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2 (1860) Director - Globus
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Dramatische Aufführungen.

Magdeburg und viele andere Rectoren der damaligen Zeit. Obwohl es nicht an ein-zelnen Stimmen fehlte, die auf die sittlichen Gefahren hinwiesen, die von diesen Stückender Jugend drohten, so fand sich doch die große Mehrzahl der Humanisten, unter denenes Männer von der höchsten Strenge des Glaubens gab, mit der sittlichen Frage leichtab. Neben Terenz wurde durch das ganze 16. und 17. Jahrhundert in den Schulenauch eine große Zahl neu lateinischer Dramen zur Aufführung gebracht, die von denHumanisten verfaßt waren. Es genüge hier außer an Reuchlin und Celtes, die darindie Vorbilder wurden, an Xhstus Betulius, Naogeorg, Macropedius, Nicodemus Frischlinund Martin Heineccius zu erinnern. Der ursprüngliche Zweck der Schulbildung wurdedabei zu dem allgemeineren sittlicher und kirchlicher Bildung erweitert. Manbearbeitete vorzugsweise biblische Stoffe aus dem alten und neuen Testamente oderverfaßte kirchliche Tendenzstücke, die unmittelbar in die großen Kämpfe der Reformationeingriffen. Da man sich aber bald überzeugte, daß man, um auf das Volk zu wirken,deutsch reden mäße, entstand neben jenen lateinischen Dichtungen ein vollständigesdeutsches Drama, das aus der Bibel und dem Kampfe der Reformatoren entlehntvon der lebendigsten Theiluahme des Volkes getragen wurde und sich hauptsächlich alsSchulkomödie ausbildete. Luther mochte es gerne sehen, daß die Thaten Christi inden Schulen, lateinisch und deutsch, ordentlich und unverfälscht zusammengestellt, aufge-führt werden xroxtsr rsl msmoiiana st akksotnin jnnioribns anAsnünin. Da er sogarin den Vorreden zu Judith uud Tobias diese Bücher, so wie einige andere spät ent-standene Stücke des alten Testamentes für Dramen erklärt hatte, die nachmals in dieprosaische Form übertragen auf uns gekommen seien, beriefen sich unzählige Geistlicheund Schulmeister für die von ihnen dramatisirten biblischen Geschichten auf seine Aucto-rität. Allmählich wurde die ganze heilige Geschichte dramatisch behandelt und in denSchulen zur Aufführung gebracht. Aus dem alten Testamente waren die Geschichtenvon Tobias, Judith, Susanna, Daniel, Esther und einige andere besonders beliebt.Aus dem neuen Testamente fand der verlorene Sohn die zahlreichsten Bearbeiter. Unterden Dichtern sind hauptsächlich Paul Rebhun, Joachim Grefs, Johann Ackermann, GeorgRollenhagen zu nennen. Diese geistlichen Komödien sollten ein Tugend- und Laster-spiegel für die Jugend seinweil allweg dasjenige so ein Mensch mit eigenen Augenstehet, einem mehr zu Gemüth gehet, und in besserem Gedächtnis bleibet, denn wasman nur höret." Zuweilen wird auch Förderung der öffentlichen Beredsam-keit uud geselligen Bildung als Zweck der Komödien bezeichnet.Dis Knabenwerden dadurch kühne, für die Gemeine zu reden, lernen fein aus dem Munde sprechen,lernen sich auch bei den Leuten fein schicken." (Melchior Newkirch in der Widmung zuseinem Stephanus. Braunschweig 1592).

Dergleichen Ausführungen fanden im 16. Jahrhundert in fast allen Schulen Nord-und Mitteldeutschlands statt. In Süddeutschland blühte besonders das tlisatrum aoa-äomionm zu Straßburg. *) Die Bühnen wurden in den Sälen der Schulen, auf demMarkte, im Rathhause und selbst in den Kirchen aufgeschlagen. Lehrer und Geistlichespielten nicht selten mit. Die Theilnahme der Schüler erstreckte sich zuweilen bis auf6jährige Knaben herab.

Die Jesuiten, die sich bald dieses pädagogischen Bildungsmittels bemächtigt hatten,statteten ihre Aufführungen mit dem höchsten Glanze aus. Sie ließen aus sittlichenGründen Plautus und Terenz nicht zu und gaben nur eigene Stücke. Der öffentlichenPreisvertheilung gieng in ihren Schulen jedesmaleine komische Handlung" vorher.

Neben diesen kunstgemäßen Darstellungen kommen auch dramatische Aufführungenzur Weihnachtszeit vor, die aus unmittelbar volksthümlicher Sitte hervorgegangen waren.Dieheilige Christfahrt", ein Umzug Christi mit seinen Engeln und Knechten, unterdenen Rupert nie fehlen durfte, wurde von Schülern und Lehrern, die eine Einnahme

*) Vgl. auch das Ulmer Programm 1858. S. 1K.