Zeller, Ehr. H.
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fahren." — Das arme Beuggcn wurde recht zu einer Stadt auf dem Berge. Sollendoch, abgesehen von den jährlich zugewanderten Festgastscharen in den ersten 8 Jahrenallein über 12,000 Besucher aus allen Ländern Europa's, aus Aegypten re. in Bcuggengewesen sein und damit bewiesen haben, daß Zweck nnd Mittel des Mannes überall dielebhafteste Theilnahme geweckt hatten.
Freilich konnte es einem Werke dieser Art auch an Feinden und Verdächtiger!: nichtfehlen. ,Jm I. 1829 starben 2 Kinder der Anstalt und erkrankten bald darnach 15 an-dere. Die christusfeindliche Welt schrieb dieses dem „Mysticismus" und geistlicher lieber-treibung zu. Zeller schrieb darüber u. a. im Monatsblatt von 1829: „Der Herr hatbei uns angeklopft." Die Sache machte damals viel Zeitungslärm; selbst die vielver-breitete Hildburghauser Dorfzeitung witzelte: es möge nur auch die badische Regierungbald einmal anklopfen. Sie hat angeklopft und alles in guter Ordnung gefunden.
Von dem wohlgerathenen Werke gab das jährlich wiedcrkehrende Beuggener Festeinen besonders lieblichen Eindruck. Es schloß sich immer au das Basler Missionsfestan. Da vereinigte sich alles: eine Gästeschar von vielen Hunderten, der lichtvolle Be-richt des Jnspectors, der Anblick der armen, aber sauber gekleideten, fröhlichen Kinder-schar, hinter ihr die ernsten jungen Männer, die sich zu Armenlehrern bilden ließen,dazu die Ansprachen von Freunden der Anstalt, geleitet von dem heitern Greise, dem„Präsidenten von Beuggen," Pfarrer Legrand, der Ernst, der über der sehr gemischten,m das einfach ländliche Local einer weiten, ursprünglich deutschherrischen Wagenremisezusammengedrängten lauschenden Menge lag, dazwischen die heitere Geselligkeit, die sichMittags in den Schattengängen des alten Herrengartens am Ufer des rauschenden Rheinsentfaltete, das alles vereinigte sich zu dem Eindruck, daß man vor einem schön gerathe-nen Gotteswerke stehe.
Auch das eigene Haus Zellers war ein Hans des Segens. Die treue Hausfrau,die 5 Kinder mit nach Beuggen gebracht hatte, gebar hier noch weitere 6. Von diesenll Kindern starb nur eines im zarten Alter; die anderen faßte ihm der reimfertige Haus-freund, vr. Barth aus Calw, in einen Memorialvers zusammen, den er dem BruderKurl (1841) zur Erleichterung von dessen Gedächtnis für seiner Kinder Namen mit-theilt: „Helena, Maria, — Therese, Sophia, — Bertha, Tabitha, Nathanael, — Rein-hard, Monica, Samuel." Neun Kinder überlebten den Vater; nur eine erwachseneTochter, Ludwig Völters Gattin, war ihm (1856) voraus heimgegangen. Von allenzusammen durfte er 48 Enkelkinder erleben. Bischof Gobat in Jerusalem, ProfessorThiersch, früher in Marburg, und Pfarrer Werner in Fellbach (Herausgeber der BaslerSammlungen und des Lebens von Or. Barth) wurden ihm, außer dem schon genanntenL. Voller, liebe Schwiegersöhne. Ein Sohn (Reinhard) ist als Jnspector zu Beuggendes Vaters Nachfolger geworden, und führt die Anstalt, sowie das Monatsblatt in einerWeise fort, daß man überall den Sohn des Vaters erkennt. Ein Bruder unterstütztihn treulich im Lehramte, während ein anderer auf die eigenthümliche Gebetsheilanstaltzu Männedorf (Kanton Zürich) hingeführt worden ist. So sieht man den gesegnetenPalmbaum seine Zweige leiblich und geistlich weit umher ausbrciten.
„Was er macht, das geräth wohl." Das ist auch dem Vater der Methode, Pesta-lozzi, bei seinem Besuch in Beuggen eindrücklich geworden. „Das ist's, was ich gewollt!"sagte er, wohl mit schmerzlichem Blick auf seine eigene Anstalt. „Jetzt möchte ich vondorne anfangen," soll er noch geäußert habe». Zeller hielt Pestalozzi hoch. „Was andessen Grundsätzen gut und gesund ist," konnte sein Grabredner mit Recht sagen, „hater in die volle Wahrheit und Kraft des biblischen Heilslebens eingeführt." Wie auchsein Bruder Karl, der Erzpestalozzianer, von der Macht der Wahrheit und der Liebehmgenommen war, die von seinem Heinrich in die Anstalt Beuggen und dadurch inSaft und Leben des Volkes, der Schule ausgieng, bezeugt dessen Biographie, und nament-lich die dort erwähnte Nachahmung Beuggens in dem alten Kloster Lichtenstern beiLowenstein oder Weinsberg. Ein vor uns liegender Brief von Vater Zeller an seinen