22 Doppelunterricht.
aus einem gleichzeitigen Unterrichte einen ungleichzeitigen, wobei die Gleichheit der Persondes Lehrers nur eine zufällige ist.
Der sogenannte Doppelunterricht (wir behalten das Wort, wie Curtman es imSchwarz'schen Lehrbuch der Erziehung und des Unterrichtes gebraucht hat, ohne es ge-rade nach Wortbildung und Wortinhalt ganz adäquat zu finden) dient dem oben er-wähnten Zwecke, der Individualität jedes einzelnen Schülers, des schwächeren wie desstärkeren, im Unterrichte Rechnung zu tragen, wozu auch die Beförderung einer selbstän-digen Thätigkeit gehört, auf verschiedene Weise, wie weiter unten näher ausgeführtwerden wird. Er sichert nicht nur die Erfolge des unmittelbaren (ausnehmenden) Un-terrichtes an den einzelnen Schülern, er erleichtert auch dem Lehrer die individuelleEinwirkung auf die einzelnen Schüler, und befördert das so wichtige Selbstlernen,Selbstfortschreiten, Selbstüben des einzelnen Schülers. Er ist also nicht nur als For-derung der Noth (Nothbehelf), sondern auch des Uuterrichtszweckes überhaupt zu be-trachten. Daher kann seine Anwendung auch in kleineren Elasten, ja selbst bei demgleichzeitigen Privatunterrichte mehrerer Kinder geboten und nützlich sein.
Beim Doppelunterrichte kommen folgende Puncte in Betracht: der Eintheilungs-grund, dieZahl der Abtheilungen, die Beschäftigung der Abtheilungenund das Verhalten des Lehrers zu den Abtheilungen.
Man kann die Schüler abtheilen nach Alter, Geschlecht, Fähigkeit oder nach derStufe des Lehrplanes, auf welcher sie stehen. Den Zweck wird man nur durch die zu-letzt genannte Abtheilung erreichen. Denn soll der gemeinsame Unterricht allen Schü-lern einer ALtheilung von Vortheil und für Erregung ihrer geistigen Kraft gleich ge-eignet sein, so muß er von gleichen Voraussetzungen bei den Schülern ausgehen undan die gleiche von allen erreichte Vorstufe knüpfen. Von selbst ergiebt sich, daß derLehrplan den Gang und die Stufen des Unterrichts objectiv festsetzen muß. Weder dieNbtheilung nach dem Geschlechte, noch die nach dem Alter kann diesen Rücksichten genügen.Aber auch nicht die ausschließliche Theilung nach den natürlichen Fähigkeiten. Dennabgesehen davon, daß auch der Fähigste die Vorstufen durchlaufen haben muß, wenner sie schon vielleicht in kürzerer Zeit durchlaufen kann, so wäre für Schüler und Lehrernichts trauriger, als die Unfähigen sämmtlich allein zusammeuzukoppeln, wodurch sieihrer Führer (der so nöthigen Vorspann), des stärksten Spornes und Vorbildes beimLerngeschäft beraubt, und dem Lehrer die Last verdoppelt und die Lust genommen würde.
Die Frage nach der Anzahl der Abtheilungen könnte nach dem Bisherigenbereits erledigt scheinen. Denn wenn einmal als Priucip angenommen ist, daß diejenigenin eine Abtheilung zu bringen sind, die auf der gleichen Unterrichtsstufe stehen, so könnteman auf die Frage: wie viele Abtheilungen? einfach antworten: so viele, als es ver-schiedene Stufen sind, auf welchen die Schüler der Elaste stehen. Allein damit läßt sichnoch wenig machen. Erstlich muß eine sehr große Anzahl Schüler jedenfalls in Ab-theilungen gebracht werden, auch wenn sie alle auf der gleichen (objectiven) Uuterrichts-stufe stünden, weil die Uebersicht des Ganzen und die Ueberwachung der Einzelnen eserfordert; sodann hat die Abtheilung, wie oben bemerkt, noch weitere Zwecke, nämlichdas selbständige Lernen und Arbeiten der Schüler; ferner giebt es größere und kleinereStufen des Unterrichtes, und mit der Frage nach der Zahl der Abtheilungen geht ebendie Frage, welche Stufen gemacht, welche zur Abtheilung maßgebend werden sollen,Hand in Hand; endlich stehen kaum 3, geschweige 30 oder 40 Schüler so genau aufeiner und derselben Unterrichtsstufe, daß sie mit einander Schritt zu halten vermöchten,wie eine exercirte Compagnie, die auf das Commando den Fuß gleichzeitig aufhebt undgleiche Schritte macht. Es kann ja unmöglich schon die objective Unterrichtsstufe alleinentscheiden, d. h. es kann für Zutheilung zu einer Abtheilung nicht hinreichen, daß derSchüler ein gewisses Pensum durchgemacht hat, so wenig als daß er ein gewisses Le-bensalter erreicht hat. Es kommt vielmehr zugleich darauf an, wie er dieses Pensumaufgefaßt und in sich verarbeitet hat, also auf die subjective Erkenntnisstufe, die von