Direktor.
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nen sonstigen Functionen auch das Lehrgeschäft mit den Lehrern gemeinsam zu betreiben hat,das kann nicht bezweifelt werden. Die Geschichte selbst beweist es, daß die ausgezeich-neten Directoren immer auch ausgezeichnete Lehrer waren und vornehmlich auch durchihre Lehrthätigkeit den Geist ihrer Anstalten bestimmten. Johannes Sturm war nichtbloß ein ausgezeichneter Lehrer, sonvern auch der Begründer einer neuen Lehrmethode,der sogenannten Nomenclaturmethodc. Trotzendorf wurde der geistige Organisator seinerSchule in Goldberg dadurch, daß er seinen Geist durch eine treffliche Lehrthätigkeit indie Seelen der Schüler überzupflanzen wußte. Er hatte das Talent, seinem VortrageLeben, Anschaulichkeit und Deutlichkeit zu geben und bediente sich zu diesem Behuf be-sonders der Kunst des SokratisirenS oder wie er es ausdrückte des Katechisirens undExaminirens mit einer solchen Geschicklichkeit, daß er das Interesse der Schüler im höch-sten Maße zu fesseln wußte. Auch Jacob, Spilleke, Ilgen, dem die Schulpforte zuAnfang dieses Jahrhunderts ihren Ruf verdankt, galten als treffliche Lehrer. In derThat ist es auch nicht denkbar, daß der Director die Seele der ganzen Anstalt sei, ohnedaß er selbst als Lehrer lebendig wirkt. Das A und O der Bildungsanstalten ist undbleibt der Unterricht, von dem Unterricht gehen Kenntnisse, Bildung, ja selbst die wahreGesittung der Schüler aus; und diesen Nerv der Bildungsthätigkeit sollte der Directornicht berühren? Vielmehr ist der Unterricht die freiste Thätigkeit, durch welche er seinenGeist auf die Schüler übertragen und sich in ihnen als eine bestimmende Kraft geltendmachen kann (anders in Belgien s. d. Art. S. 509).
So viele Stunden, als die anderen Lehrer, wird der Director natürlich nicht haltenkönnen, weil er noch durch viele andere Geschäfte in Anspruch genommen wird. Istdie Zahl der Elasten der Schule und daher auch das Lehrercollegium groß, so möchten12 wöchentliche Stunden für ihn das maximum sein. Was für Stunden er übernimmt,das wird sich einestheils wohl nach seinen wissenschaftlichen Studien und Vorkenntnissenrichten; anderntheils aber dürfte er es sich nicht nehmen lassen, in solchen Gegenständenzu unterrichten, die in das Gemüth und den Geist der Schüler am tiefsten eingreifen,namentlich den Unterricht in der Religion und in der deutschen Sprache und Literatur,auch die Interpretation elastisch vollendeter Werke des Alterthums. Am natürlichstenist es, daß er in der obersten Elaste unterrichtet, um den zur Univcrsiiät abgehendenSchülern die letzte wissenschaftliche Weihe ertheilen zu helfen. Aber es ist sehr zweck-mäßig, daß der Director auch in den übrigen Elasten stets einige Stunden ertheilt undin dieser Beziehung möglichst oft wechselt. Es ist dies besonders auch um deswillenwünschenswert!), damit er die Elasten und die einzelnen Schüler hierdurch genauerkennen lerne, als es durch bloße Jnspectionen, durch Revision der Clastenbücher, Durch-sicht der Extemporalien, der Censuren und durch die Urtheite der Lehrer in Conferen-zen und sonst möglich ist. Denn je genauer der Director die einzelnen Schüler kennt,desto eingreifender wird seine Wirksamkeit ans die ganze Anstalt und namentlich auchauf die Disciplin'. — In der sittlichen Haltung der Schüler liegt der wahre Werthder Schule. Kenntnisse, Fertigkeiten und Verstandesbilvung sind ein sehr mißlichesGut für den Menschen, wenn sich nicht eine sittliche Gesinnung damit verbindet. AllerUnterricht und alle Beschäftigungen der Schüler haben keinen anderen Zweck, als inihnen eine klare und krästigfreie sittliche Gesinnung zu erzeugen. Daher hat es derDirector als seine Hauptaufgabe zu betrachten, einen Geist sittlicher Reinheit und Ord-nung unter den Schülern zur Herrschaft zu bringen und sich daher an die Spitze allerUnternehmungen zu stellen, die dazu dienen können, einen solchen Geist hervorznbringenund zu nähren. Es kann aber der sittliche Geist entweder mehr auf eine positiveWeise, nämlich durch Unterricht und geistige Gemeinschaft, oder auch mehr negativ durchAbwehrung schädlicher Einflüsse und durch Bestrafung der vorkommenden Vergehungenerhalten werden. Das Hauptmittel der positiven Disciplin ist der Unterricht selbst.Ist der Unterricht wie er sein soll, so fesselt er das Interesse der Schüler und regt sieznm Fleiße an. Aber Aufmerksamkeit in den Stunden und ein aus dem lebendigen