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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Zuneigung.

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Mutter, wenn diese leichtsinnig ist und ihre Mutterpflichten vernachläßigt. Dem gutentreuen Lehrer, der nicht bloß mit dem Verstünde Locirt, sondern auch mit dem Herze»,und der nicht bloß Interesse für das Nnterrichtsobject, sondern vor allem für das zuunterrichtende Snbjcct hat und liebevoll ans die verschiedenen Individualitäten seinerSchüler cingeht, nicht minder besorgt für ihren sittlichen Fortschritt, als für ihrenintellectncllen und technischen: dem wird es nicht an der Zuneigung seiner Schüler fehlenund selbst manche Mängel und Sonderbarkeiten seiner äußeren Erscheinung werden derZuneigung keinen Abbruch thun, während die Schwächen eines anderen Lehrers, derkalt und vornehm sich den Schülern gegenüberstellt, der nur Lehrer und kein Erzieherist, zum Stichblatt des jugendlichen Nebermnthes dienen und der Abneigung volleNahrung bieten.

Indem der Lehrer mit jeden: seiner Schüler in ein persönliches Verhältnis tritt,jeden in seinem eigenthümlichen Wesen zu erfassen strebt und durch das Medium desUnterrichts den ganzen Menschen zu gewinnen und zu entwickeln sich bemüht, wird ergemüthlich mit seinen Zöglingen vertraut und aus diesem geistig-sittlichen Verkehr entspringtWieder das Vertrauen der Schüler zum Lehrer, dem sic ihre Persönlichkeit öffnen undWillig hingcben zur Bildung und Entwicklung. Nur so wird es möglich, daß derLehrer den Schwachen am rechten Orte und zu rechter Zeit zu stützen und zu ermuthigen,dm guten Willen und ausdauernden Fleiß, auch wo derselbe nicht mit Erfolg gekröntwird, mit derselben Freudigkeit anzuerkcnnen vermag, wie die raschen Fortschritte desTalentvollen. Aus der gerechten und freudigen Anerkennung der individuellen Leistungenerwächst dann die Freudigkeit des Lernens und diese wirkt höchst ersprießlich auf dieZuneigung zun: Lehrer zurück. Das ist die belebende, erquickende und stärkende Luftfür das Wachsthum des inneren Menschen, wenn die Lust und Liebe zun: Dingvon der schon das Sprüchwort sagt, sie mache Mühe und Arbeit gering mit derZuneigung zun: Lehrer Hand in Hand geht.

Ganz besonders ist für den Mädchenlchrer der gute Erfolg des Unterrichts an dieZuneigung seiner Schülerinnen geknüpft. Der Knabe hat in: allgemeinen mehr Achtungvor dem Lehrgegenstand als solchem, als das Mädchen, das mehr durch sein gemäch-liches Verhältnis zum Lehrer, durch seine Beziehung auf die lehrende Person für dieTheilnahme am Object des Unterrichts gewonnen wird und schon von vornherein den:Lehrer ein größeres persönliches Interesse entgegenbringt. Aber auch dem zarterenGeschlecht darf die Anstrengung im Lernen nicht erspart werden, damit Freude amgeistigen Wachschum und Much zun: Fortschritt sich bilde; an der Strenge und demtiesercn Ernst darf es der Lehrer auch im Mädchcnunterricht nicht fehlen lassen, wenner der dauernden Zuneigung seiner Schülerinnen sich versichern will.

Lehrer und Erzieher bedürfen des kindlichen Sinnes, der jugendlichen Frische, derFähigkeit, in die Gefühls- und Anschauungsart der jungen Seelen sich zu versetzen,damit diese die frohe Gewißheit erhalten, daß jene nicht nur von ihnen verschieden sind,in unerreichbarer Höhe der Bildung über ihnen stehen, sondern daß sie Freunde, theil-nehmende Gefährten, gleich strebende und gleich empfindende Seelen sind, denen sie ohneRückhalt und Furcht sich an- und aufschließcn dürfen. Eltern und Lehrer, Erzieherund Erzieherinnen sollen und dürfen sich von der jugendlichen Lustigkeit nicht sprödeebwenden, sie mögen 'unbedenklich mitunter in die jugendlichen Spiele sich mischen, nichtum sie zu hemmen, sondern zu fördern, die Spiellust zu erhöhen; sie brauchen nicht zufluchten, daß sie darob an der Achtung und Zuneigung der Jugend Einbuße leiden.In: Gcgentheil.

Diese Herablassung ist jedoch etwas ganz anderes, als dasHerabkaucrn" undKiuLischthun, als jenes unpädagogische Schönthun, schlaffe Nachgcben und ängstlicheSchonen der Individualität, das darauf ausgeht, mit äußeren Mitteln sich dieZuneigung des Kindes zu gewinnen. So geben wohl Dienstboten ihren Pfleglingenallerlei Näschereien oder versprechen dem kleinen Uebelthäter, der sich der verdienten