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Director.
Interesse für die Sache entspringender häuslicher Fleiß hält die Schüler nicht bloß vonallem Unsittlichen ab, sondern ist auch in sich selbst etwas vollkommen sittliches unddie Quelle von vielen Tugenden; denn wenn die menschliche Seele einer so idealenund vortrefflichen Thätigkeit, wie die Beschäftigung mit den Sprachen und Wissen-schaften ist, mit reinem Interesse sich hingicbt, so macht sie sich zum Träger eines All-gemeinen und entaußert sich ihrer subjectiven Eigenheit; und darin liegt das Principaller Sittlichkeit. Daher besteht auch das Hauptmittel des Directors, den sittlichenGeist der von ihm geleiteten Schule zu befördern und zu beleben, darin, daß er nichtbloß selbst ein anregender Lehrer ist, sondern auch seine Collegen so zu bestimmen weiß,daß sie die Schüler nicht bloß mit wissenschaftlichen Arbeiten in Beschlag nehmen, son-dern auch die Gemüther derselben mit Interesse für die Wissenschaften erfüllen. Alles,was der Director thut, um den Unterricht zweckmäßiger zu gestalten, das dient auchdazu, den sittlichen Geist zu beleben; während umgekehrt an einer Schule, an der derUnterricht im großen und ganzen nichts taugt, nothwendig auch die Disciplin verfällt.Auch die sittliche Haltung der einzelnen Classen steht in directem Verhältnis zu deranregenden Kraft des Unterrichts der betreffenden Lehrer. Von allen Unterrichtsgegen-ständen wirken aber diejenigen am meisten auf die Sittlichkeit, die am tiefsten in dasGemüth eingreifen, und daher hat der Director vor allem darauf zu sehen, daß derReligionsunterricht gut ertheilt wird und hat ihn, wenn es irgend möglich ist, in ein-zelnen Classen selbst zu übernehmen.
Zu den positiven Mitteln, durch welche der Director auf den sittlichen Geist derSchule eiuwirken kann, gehören ferner auch alle Veranstaltungen, in welchen die Schuleals ein lebendiges Ganzes auftritt und daher der einzelne Schüler als Glied einerlebendigen Gemeinschaft erscheint. Denn durch alle solche Veranstaltungen wird derSchüler, der mit Interesse daran Theil nimmt, aus seiner Jsolirtheit herausgehobenund in ein edles Gesammtleben versetzt, worin der Grund und das. Ziel aller gesundenSittlichkeit zu finden ist. Ich rechne zu solchen Veranstaltungen schon die gemeinschaft-lichen gymnastischen Uebungen und gemeinschaftliche Spaziergänge und Turnfahrten;sodann Rede- und Gesangfeierlichkeiten und Schulfeste aller Art, auch öffentliche Prü-fungen; endlich auch und ganz besonders die gemeinschaftlichen Andachten, mit denender Unterricht eröffnet wird, eben so auch, wo es Sitte ist, die gemeinschaftlichen Kir-chenbesuche und die gemeinschaftliche Abendmahlsfeier. Weiß der Director diese Feier-lichkeiten so einzurichten, daß die Schüler mit ganzem Herzen dabei sind, so dienen siewesentlich dazu, den allgemeinen Geist der Schule zu beleben; während sie dagegenmehr schaden, als nützen, wenn sie als bloß mechanische Formen festgehalten oder aucherst eingeführt werden. Es kommt dabei auch sehr auf den Geist der Stadt an, inwelcher die Anstalt sich befindet. Es giebt Städte, in welchen z. B. der Besuch desöffentlichen Gottesdienstes noch ziemlich allgemeine Sitte ist; in diesen wird sich auchder gemeinschaftliche Besuch der Kirche von Seiten der Schüler und unter Aufsicht derLehrer als heilsam erweisen und der Director wird in diesem Falle diese Sitte denSchülern zur Pflicht zu machen haben; dagegen würde es etwas bedenkliches haben,die Schüler in solchen Städten zum Besuche des öffentlichen Gottesdienstes zu zwingen,wo die Eltern dem Mehrtheil nach selbst die Kirche nicht besuchen und den Kirchen-zwang hassen.*)
Doch die erwähnten positiven Büttel zur Belebung der Sittlichkeit der Schülerwürden in sehr vielen Fällen allein nicht zureichen, um in einer Anstalt so zu sageneine sittliche Atmosphäre zu erhallen. Das sinnliche und bestimmbare Gemüth derJugend unterliegt zu leicht bösen Einflüssen, die von außen an dieselbe herankommen
*) Andererseits darf in solchen Fällen der Religionsunterricht es nicht versäumen, den Segender kirchlichen Gemeinschaft und die Pflicht der lebendigen Theilnahme daran den Schülern nahezu legen, und wenn die Lehrer den Religionsunterricht hierin nicht namentlich durch ihr Beispielunterstützen, so laden sie große Schuld auf sich. D. Red.