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2 (1860) Director - Globus
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Ehe.

nur noch heimatloses Gesindel existirt hätte. Zu obigem kommt aber noch derhöhere Gesichtspunkt, den die Kirche aufstellt. Wir lassen darüber am liebsten Sch lei er-wach er reden, s. dessen christliche Sitte, S. 341:Die Geschlechtsgemeinschaft, sofernwir sie auf die christliche Kirche beziehen, hat nur die Tendenz, die des höheren Lebensfähigen menschlichen Einzelwesen fortzupflanzen und zu vermehren. Wird aber so dieErzeugung ganz auf das höhere Leben bezogen, so sind auch Erzeugung und Erziehungin sofern gar nicht zu trennen, sondern ein und derselbe Proceß; denn wo menschlichesLeben entsteht im Bereiche der Kirche, da kann es nur gedacht werden als Gegenstandfür die Wirksamkeit des heiligen Geistes." Hiernach müßen wir sagen: würde der Ehenicht auch die Erziehung anvertraut, würde diese etwa für die Kirche in Anspruch ge-nommen, wie sie von andern Seiten für den Staat beansprucht wurde, so hätte die Ehebloß die hiedurch zur Gemeinheit herabsiukende Aufgabe der Zeugung und Fütterungder Jungen; all ihre sittlichen Kräfte müßten zurückgedrängt werden. Weiter aberfahren wir mit Schleiermacher a. a. O. fort:Dann folgt auch unmittelbar, daß dieGeschlechtsverbindung in der christlichen Kirche keine Form haben kann, als die mono-gamische, daß sie nichts sein kann, als Ehe im engeren Sinne des Worts. Sind nunErzeugung und Erziehung identisch, so ist auch die Erziehung eine gemeinschaftliche;bei einer Mehrheit von Frauen ist es aber nicht möglich, daß die Erziehung dieselbesei. Jede derselben ist verschieden von jeder andern; jede würde also auch ihren Antheilan der gemeinschaftlichen Erziehung verschieden gestalten und der Mann müßte dadurchin einen wesentlich andern Gang geleitet werden." Dies trifft im morgenländischenHaremsleben nur deswegen nicht zu, weil der Vater sich meist um die Erziehung garnicht kümmert, also auf seinen Antheil zum voraus verzichtet, somit auch nicht in dieVerlegenheit geräth, bei den Söhnen verschiedener Frauen verschiedene Erziehungs-principien anwenden zu müßen, um den Müttern gerecht zu werden. Von der Päda-gogik der Mormonen ist uns noch zu wenig zu Ohren gekommen, als daß wir dieWirkung, die die Polygamie bei jenen Heiligen auf die Erziehung hat, anzugeben wüßten.

2) Was sofort die Schließung eines Ehebündnisses betrifft, so haben im Grundalle die Erfordernisse und Hindernisse, welche sowohl die Moral als die Gesetzgebungin jener Beziehung geltend macht, auch für die aus der Ehe entspringenden Kinder ihreBedeutung; auch wo kein positives Gesetz hindernd in den Weg tritt, auch wo irgendwelche Vortheile dem Gatten Ersatz zu bieten scheinen für wesentliche Mängel, wird dieRücksicht auf die Nachkommenschaft oft davon abhalten müßen, es mit diesen so leichtzu nehmen. Allerdings wird ein Paar, das sich aus Neigung ehelichen will, an die zuerzeugenden Kinder, die vorerst bloß in der Phantasie (oder theologisch gesprochen inlumbis ^.äaini) existiren, gar nicht denken; es wäre geradezu unnatürlich und unan-ständig, jetzt, wo die beiden sich noch ausschließlich Gegenstand der Liebe sein sollen,schon an die künftige xrolos zu denken; die Poesie des Brautstandes würde dadurchzerstört. (Darum kümmert sich freilich die römische Kirche nicht, die bei gemischten Ehenalsbald die erst zu erzeugenden Kinder in Beschlag nimmt. Auch wenn, namentlich beieiner zweiten Ehe, die Vermögensverhältniffe erst geordnet werden müßen, so geht dieFixirung des Rechtes über das Zartgefühl, das von jenem Puncte stillschweigen heißt.)Aber wenn die Neigung oder anderweitige Absichten auf Verheirathung mit einem In-dividuum gehen, an welchem irgend eine der Eigenschaften haftet, die der Erfahrunggemäß eine Ehe entweder überhaupt unglücklich zu machen oder wenigstens für die Nach-kommenschaft Unheil zu bringen drohen: dann ist jenes Zartgefühl am Unrechten Ort,es muß dem Heirathslustigcn auch dieser Punct ins Licht gesetzt und ihm darüber dasGewissen geschärft werden. Dahin gehört nun Folgendes. Bedeutende Ungleichheit desAlters bringt, wenn die Frau der ältere Theil ist, mehr sittliche Gefahr für die Eheselbst, als für Kinder, weil selten mehr eine Geburt erfolgt; ist aber der Mann einGreis, die Frau noch jung, so wird sehr zu erwarten sein, daß, wenn auch die Ehenoch fruchtbar ist, doch das Kind schwächlich und der Antheil des Vaters an der Er-