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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Zerrenner, Karl Chr. G.

der Bell-Lancaster'schen, gegen die Zerrenner ebenfalls schon lange vorher seine wesent-lichen Bedenken geäußert (Schulfreund, 9. Bdch. S. 152 ss.).Dieser gegenseitigeUnterricht," der im wesentlichen Kindern anvertraut ist, sagt Zerrenner (a. a. O. S. 160,kann nie zu dem eigentlichen großen Ziele der Erziehung und Jugendbildung führen.Das Ganze ist und bleibt ein Abrichten, durch welches gewiße Kenntnisse mit dem Ge-dächtnis aufgefaßt und gewisse Fähigkeiten erlangt werden; aber von Erziehung undBildung ist hier keine Rede." Dagegen fügt er schon damals hinzu (S. 162):wobloß von Hebungen die Rede ist, mag Knabenkraft ausreichen; aber Höheres fordert dieBildung des Geistes und Herzens." Nach der wechselseitigen Schuleinrichtung, wie sieZerrenner empfahl, sollten aber eben nur die Hebungen den Knaben übertragen werden,der eigentliche Unterricht dem Lehrer selbst verbleiben und zwar so, daß, wenn auch nacheiner genauen Classification der Schüler für diese Hebungen zahlreiche Stufen (z. B. 14für das Lesen) unterschieden wurden, nach denen die Knaben vertheilt und beschäftigtwurden, es doch nur 2 oder 3 große Abtheilungen gab, die abwechselnd den eigentlichenUnterricht seitens des Lehrers erhielten. Freilich konnte schließlich Diesterweg sich daraufberufen, daß nach einem gewaltsamen Aufschwünge die Sache selbst sowohl im Hol-steinischen nach dem Tode des Königs, der den Gegenstand ganz besonders begünstigthatte, als auch in Sachsen trotz Zerenners Bemühungen bald ganz wieder eingeschlafmwar. Das lag aber nicht in dem Mechanismus des Verfahrens, im Gegentheil in derSchwierigkeit und Weitläufigkeit, welche das sogenannte Hülfsprotokoll erforderte, umdie einzelnen Kinder genau zu classificiren uud jeder kleinen Stufe (denn jeder Knabehatte höchstens 6 andere bei ihren Hebungen zu beaufsichtigen und zu leiten) den geeig-neten Gehülfen und die passende Hebung zuzuweisen. Dies erforderte eine so complicirteArbeit außerhalb und innerhalb der Lehrstunden, daß man es gern glauben kann, wenndie einzelnen Lehrer über die äußerste Erschöpfung klagten, die das Resultat dieses Unter-richtes war. Allerdings waren die Erfolge in Magdeburg, in Aschersleben ausgezeichnete.Hier bestanden eine Knaben- und eine Mädchenschule, jede das ganze schulpflichtige Altervom 6. bis 14. Jahre enthaltend, zu deren Unterricht zwei mächtige Fabriksäle benutztwurden; sie standen unter der Leitung der noch jetzt in Dortmund und Ascherslebenwirkenden Männer Rokohl und Sander und waren Zerrenners Stolz; denn ihreLeistungen standen gegen die der üclasfigen Bürgerschule nicht zurück. AberdieseSchulen," sagt Looff,konnten auch nur bestehen, wenn der Lehrer seine volle geistigeund körperliche Kraft seinem Lehramte hingab." Hier war also Zerrenner das begegnet,was ihm sonst nicht so leicht passirte, daß er aus Begeisterung für die Sache und durchdie Erfolge getäuscht an den Lehrer zu große Anforderungen gestellt hatte. Die aufden Gegenstand bezüglichen Schriften Zerrenners sind: lieber das Wesen und den Werthder wechselseitigen Schuleinrichtung. 1832. Mittheilungen und Winke, die Einfüh-rung der wechselseitigen Schuleinrichtung betreffend. 1834. Die wechselseitige Schul-einrichtung nach ihrem inneren und äußeren Wertste, mit Beziehung auf des Semiuar-directors Lr. Dicsterweg Schrift über dieselbe. 1837.

Bald nach der holsteinischen Reise wurde infolge des Todes des Propstes Rötgeram Kloster u. l. Fr. unserem Zerrenner, der dafür die Direction des Seminars ausgab,die Leitung dieses Gymnasiums und Alumnats unter dem alt hergebrachten Prädicateeines Propstes übertragen, und auch hier hat er seine organisirende Hand angelegt. Dieinnere Verfassung dieser Anstalt wurde nemlich damals dahin umgeändert, daß sie eineden übrigen Gymnasien der Monarchie entsprechende Einrichtung erhielt und für einehöhere Unterrichts- und Pcnsionsanstalt erklärt wurde. Wegen seiner anderweitigen aus-gedehnten Thätigkeit, die ihn oft in die Provinz führte, war er selbst vom Unterrichtentbunden worden. Bald wurde ihm ueue Ehre zu Theil: im I. 1833 ertheilte ihmdie Universität Leipzig die philosophische, im I. 1834 bei Einweihung des neuen Uni-versikätsgebäudes die Universität Halle die theologische Doctorwürdc. Dagegen wurdenach dem Tode des Rectors Solbrig (1843) der Director Müller von Torgau an das