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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Zögling.

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will, sie sinds zufrieden. Solche absolute Lenksamkeit und Widerstandslosigkeit ist inder Regel keine erfreuliche Erscheinung; es fehlt au allem eigenen Antrieb, an Energiedes Willens; und wenn auch, was zu thun befohlen ist, unweigerlich und mit einer ArtGewissenhaftigkeit vollzogen wird, so steckt hinter diesem Gehorsam doch eine Trägheitund Bequemlichkeit, die sich durch andere hauptsächlich darum leicht bestimmen läßt, weiles Mühe macht, sich selbst zu bestimmen. So lange dergleichen gute Seelen unter desErziehers Leitung stehen, geht alles gut; aber es darf sonach um so weniger dem Zufallüberlassen werden, in welche Hände sie gerathen; fehlen die nöthigen Impulse zum Guten,so bleiben die zum Bösen um so weniger aus; wirkt aber auch die Umgebung nicht nach-theilig auf solche Menschen ein, setzt sich sogar durch die Gewöhnung allmählich einfesterer Kern des Wollens und Nichtwollens an, so wird doch nie eine selbständige, kräf-tige Thätigkeit von ihnen zu erwarten sein; es können aus solchen Individuen z. B. ganzgute Subalternbeamte werden, die es dann bitter empfinden, wenn sie nicht verrücken,während sie doch, sobald sie auf eigene Verantwortung handeln und energisch eingreifcnsollten, sich als unfähig erweisen. Es kann aber jene Passivität im Zögling dochauch eine edlere Ursache haben. Er sieht zu seinem Erzieher mit einem Respect auf, dernicht bloß der amtlichen Autorität, sondern der Person, dem Wissen und dem Charakterdesselben gilt, also wesentlich ein inniges, tiefes Vertrauen ist. Diejenigen Gemnther,denen dies gerade ein absolutes Bedürfnis ist, die sich unglücklich fühlen, wenn sie nie-mand haben, dem sie ein solches Vertrauen schenken können, oder wenn dieses ihr Ver-trauen vielleicht getäuscht worden ist, wenn sie am Erzieher Menschlichkeiten gewahrwerden, die sie gar nicht für möglich gehalten hätten solche- Gemüther sind wahrlichvon edelster Art. Wie sehr gerade dieser Zug im Kindesherzen wir können sagen:dieser weibliche Zug, der auch dem unverdorbenen Knaben wohl ansteht, die psychologischeVoraussetzung für alle Religiosität, für die unbedingte Hingebung an eine überweltlicheunsichtbare Macht, Liebe und Weisheit ist, sei hier nur angedeutct. Gerade deshalb aberweil jene Hingebung sich unter richtiger Leitung mit der Zeit Gott zuwenden, also zurReligion, zur Frömmigkeit werden wird, ist nicht zu fürchten, daß sie in Passivität verharrenmöchte; ihre Energie wird sich seiner Zeit schon offenbaren, sobald es sich um Abwehrdessen handelt, was die Pietät zu verletzen, das Heilige anzutasten droht.

2. Auf der Gegenseite sichen schon in der Jugendwelt solche Naturen, die, aushärterem Stoff gebildet, von kräftigeren Impulsen bewegt, auch ohne daß ein böser Willesich damit verbände, doch sich der Welt im allgemeinen, ganz im besonder» aber demErzieher gegenüber auf dem Kriegsfuß glauben, die gegen jeden Zwang, gegen jedeHemmung durch einen fremden Willen sich zum Widerstand gereizt fühlen und darumkein Mittel unversucht lassen, die Sphäre ihres eigenen Beliebens zu erweitern. Es sinddas, wie gesagt, keineswegs schon deshalb böse Buben, unbändige Bursche; aus solchemMaterial bilden sich oft hernach die tüchtigsten Männer. Der Erzieher aber hat destomehr die Aufgabe, während sie ihm gegenüber sich gleichsam ausdehnen wollen, nun nichtetwa unnöthig, willkürlich oder gar auf verletzende Weise in ihre Freiheit cinzugreifcn,i wodurch er sie ja nur in der Meinung bestärken würde, daß sie Recht haben, sich gegen

I ihn zu wehren, weil er ihnen ein Unrecht zufüge, wohl aber mit unerbittlicher, doch

^ ruhiger Consequenz sich selbst und die von ihm rechtmäßig geforderte Ordnung aufrecht

! zu halten. Merken solche Jungen, daß sie der männlichen Festigkeit gegenüber nichts ge-

^ Winnen, so lernen sie darein sich fügen und sind hernach als Männer dankbar dafür, daß ihnen

einst Männer gegenüberstanden. Nicht selten aber tritt, namentlich im Anfang des Zu-sammenseins mit dem Erzieher, jene Reaction des Eigenwillens nicht handgreiflich hervor,der Zögling sucht vielmehr mit einer ihm kaum bewußten Diplomatie herauszubekommen,an welcher Seite der Erzieher schwach sein könnte, um dann hiernach mit den Versuchen! der Emancipation sich zu richten. Hierüber hat sich Jeremias Gotthelf inSchulmeisters

- Leiden und Freuden" (II. S. 4 ff.) so treffend geäußert, daß wir am besten ihn selbst

> reden lassen:Bei den Kindern herrscht Schlauheit, sie fühlen sich die Schwächeren, darum