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Zeller, Chr. H.
auch das Licht erblicken können, und ohne welches sie das Reich Gottes und seine Ent-wicklung, die höchste Angelegenheit des Menschengeschlechts, nicht zu sehen vermögen,und wenn es auch — vor ihnen steht. Und eben weil das Christenthum Kraft undLeben, nicht stümperhafte Halbheit will, kann man auch keine heidnisch gesinnten Sprach-und Geschichtskenner brauchen; denn die haben weder Kraft, noch Leben, und sind dieallerärgsten Stümper. Den einzigen Vortheil geben solche heidnisch gesinnten Philologen,daß sie keine Heuchler und nicht lau, sondern kalt sind. Aber ein tüchtiger Geschichts-kenncr kann ein Heide nicht sein. Ein Heide kann nicht einmal seinen eigenen Lebens-lauf verstehen; wie sollte er ein tüchtiger Geschichtskenner sein mögen? Darum keinestümperhaften, und ganz und gar keine heidnischen Philologen, sondern tüchtige Philo-logen, die ganze Christen und recht warme Christen sind; damit ist ge-holfen. Vor den „erbaulichen Betrachtungen" solcher ganzer Männer habe ich übrigensfür meine Person allen Respect; die bauen wirklich und zerstören nicht."
Der im ganzen gebilligten Warnung vor Uebcrfüllung mit religiösem Stoff gegen-über nimmt er doch für Lesen, Hören, Betrachten und Erklären des Wortes Gottes auchdie dazu nöthige Zeit in Anspruch. „Die Kinder und Jünglinge müßen mit der Bibelnoch viel inniger vertraut werden, als mit einem Homer oder Cicero; dies seht aberfleißige und tägliche Uebung voraus." Was die geweihte Stimmung betrifft, dieDe Wette für religiöse Uebungen nothwendig schien, bemerkt Zeller: „Die Erfahrung hatmich gelehrt, daß, wenn man auch nicht immer mit Weihe zur Bibel sich versammelte,man sehr oft mit Weihe und großem Segen auseinander gierig. Ich halte daher denbiblischen Unterricht für so nöthig, als das tägliche Brod, folglich täglich nöthig. Auchdie geistige Kost muß, nach Verhältnis der Arbeit, wie die leibliche, einfach, aberreichlich sein."
So will Zeller, der Armenschulmeister, auch den Anstalten der höheren Stände dentiefsten Grund aller wahren Bildung gewahrt wissen. Wie er ihn auch für die Hoch-schule nicht preiszugcben gedachte, möge ein Satz aus einer Aeußerung über die s. Z.vielbesprochene Aufhebung der Basler Universität bezeugen. „Wissenschaft und Gelehrsam-keit allein bauen und heben keine Universität, so wenig als den Staat und die Kirche,sondern lebendiger Glaube, liebende Hingebung, demüthige Treue, ausharrende Geduldmit gründlicher Gelehrsamkeit verbunden thun es. Dagegen können Unglaube, Selbst-sucht, Hochmuth, Untreue, Abfall, Falschheit und Ungeduld, sie seien auch noch so ge-lehrt, nicht bauen und haben es auch, so lange die Welt steht, nie und nirgends mitdauerhaftem Bestände gethan. Das wolle Gott nicht, daß eine Anstalt aufgehobenwerde, die aller Verbesserung fähig ist und, besonders in gegenwärtiger Zeit, ein Stüh-pnnct und eine Leuchte des Christenthums, des Rechts und gründlicher Wissenschaft snrdie Eidgenossenschaft werden kann, welche durch die falsche Lehre der Zeit an den Randdes Abgrundes geführt wird. Aber man vergesse nicht, daß die Zeit gekommen ist, woalles fallen wird und muß, was nicht auf dem ewigen Fels, Christus, steht. Daraufallein muß erbaut werden, was da bleiben und nicht untergehen soll. Wo mau diesnur aufrichtig und ernstlich will, da soll man nicht um einige tausend Franken mehroder weniger feilschen und markten; wo aber nicht, so ist jede finanzielle Aufopferungunnütz und eine vergebliche Verschwendung." — Doch blicken wir wieder auf die stilleThätigkeit Zellers in seinem nächsten kleinen Kreise und ihre Erfolge.
„Und was er macht, das geräth wohl." Auch das hat sich an diesem Mann er-füllt. Wie ist doch die Sorge seiner Freunde in Zofingcn beschämt, wie sind doch dieAarauer Regierungsherren mit ihrem erfabelten „Mysticismus" zu Schanden geworden!Der Herr hat erfüllt, was Zeller geglaubt, und seine Widerwärtigen beschämt. Wohlsagt er einmal im Jahresberichte von 1836: „Freunde! Ich wäre jetzt vielleicht Oberamts-richter oder Oberjustizrath, wenn nicht Gott, der Herr, meinen Weg zu den Kindern,zu den armen Kindern unseres Volkes hinabgelenkt hätte; aber," fügt er hinzu, „solchehimmlische Freude (arme Kinder zu ihrem Heilande zu führen) hätte ich schwerlich er-