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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Zeller, Chr. H.

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dem trefflichen Prediger Schöner (Verf. des Liedes: „Himmelan!") gcthan. „Freund,"sagte Zeller manchmal zu dem armen Schreiner, der nicht lesen noch schreiben konnte,„Ihr habt eure Erkenntnis im Herzen und ich nur in den Büchern." Aber am Char-sreitag 1818 trat ihm bei der Betrachtung der Leidensgeschichte in einer Predigt vonLoskiel, über den Kampf in Gethsemane, das Geheimnis der Person Jesu und seinerVersöhnung so nahe, daß er sich von da an in einer persönlichen Verbindung mit Jesu,dem Sohne Gottes fühlte, die ihn bis in den Tod hinein begleitet hat. Schreiber dieseserinnert sich aus Zellers Munde einmal gehört zu haben, wie ihn um jene Zeit, ähnlichwie den Knaben Zinzcndorf, ein in einem Wirthshausc Hangendes Crucifix mit der be-kannten Unterschrift: „Das that ich für dich, Was thust du für mich!" besonders tiefbewegt habe. Seiner damaligen Empfindung giebt das schöne Lied in der Sammlungseiner Lieder (1871): „Lange gieng ich in der Irre," sprechenden Ausdruck. Von daan war Zeller erst der ganze Mann, der er werden sollte. „Tic Liebe Christidringet uns;" dieses Apostelwort giebt uns den eigentlichen Schlüssel zum Verständnisdessen, was wir ihn bald darnach als Hauptarbeit seines Lebens beginnen und mit einerRuhe, Klarheit, Stetigkeit, Selbstverleugnung, Kraftentfaltung männlich und kindlich zu-gleich bis an sein Ende fortführen sehen, dazu er auS keiner andern Quelle das Ver-mögen hätte schöpfen können. „Ungeheuere Kraft!" sagte Pestalozzi bei seinem Besuchein Beuggen (1826) durch das Haus hingehend, wiederholt vor sich hin. „UngeheuereKraft!" Solche ungeheuere und doch stetige Kraft giebt eben die Liebe Christi.

Schon in Zofingcn regte sich in unserem Zeller der Geist des Erbarmens mit demarmen Volke, der später in dem Hauptwerke seines Lebens die Schwingen entfaltensollte. Er erkannte namentlich in besserer Schul- und Lehrerbildung ein wesentlichesMittel, dem sittlichen Verkommen desselben cntgegenzuwirkcn, wie sich denn alle tiefer-blickendcn Volksfreunde auf diesen Punct hingedrängt fühlten und fühlen. In einer voruns liegenden Eingabe an die oberste Behörde des Kantons Aargau vom I. 1815 überdie Verbesserung des dortigen Schulwesens klagt Zeller zunächst über die Unzulänglich-keit und dann Einseitigkeit desselben. „Unsere Schulen stehen so wenig in Uebcrein-stimmung mit den Bildungsmitteln des häuslichen Lebens, und die Zwecke und die Bil-dung des häuslichen Lebens stehen so oft im Widerspruch mit den Zwecken und derBildung der Schule. Die Schulen wie die Haushaltungen haben das gemeinschaftlicheBildungs- und Lebensprincip, den heiligen Geist des Christenthums, theils verloren,theils nicht mehr übereinstimmend bewahrt. Dieser Geist ist das einzige Lebens- undalso auch Bildungsprincip. Wo dieser in den Häusern, in den Schulen fehlt, wo dieservon dem sinnlichen und thierischen Weltgeist immer mehr verdrungen wird, wo die Woh-nungen der Familie immer mehr, aufhören, Schulen, und die Schulen immer inehr auf-hören, Familien des hl. Geistes zu sein, da kann das Schulwesen, auf das gelindeste ge-sagt, nur einseitig sein, ja es muß immer mehr zerfallen, wenn es auch gleich im Aeußernund für die legale Bildung einzelne kräftige Wirkungen hervorbringcn sollte. Denn wirwissen, daß das Acnßere nur Buchstabe ohne das Innere, und die Legalität nur eineLarve ist ohne die Religiosität. Je mehr die Familien wieder das Gute einer Schule,und die Schulen das Gute einer Familie annehmcn, desto mehr läßt sich in dem Schul-wesen eine wahre innere Besserung hoffen." — Er muß für eine würdigere Stellungder Lehrer cintretcn. „Warum sollen die Trillmeister in den Gemeinden einen Vorzughaben vor den Schullehrern in den Gemeinden?" Er rechnet seinen „Herren" vor,daß aus den 6—8 Schuljahren der Kinder in den dortigen Landgemeinden für die Mehr-heit der Kinder nur 6—8 Schulvierteljahre werden. Er bringt Maßregeln in Vorschlag,um den massenhaften Schulversäumnissen ans dem Lande zu steuern. „Als allznsaum-selig werden alle diejenigen Kinder betrachtet, die der Vorkehrungen der Gemeindebehördenungeachtet nicht die halbe Schulzeit in die Schule gegangen sind!" Ilm dem schreiendenMangel an gehörig befähigten Lehrern abzuhelfen, trägt er auf eine Armenschule an, dienach Inhalt und Methode Musterschulc werden sollte für die übrigen Landschulen, und