensch, dann näher, daß esseiner Eltern Kind, daß es so und so alt ist. Christlich wird ihm dies so gedeutetwerden, daß es geschaffen sei zum Bilde Gottes; was aber nicht aus-, sondern geradeeinschließt, daß im Kinde eigentlich schon das erkannt und anerkannt werden muß, wases erst werden soll, nicht was es schon ist, jener Jdealmensch (Normalmensch, Preis-mensch), von dem Jean Paul (Levana I. H. 26 ) spricht, der in jedem vorhanden ist,aber erst freigemacht werden muß. Soll sich der Schüler einer Arbeit, die er schlechtgemacht, schämen, so ist damit imxlloito gesagt, daß en sie besser machen konnte, alsowieder etwas darin ausgesprochen, was auf ihn als Ehre wirkt, L. h. als Anerkennung,daß er so viel Gabe und Kenntnis besitze, um das Pensum richtig zu Stande zu brin-gen, daß auch seine Pflicht als Schüler, also gleichsam das Amt, mit dem er betrautist, die Würde, Glied dieses kleinen Gemeinwesens zu sein, fordern würde, daß er nichtdurch Faulheit oder Zerstreutheit unter der Linie des von ihm zu Erwartenden bleibe.Sehr einseitig wäre es jedoch, das Ehrgefühl in dieser Art bloß auf Leistungen hinzu-lenken, bloß in dieser Beziehung es sensibel zu machen; da gerade kann am leichtestendas Lob zum Zweck gemacht, der Ehrtrieb zum Ehrgeiz werden. Sondern noch sorgfäl-tiger muß im alltäglichen Leben, im Verkehre mit Menschen aller Art, im Reden undHandeln das Gefühl verfeinert werden, um von allem Unnobeln, Gemeinen mögen

es andre thun, oder sei man selbst in Gefahr es zu thun, oder stelle man es auch nurPädag. Encyklopädie. II. ^