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2 (1860) Director - Globus
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Ehrgefühl.

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die, die ihn noch sahen. Aber ein solcher fühlt sich dann entschieden unglücklich nichtsowohl, weil es äußerlich nicht vorwärts mit ihm geht, sondern weil es ein tragischesSchicksal ist, ein Prophet zu sein und von niemanden gehört zu werden, Kräfte em-pfangen, Erkenntnisse gewonnen zu haben, die zum Heile der Menschen bestimmt sind,und doch niemanden zu finden, dem man die Freude hätte sein Inneres aufschließen zukönnen. Ja, solch ein Loos kann in doppelter Weise nachtheilig auf den Charakter zu-rückwirken. Der eine wird sich, weil er seines Werthes sich vollkommen klar bewußtist, mit Verachtung von den Menschen abwenden und höchstens mit der Anerkennungsich trösten, die ihm von noch ungeborncn Geschlechtern dereinst gezollt werden wird.Der andre aber wird über sich selber ungewiß; weil ihm niemand Recht geben will,so beredet er sich am Ende selbst, er habe Unrecht. Sein Selbstbewußtsein und damit

der innre Halt wird ihm unsicher, wenn der Spiegel, den ihm das Urtheil der Men-

schen vorhält, ihm stets anderes sagt, als was er von sich glaubte. Wo dagegen das,was ein Mensch leistet, von den Mitmenschen bemerkt wird, wo diese Aufmerksamkeit inWohlgefallen übergeht und an dieses sich das Gefühl bei ihnen knüpft, daß in seinemThun etwas reelles, ja eine Kraft höhern Ursprungs sich kund gebe, die als solche denUebrigen die Pflicht auferlegt und fühlbar macht, sie gelten zu lassen, sie in ihrem Werthund ihrer Bedeutung zu bejahen: da ists ein freudiges Wirken, da kann der Einzelne

für die Gemeinschaft etwas sein, weil sie sofort auch etwas von ihm erwartet und mit

Vertrauen hinnimmt, was er ihr giebt. Für den rechtschaffenen, tüchtigen Mann bedarfes hiezu nicht vieler und häufiger Ehrenzeichen es ist für niemand gut, wenn er zusehr daran gewöhnt wird der Gefeierte zu sein; aber so viel Ehre, daß er sieht, er istnoch nicht unbrauchbar geachtet, es ist noch ein Aufmerken für ihn da dies ist einGut, dessen Werth der Bescheidene am besten erkennt; gerade weil sein Selbstgefühl einimmer nur relatives, schüchternes ist, wird ihm die Ehre zu einer Stütze, zu einem freund-lichen Zeichen, daß er nicht zurückgewiesen werde, wenn er fortfahre, seine Kräfte auchzum Dienste der andern anzuwenden.

II. Es ist Zeit, von der allgemeinen, ethischen Betrachtung zur speciell pädagogi-schen zu schreiten. Das kann nach Obigem nicht zweifelhaft sein, daß der Erzieher diekünftige Ehre seines Zöglings im Auge haben soll; nicht in der eitlen Weise, daß ersich denselben schon als Minister oder Professor träumt, sondern nur in dem Sinn, daß,was er auch dereinst für eine Stelle einnehmen mag, etwas rechtes aus ihm gewordensein möge. Aber nicht sowohl die künftige Ehre des Zöglings ist es, was dem Erzieherals Problem vorliegt, sondern es fragt sich, in wie weit jetzt schon, so lange der jungeMensch noch im Stande der Erziehung sich befindet, die Ehre für ihn als Gut existiren,als Motiv seinen Willen bestimmen und in letzter Beziehung von dem Erzieher selberals Hebel gebraucht werden dürfe, um den allgemeinen Erziehungszweck oder besondereZwecke (z. B. ein bestimmtes Lernziel) mittelst desselben um so eher zu erreichen?

Sehen wir einmal zu, was in dieser Beziehung im Kinde selber sich regt. Ehrekann es für dasselbe von Anfang, d. h. im zarteren Alter noch gar nicht geben, da daseinzig mögliche Object für sie, die persönliche Tüchtigkeit noch gar nicht vorhanden ist;wenn vor einem kleinen Prinzen die Wache salutirt, so gilt das der Krone des Vaters,dem Kinde selber muß es als purer Spaß Vorkommen, wie es umgekehrt etwas überauskomisches hat, wenn ein kleiner Junge seine Aussageauf Ehre" betheucrt. Gibt esaber auch noch keine Ehre, so lange das Kind nicht irgend welchen persönlichen Werthzeigt, so giebts dagegen etwas andres, was auch das Kind sehr wohl empfindet: das istdie Schande. Sich zu schämen vermag es so früh, als überhaupt das Bewußtsein Hellewird; vor dem Ausgelachtwerden fürchtet es sich, bevor es noch ein Urtheil hat überden Grund oder Ungrund solcher Begegnung. Und das ist die erste, die ursprünglichste wir dürfen wohl sagen: auch die reinste Gestalt, in welcher das Verlangen nachEhre im Kindesleben zur Erscheinung kommt. Man kann, wenn man den ganzen Men-schen im Auge hat, in der Psychologie und Ethik ganz wohl von einem dem Menschen