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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Zeller, Chr. H.

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Bruder Karl von: I. 1834 ist für die tiefe, lautere Bruderliebe des Mannes und fürden Unterschied der beiden Brüder so bezeichnend, daß wir uns nicht versagen könneneinige Sätze daraus hier beizugcben. „Möge Lichtenstcrn werden, was es heißt, einlichter Stern in der Nacht unserer Zeit, nur kein Stern, von: Himmel auf die Erdegefallen! Darum hüte Dich

1. vor Dir selbst. Es liegt in uns Zellern eine starke Neigung, Menschenzu gefallen, und bei Dir noch insonderheit die, den Großen, oder aber, was heutigesTages oft dasselbe ist, der großen Mehrheit des Volkes zu gefallen. Bei dieser Nei-gung ist es schwer, oder unmöglich, Christi Diener zu sein. Gal. 1 , 10.

2. vor der Versuchung, groß anzufangen. Ich bitte Dich, fange klein an, nichtnur klein in Deinen Augen, sondern auch mit weniger Mitteln, aus kleiner Anzahl, inkleiner Ausdehnung, klein in den Augen der Welt; aber mit großem Glauben und ingroßer Liebe. Darum fange nichts an, bis Du feste und gewiße Ucberzeugung in DeinemGewissen hast und Deine Zuversicht ohne Zweifel dasteht. Röm. 14, 23.

3. vor aller Aufnahme eines Trennungsprincips. Ein solches scheint mir die

Aufnahme zweier so sehr trennenden Konfessionen in eine Erziehungsanstalt zu sein. Ichfürchte sehr, daß bei einer solchen Parität ein flacher Religionsunterricht unvermeidlichist. Eine Erziehungsanstalt darf wie eine Ehe nur einen Glauben haben.-

5. vor Verflachung des seit Jahren in Dir angcfangenen Werkes der retten-den Gnade Gottes. Nach meiner Erfahrung wirken die Rettungswerkzeuge nachdem Maße der Tiefe des in ihnen angefangenen und fortwirkcndcn göttlichen Rettungs-werkes , welche Tiefe durch allzufrühe oder selbstgewählte Richtung der Wirksamkeit aufandere, d. i. in die Breite, leicht gefährdet wird. In diese Tiefe wollte, wie es mirscheint, der Herr bei Dir wirken, durch die Dir so schwer zu ertragende Entfernung vonöffentlicher Amtswirksamkeit nach einem so lange in die Breite gehenden Amtsleben. Dameintest Du, der Herr wolle Dich nicht mehr brauchen, statt daß Er, wie ich dafürbaltc, Dich in die Stille und durch tiefgreifende Erfahrungen brauchbarer machen wollte.Darum bitte ich Dich, erzwinge nichts, beflügle und übereile nichts re. — Doch ich ver-gesse ganz, daß Du älter bist, und lasse mich von der Liebe Hinreißen, Dich vor Dingenzu warnen, die Du zu meiden besser gelernt hast, als ich re." — So der Bruder Heinrichzu Ende des Jahres 1834. Der „Bruder Esau," wie er sich scherzend nennt, sah aberdie Sache mit seinen Augen an und meldet jenem auf den 1. Mai seinen Eintritt inLichtcnstern, nur besorgt, daß er keines der ihm anvertrauten Pfunde vergrabe. „Ge-wiß," schreibt er dabei, „ich möchte mich verkriechen vor Beschämung, daß Er mir altenfaulen Knecht noch so viel anvertraut." — Wer tiefer geschaut, Bruder Esau oder Jakob,zeigte der Erfolg.

Es war ein Segen auf allem, was Zeller gcthan; denn was er that, das war erbeflissen, in Gott zu thun. So ist's ihm denn auch mit dem Ausgang aus diesem Lebenwohl gerathcn. Der Tod überraschte ihn nicht. Lange zuvor hatte er sich schon durchtägliches Sterben darauf gerüstet. Die Dinge der Zukunft hatten schon früher seinenGeist mächtig beschäftigt. Es gehört zu seiner Eigenthümlichkcit, daß er auf die letztenEntwicklungen des Reiches Gottes, wie sie in der Schrift bezeugt sind, mit besondererAufmerksamkeit seine Blicke richtete. Er sah dem Kommen seines geliebten Herrn mitVerlangen entgegen und merkte mit scharfem Blick auf die dahindeutenden Zeichen derZeit, ohne sich doch im mindesten in seiner praktischen Thätigkeit lähmen zu lassen. ImGegentheil, sie war ihm Sonnabendgeschäftigkeit vor dem Tage des Herrn. Er sahbeim Blick in die gesellschaftlichen, kirchlichen und staatlichen Verhältnisse trübe; aberer hatte auch einen Glaubens- und Hoffnungsblick für das, was sich im Reicheder Gnade und Wahrheit bereitete, und es galt ihm, dafür zu wirken, so langes Tag ist. Für das Juniblatt 1860 schrieb er noch in gewohnter Klarheit riber„die Zeit der Erquickung und ihr Kommen" nach Apostelgesch. 3, 19—21. „Siewird kommen," sagt er da, „diese ersehnte Zeit der Erquickung, also nicht die Ewig-