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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Zcrrenner, Karl Chr. G

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hofft für das Seminar gleichen Segen unter Zerrcnners Händen. Knuth schreibt: Auchin Berlin scheint man jetzt mit Ernst darauf bedacht zu sein, das Volksschulwesen imganzen zusammenhängend umzubilden und dabei Magdeburg zum Muster ansehen zuwollen. Ihre Schrift wird in Berlin von einem sachkundigen Mann gelesen und dannsogleich nach Breslau wandern. Die Organisation des Berliner Schulwesens, welchein diesem Briefe angedeutet war, wurde ernstlich ins Auge gefaßt; der Berliner Magi-strat glaubte aber zu diesem Zwecke keinen geeigneteren Mann finden zu können, alsZcrrenner. Karl Ritter schreibt an ihn, er sei als der einzige Mann in der Monarchiebezeichnet worden, der dieses große Werk mit Erfolg durchzuführen die Einsicht und Er-fahrung habe. Der Minister, dessen größtes Vertrauen Zcrrenner besäße, stimme damitüberein. Er beabsichtigte, nach Ritters Mitthcilung, damit eine königliche Stelle fürSchulangelegcnheiten im Consistorium und die Begründung eines Schullchrerseminarszu verbinden. Doch war der Magistrat selbständig zu schnell und ohne Rücksprache mitdem Minister vorgegangen, so daß dieser nicht Zeit gefunden hatte, das Gesuch seiner-seits zu unterstützen und mit seinen eigenen Anerbietungen zu verbinden. Und so hatteZcrrenner, der davon nichts wußte, den auch wohl die Anhänglichkeit an Magdeburgund Sachsen festhielt, der endlich wegen seiner Gesundheit nicht ohne Bedenken war, dasAnerbieten abgelehnt. Wir sind so ausführlich auf diesen Gegenstand eingegangen,nicht bloß weil er den Glanzpunct in Zerrcnners Leben bildet, sondern weil diese Organi-sation auch wirklich das Muster für städtische Schulcinrichtungen geworden ist, sowohlin der Durchführung der einzelnen Lehrpläne, als auch in vielen äußeren Beziehungen;die trefflichen Veranstaltungen zur Beförderung des regelmäßigen Schulbesuches, diepassenden Lehrmittel, die mustergültigen Einrichtungen der Lehrzimmer, ebenso wie dieden Bedürfnissen für die verschiedensten Arten von Schulen angepaßten und im einzelnenausgearbeiteten Lehrpläne waren in dieser Ausdehnung und Vollständigkeit nirgendanderswo vorhanden.

Eine andere, nicht minder umfangreiche Seite von Zerrcnners pädagogischer Tätig-keit war die als Director des neu errichteten König!. Schullchrerseminars; er gab infolgedessen sein Predigtamt auf, dessen Ausübung ihm ein Schwindel, an dem er litt, schonvorher oft verkümmert hatte, so daß er in der letzten Zeit vielfach vom Pulte am Altaraus gepredigt hatte. In seiner einflußreichen Stellung hatte er aber nicht bloß Gelegen-heit, die Zöglinge seines Seminars selbst auszubildcn, sondern er konnte ihre Thätigkeitauch weiter verfolgen und ihnen selbst einen geeigneten Wirkungskreis anweisen, wie zuden einzelnen Stellen die geeignetsten Kräfte aussuchen. Und gerade hierin hat er eineausgezeichnete Menschenkenntnis entwickelt, so daß er sich bei der Wahl der Personenfast nie vergriff. Als Schulrath bereiste er, gewöhnlich von einer seiner Töchter, nichtselten auch von seinem Schwiegersohn Berger begleitet, die ganze Provinz, je nach Be-dürfnis die Schulen in den Städten und auf dem Lande revidirend, nahm an den Wahl-fähigkeitsprüfungen der Zöglinge der anderen Seminare in Weißcnfels, Erfurt, Eis-leben und einiger Privatseminare, unter denen er namentlich das des SuperintendentenParrisius in Gardelegen hervorhebt, zugleich mit den verdienten Schulräthen Weiß inMerseburg und Hahn in Erfurt theil. Es fragt sich, welcher Art dieser Einfluß ge-wesen ist, den er einerseits durch seine persönliche Erscheinung, andererseits durch seineSchriften, die überall in der Provinz theils eingeführt waren (am verbreitetstenderneue deutsche Kinderfreund"), theils dem Unterricht zu Grunde gelegt wurden, ausgeübthat. Ein Kind seiner Zeit, ein Schüler Niemcyers und der anderen damals in Hallewirkenden Theologen war er dem Rationalismus zugethan, und hat in seiner Stellungals Consistorialrath und als Mitglied der theologischen Prüfungscommission das Seinigezu der Ausbreitung beigetragen, welche derselbe namentlich in der Provinz Sachsenerfahren hat. Vorsichtig und rücksichtsvoll gegen den Glauben anderer konnte er aberin seinen Predigten und in seinen Reden, die er im Seminar hielt, mehr Anstoß erregendurch das, was er verschwieg, als durch das, was er sagte. Hier trat sein Gemüth