Zeller, Chr. H.
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Amt, ein sicheres Einkommen, so viele Freunde, Verwandte, liebe Schüler und Schülerin-nen, eine gesegnete und gesicherte Stellung nicht verlassen und seine ganze Existenz anetwas hängen, das unter den Händen von Privatleuten erst werden solle, vielleicht inJahresfrist wieder aufhöre." Aber Zeller blieb nun gleich Abraham, als er auszog inein Land, das ihm erst sollte gezeigt werden, fest; denn er stand im Glauben einesAbraham. Der Ruf nach Benggen war ihm nun Gottes Ruf. Am l. April 1820war die Hausmutter der Anstalt, eine fromme Witwe (Salome Fäsch), ihr Landgutverlassend, im Hause eingezogcn, am 17. April kam der Hausvater mit seiner ganzenFamilie. Im neuen Wohnzimmer schimmerte die Inschrift: „Willkommen, Bruder, er-baue die Anstalt ans dem Grunde der Apostel und Propheten, da Jesus Christus derEckstein ist!" Noch ist sie dort zu sehen. Sie bildete das Programm der Anstalt; die10jährige Thätigkeit des neuen Hausvaters war die Ausführung desselben. Mit 10 Schul-lehrerzöglingen und 20—30 armen Kindern, die schon auserlesen waren, sollte die An-stalt beginnen. „Kaum waren die nöthigen Einrichtungen getroffen," so dictirte der Jn-spector später den Schulmädchen, „so kamen schon herzugeflogcn von Morgen und vonAbend, von Mittag und Mitternacht viele Vögelein, und am 15. Mai konnte Zeller zumerstenmal Schule halten. Da waren Schüler von 30 Jahren bis zu 6, fähige undstumpfe, freundliche und finstere, frohe und mismuthige, wohlgezogcne und verwahrloste,unterrichtete und gänzlich unwissende, wohlgekleidete und zerlumpte, reinliche und unrein-liche, dankbare und undankbare, alles untereinander, und nur ein einziger Lehrer übersie alle. Bis der Hausvater ein jedes geprüft, beobachtet und kennen gelernt hatte,blieb alles beisammen in einer Schule; darauf trennte sie sich in zwei, in die Schuleder Schullehrerzöglinge und älteren Knaben und in die Schule der Kinder; jene wurdeVormittags, diese Nachmittags gehalten."
Tie erste Liebe half über die große Mühe des Anfangs hinweg. Am 20. Juniwurde die Anstalt feierlich eingeweiht. Der Schullehrerzöglinge waren es 12, der Kinderwurden es bis zum Schlüsse des Jahres 30. Wir geben hier auszüglich einige Sätzeaus den bei der Einweihung mitgetheiltcn Statuten zur Kennzeichnung der Anstalt.
1. Unsere Armenschullehreranstalt will keine bloße Unterrichtsanstalt, sondernBildungsanstalt sein, die in Gestalt einer Haushaltung alle die Bildungsmittelanwendet, die sich im häuslichen Leben so schön vereinigen lassen, und die nur dasChristenthum so bildend darbietct und heiliget.
2. Keine bloß bürgerliche Bildungsanstalt, sondern christliche, sic will nichtbloß für den Staat und die Erde, sondern für das Reich Gottes erziehen, das Himmelund Erde umfaßt und auf Erden alle Völker und Staaten durchdringcn soll.
3. Keine gezwungene, sondern eine freiwillige, aus freiwilliger Liebe unter-nommen, von freiwilligen Beiträgen unterhalten, durch freiwillige Personen geleitet, ausfreiwilligen Menschen zusammengesetzt, für freiwillige Jünglinge bestimmt, für Kinder,die von ihren Eltern dem Herrn gewidmet werden.
4. Nur für Arme.
5. Nur Elementarschule, nur Armenschule für die niederen Stände.Nur das Nöthigstc, aber das gründlich.
6. Nur Armenschnllehrcr, Elementarschullehrcr für Gemeinden undArmenanstaltcn auf dem Lande, Waisenhäuser, Spitalschülcn ec.
7. Zu keiner pädagogischen Schule, zu keiner besondern Lehrmethode schwören.
8. Dreijähriger Cnrs der Lchrzöglinge.
9. Man will genügsame und demüthige Leute bilden; darum lernt jeder Zög-ling, jeder ältere und stärkere Knabe Handarbeit oder ein Handwerk.
10. Nur Ehre des Erlösers, Vortheil des Reiches Gottes und Erleichterung undRettung der Armut. Darum kann und wird auch niemand darin sein und bleiben,der nicht gern entbehrt, opfert, sich verleugnet, duldet und leidet, dient in JesuWeinberg.