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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Zerrenner, Karl Chr. G.

Amtes bewußt wurde und mit Freudigkeit und Hingebung in demselben wirkte. Mitder ihm eigenen Klarheit übersah er alsbald, waS er dem mittleren Durchschnitt desMaterials, an dem er zu arbeiten hatte, zumuthen könne, erkannte, was unter den ge-gebenen Verhältnissen in den betreffenden Schulen zu erreichen wäre, und richtete danachseine Belehrungen und Bestrebungen ein, die dann auch selten eines glücklichen Erfolgesermangelten, wo andere, die zu viel erstrebten, ihre Forderungen, sei es an die Lehrer,oder an die Schüler, oder an die Gemeinden zu hoch schraubten, mit ihren Bemühungenscheiterten und nur Unzufriedenheit in sich selbst und andern erzeugten. So hat er dieLehrer für die Heiligkeit und Wichtigkeit ihres Amtes zu begeistern gewußt, ohne ihnenjene Anmaßung und jenen Hochmuth einzuflößen, die anderwärts so unangenehm gewordensind und den Stand der Elementarlehrer vielfach so anspruchsvoll gemacht haben. Wirddaher auch eine Geschichte der Pädagogik, welche die auf einander folgenden Haupt-richtungcn derselben in ihrem Zusammenhänge darlegt, ungerügt Zerrenners Namen über-gehen können, die Geschichte des preußischen Volksschulwescns und überhaupt eine Ge-schichte der Pädagogik, welche es sich zur Aufgabe macht, die Verbreitung der Principien,die am Ende des vorigen und am Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts aufgetretensind, und ihre praktische Durchführung in den Schulen selbst zu schildern, wird dieThätigkeit Zerrenners nur mit Dank nennen können, abgesehen von der besonderen An-erkennung, die ihm eine große Anzahl seiner Schüler und die Stadt, in der er vorzugs-weise gewirkt, schulden. Doch wir wollen zunächst das Nähere über seine persönlichenVerhältnisse und seine amtliche Thätigkeit kennen lernen.

Zerrenner war am 15. Mai 1780 zu Beiendorf in der Nähe von Magdeburg ge-boren, wo sein Vater Heinrich Gottlieb Zerrenner als beliebter Prediger wirkte und sichnamentlich durch seine pädagogischen Schriften bekannt gemacht hatte. Schon frühzeitigverlor er mit seinen 3 Geschwistern seine Mutter, doch verheiratete sich sein Vater wiederim I. 1788 mit der Witwe des praktischen Arztes Or. Ritter, der Mutter des berühmtenGeographen Karl Ritter, der um ein Jahr älter als Zerrenner schon als sechsjährigerKnabe, also mehrere Jahre vorher das mütterliche Haus mit seinem älteren BruderJohannes verlassen hatte und in Schncpfenthal seine Erziehung erhielt. So mag es ge-kommen sein, daß die Beziehungen zwischen den fast gleichalterigen Stiefbrüdern weniglebhaft gewesen sind, da auch Zerrenner die Universität Halle erst bezogen zu habenscheint, als Ritter dieselbe verlassen. Wenigstens findet sich in dem Leben Ritters vonKramer der Name unseres Zerrenner nirgends erwähnt. Wir werden jedoch weiterunten Gelegenheit finden, einen Beweis zu liefern, daß sie auch später in freundlichemVerkehr gestanden haben. Zerrenners Vater kam bald als Oberpfarrer nach Derenburgund wurde später Consistorialrath und Generalsuperintendent in Halberstadt. SeineNeigung und Stellung wiesen ihn gleichmäßig auf die Beschäftigung mit dem Volksschul-wesen und der Pädagogik hin, und so gab er bereits seit 1791 den deutschen Schulfreundheraus, der später den Titel des neuen deutschen Schulfreundes erhielt, nach dem Todedes Vaters (1811) als neuester deutscher Schulfreund von dem Sohne, unserem Zer-renner, fortgesetzt und, nachdem seine Herausgabe einige Jahre unterbrochen gewesen war,1825 in ein „Jahrbuch für das Volksschulwesen" umgewandelt wurde. Durch den Vaterselbst war also Zerrenner frühzeitig zur Beschäftigung mit Pädagogik angeregt worden;hierzu mochten die Beziehungen kommen, die mit einer der damals berühmtesten pädago-gischen Anstalten, der Salzmannschen in Schnepfenthal, in der Familie durch den Bruderunterhalten wurden und auch später nicht minder lebhaft blieben. Kurz — Zerrennerwar von früh an in die pädagogischen Interessen, die in jener Zeit überhaupt sehr leb-haft waren, hincingezogen. Wohl vorbereitet durch seinen Vater, besuchte er das damalsnoch bestehende Pädagogium in Kloster Berge bei Magdeburg, an welchem Gurlitt,Lorenz und Rathmann mit rühmlichem Erfolge wirkten. Von hier bezog Zerrenner dieUniversität Halle, um daselbst Theologie zu studiren, beschäftigte sich aber auch hier eifrigmit Pädagogik, über welche A. H. Niemeyer, dessen „Grundsätze" bereits erschienen