Zuneigung.
Nachahmung.
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zu sein. Nimmt der Jüngere und Schwächere Theil an den Vorzügen des Aelterenund Begabteren, so sieht hinwiederum dieser sich in seiner Persönlichkeit anerkannt nndgenießt das wohlthuende Gefühl, anderen etwas zu sein und trotz der eigenen Jugendeinen Vorzug des Alters zu besitzen. So finden sich beide Theile in ihrem Umgängegehoben, in der Ausbildung ihrer Persönlichkeit unterstützt und angeregt. Die Zuneigungist so sehr an den Lebenstricb der Erhöhung des Daseins geknüpft, daß, wo keineErgänzung des einen durch den andern stattfindet, wo die Kräfte und Strebungenallzu gleich sind, weit eher Eifersucht, Mistrauen, Kälte eintritt, wie zwischen gleich-artigen Polen, die sich abstoßen.
Da, wo bei gleichem Alter und gleicher Kraft auch gleiche Ansprüche sich bilden,wie bei Concurrenten um einen Preis, oder bei Geschwistern, die im Alter sich nahestehen, im Verhältnis zu den Eltern und zu einander, entstehen leicht Reibringen undNeckereien. Aber man darf von solchen auch in Raufereien sich Luft machenden Reibungennicht zu voreilig den Schluß auf Entfremdung der Gcmüthcr und positive Abneigungmilchen; das junge Pack schlägt sich und verträgt sich. Nur hat der Erzieher daraufzu achten, daß sich solche Neckereien und Reibungen nicht zu oft wiederholen oder inbittere Stimmung umsetzcn; er muß darauf aus sein, den eifersüchtigen NebenbuhlernGelegenheit zu geben, sich einen Dienst zu erweisen und gegenseitig zu unterstützen,indem er ihren Blick auf ideale Zwecke richtet und das Verständnis derselben vermittelt.
Obwohl sich die Zuneigungen der jüngeren Lebenszeit selten zur Freundschaft undLiebe des reiferen Alters entwickeln — schon darum nicht, weil das persönliche Bei-sammensein nicht stetig fortgeführt werden kann — so sind doch auch die Fälle nichtselten, daß Jugcndfreundschaften Sonnen werden, die den Pfad des spätem Lebenserhellen und verschönen. Aber auch dann, wenn die Zuneigungen mit den Gegenständenderselben verschwinden, sind sie nicht vergebens gewesen: sie haben das Gemüth erwärmt,inniger, reicher gemacht, und diesen Schatz bringt der Mensch in jene Tage der Prüfungund Herzensdnrrc mit, von denen es heißt: „sie gefallen mir nicht!" Auch diegemächliche Theilnahme an den Menschen, die Neigung des Herzens zu andern Herzenwill früh geübt, das Gemüthslebcn will ganz besonders in der Jugendzeit entwickeltund genährt sein, sonst verknöchert es bald nnd wird steif. Etwas lieben muß derMensch und findet das Herz kein zweites Herz, dem es vertrauend nahen und offen sichmittheilen darf, dann wendet cs sich auf die Interessen des eigenen Selbst zurück undverhärtet in Selbstsucht. Nicht selten sind die Zuneigungen zu Thieren ein kleinerErsatz für den Mangel der Zuneigungen zu Menschen und bezeugen, wofern sie nichtauf bloßer Spielerei mit den Thieren, sondern auf Theilnahme an der Creatur beruhen,ein überfließendes Wohlwollen des Herzens, das bei günstiger Gelegenheit auch derMenschenliebe wieder zu Gute kommt. Aber einen wirklichen Ersatz für den Mangelder letzteren können Thiere nicht gewähren, weil der bildende Umgang fehlt, welcherallein der Zuneigung den idealen Gehalt und damit den bleibenden Werth verleiht.
A. W. Grube.
Ztlsillgll s. den Nachtrag.
Nachahmung. Nachahmungstrieb.*) Wir könnten uns bewogen finden, von diesemTriebe, sofern er dem Menschen, dem Kinde natürlich sein soll, lieber zu schweigen, umnicht den modernen Genealogen des Menschengeschlechts, die unfern ganzen Stammbaumauf den Affen zurückführen, damit den kleinen Finger und somit schließlich die Hand zu
*) Obiger Artikel ist durch ein Versehen nicht am gehörigen Ort eingeschaltet worden.
D. Red.
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M. Sncyllopiidie. X.