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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Zeller, Chr. H.

Dies die Anstalt, auf deren Führung Zeller nun, in der vollen, gereiften Mannes-kraft eintretcnd (er war 41 Jahre alt), alle seine Einstchten, Kräfte und Gaben con-ccntrirte. In bewundernswerther Selbstbeschränknng ließ sich der treue Mann, dem beiseinen reichen Gaben und Erfahrungen so mancher andere ehrenvolle Wirkungskreis offengestanden wäre, von diesem seinem Posten nicht «blocken. Er beweist aber auch, welcheine Kraft in solch demüthiger und energischer Selbstbeschränknng liegt. „Zellers Größe,"sagt sein Leichenredner, Professor Auberlen aus Basel, „bestand darin, daß er kleinblieb." „Einfalt und Kraft, etwas durch und durch reelles und gesundes ohne allesäußere Gepränge, ein wesentliches Leben in und aus und vor Gott, das war der Ein-druck, welchen dieser Patriarch machte, dies das Gepräge, welches er durch die stilleMacht seiner Persönlichkeit wie von selbst dem Haus und der Anstalt aufdrückte." Seineganze Lebensarbeit trug „das Gepräge des Himmelreichs" an sich, ohne — setzen wirhinzu — irgend etwas verhimmeltes oder verhimmelndes zu haben. Es war in allem,was er war und that, eine geheiligte Natürlichkeit oder, wenn man lieber will, eine zurNatur gewordene Heiligkeit, wie sie der hl. Geist in einer sich ihm überlassenden Seelewirkt. Wer ihn etwa am Beuggener Jahresfeste vor der gedrängten Versammlungsah und reden hörte, der hatte von ihm den Eindruck, als habe der Propheten einergeredet. Und nach dem Feste konnte er in der einfachsten Weise, mit den Freunden beieinem Glase Bier zusammensitzcnd, sich unterhalten, erzählen, scherzen und doch auch dawieder sich ungezwungen den Dingen zuwendcn, die vor allen seine Seele füllten. Erwar ein echter, evangelischer Christ. Ob Lutheraner, ob Reformirter? war für ihn nichtwesentlich. Der Bibelchrist, der fest im Worte gründet und in der Liebe Gottes undChristi lebt, der war sein Mann, der war er selbst. Doch setzte er sich dabei nicht vor-nehm über die kirchlichen Bekenntnisse hinweg. „Wir bekennen uns," schrieb er (1830)einer Verdächtigung gegenüber, „zu dem Lehrbegriffe der in der hl. Schrift wohlbegrün-deten augsburgischen und helvetischen Confession, sind weit entfernt von Schwärmerei undpädagogischer Gaukelei, der wir vielmehr entgegenarbeiten."

Auberlen vergleicht Zeller nach dem ersten Psalm treffend einem „Baum, gepflcmzetan den Wasserbächcn, der seine Frucht bringet zu seiner Zeit, und seine Blätter ver-welken nicht, und was er macht, das geräth wohl."

Die Wasserbäche, aus denen er mit tief sich einsenkenden Wurzeln seine Lebens-säfte cinsog, kennen wir. Der Früchte, welche dieser Baum getragen, sind viele undmancherlei. Da steht das Haus, das lebendige, das er 40 Jahre lang mit seinemGlauben, Wort und Gebet und Mit seiner Liebcsarbeit zusammengchalten und geleitethat. Da sind 250 Schullehrlinge und 593 arme Kinder durch seine Hände gegangen.Sie sind natürlich nicht alle gerathen; wer könnte das auch erwarten? Aber wenn nurdie Hälfte und noch weniger einschlug, welch eine Segenssaat ist damit von Beuggenausgegangen! Und nicht bloß in die Schweiz, sondern auch in fast alle deutschen Länder,in Ungarn, Böhmen, Rußland, Frankreich, Italien, America, überallhin sine die„Vvgelcin," die von den 4 Winden nach Beuggen gekommen waren und da ein warmesNest gefunden hatten, wieder ausgeflogen. Schreiber dieses hat (1823) in Nürnbergeine Rettnngsanstalt auf Karl von Räumers Anregung entstehen sehen. Da berief maneinen von den 12 Erstlingen der Beuggener Anstalt, Friedrich Blankenburg ans Berlin;die Anstalt wuchs und gedieh sichtlich unter der treuen Leitung des Zellerzöglings, wecktevieler Menschen Herzen zum Wohlthun und besteht noch im Segen. Dies ein Bei-spiel von vielen. An vielen Land- und Stadt-, Armen- und Fabrikschulen, an Rettungs-anstalten u. dgl. standen und stehen Zöglinge von Beuggen in der Arbeit. — Das Bei-spiel Beuggens rief auch anderswo Anstalten derselben Art ins Leben, in Württembergallein zwei, Lichtcnstern und Tempelhof. Lichtenstern hatte Zellers Bruder, Karl Augustzum Mitbegründer (s. K. A. Zeller). Ein Schwiegersohn Zellers, Ludwig Völter, lang-jähriger Herausgeber des Süddeutschen Schnlboten, war eine Reihe von Jahren derHauptleiter dieser noch jetzt in schöner Wirksamkeit bestehenden Ltsllu dura. Nicht