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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Zeller, Chr. H.

um sich der Rechtsgelchrsamkcit zu wibmcu. Das geschah nicht nach eigenem Triebe,sondern im Gehorsam gegen den Willen des Vaters, der ihn gerne in der juristischenLaufbahn sehen wollte. Nach 4jährigem Rechtsstudium war dem Willen des Vatersgenügt. Doch schon während seiner Universitätszcit machte sich die tiefe Neigung seinesHerzens zur Thätigkeit an der Jugend geltend, indem er namentllich schwächeren Schülernder Lateinschule bei der Fertigung ihrer Schulaufgaben unentgeltlich nachhalf und dabeisich der Gabe eines faßlichen Unterrichts mehr und mehr bewußt wurde. Bei diesen päda-gogischen Regungen scheint neben der eigenen Neigung auch der Einfluß seines damalsin Brünn lebenden Bruders Karl nicht ohne Einfluß gewesen zu sein. Sein inneresLeben gieng unter leichtsinniger Umgebung durch schwere Anfechtungen, so daß ihm fastalle Gewißheit in religiösen Dingen schwand bis auf die, daß er doch ein GeschöpfGotteS sei und Gott sich aller seiner Werke erbarme. Durch Handreichung treuerFreunde, namentlich des späteren trefflichen Rectors der Lateinschule in Nürtingen undzuletzt Pfarrers in Stammhcim bei Calw, Handel, und des nachmaligen ersten Mis-stonsinspectors in Basel, Blnmh ardt, kam er wieder auf den Weg des Friedens. Esbildete sich ein Kreis edelstrcbender Jünglinge, zu dem mit unserem Zeller auch derspätere Professor der Theologie, Steudel, und Passavant gehörten. Mit letzterem nament-lich schloß er einst in feierlichem Augenblick einen Tugendbund, der mit gemeinsamemGebete besiegelt wurde. Nach vollendeter Studienzeit erlangte er cs, 22 Jahre alt,von dem Vater, seiner tiefen Neigung zur Arbeit an der Jugend folgen zu dürfen. Soverließ er denn (1801) die Juristerei mit allen Aussichten, die sie dem begabten undkenntnisreichen jungen Manne bot, und nahm die Stelle eines Hauslehrers in einemadeligen Hause zu Augsburg an. Durch seine Treue und Gewissenhaftigkeit, durch seinaufrichtiges, anständiges, ehrerbietiges und doch heiteres Wesen erwarb er sich bald dievolle Anhänglichkeit seines Zöglings wie die volle Achtung von dessen Eltern. ImI. 1803 berief ihn eine Gesellschaft wohlhabender Bürger von St. Gallen in dieseStadt, um da eine christliche Privatschulc für ihre Kinder zu errichten. 6 Jahre wirkteer hier mit großer Treue zur Freude von Eltern und Kindern, wiewohl uns ein Briefaus der ersteren Zeit seines dortigen Aufenthaltes an seinen Bruder Karl ahnen läßt,wie cs bei ihm damals noch durch schwere Kämpfe gegangen. „Und nun, mein Bruder,"schreibt er am letzten Tage des I. 1805, „meinen Dank für alle die Treue und Gedulddie du mit der ganzen Erbärmlichkeit meiner bisherigen Koexistenz mit dir bewiesenhast. Meinen Dank für die Aufheiterung, die du mir in der jämmerlichen Leerheitmeines Herzens gewährtest. Meinen Dank für so manchen ausgcstreutcn Samen, dendein Umgang und dein Beispiel, dir wahrlich unbewußt, in mir aussäcte. Bruder! erwird keimen, dieser Same." — Dazu mußte ihm die Mutter von einem der 12 Knabenbehülflich werden, die er zu unterweisen hatte. Diese, eine Frau von tiefer Erkenntnisund Erfahrung im Worte Gottes, führte ihn tiefer in den Umgang und die Gemein-schaft mit dem Herrn Jesu' ein. Er nannte sie später oft seinen Engel auf dem Lebens-wege. — Von hier gieng dieser sein Weg (1809) nach Zofingen. Hier trat er indie Stelle seines Bruders Karl, als dieser vom König von Württemberg nach Heilbronnberufen wurde. Da hatte er als Schulinspector die Leitung sämmtlichcr Stadtschulenund als Mitglied des Bezirksschulrathcs die Mitaufsicht über etwa 50 Landschulen desOberamts zu besorgen, war zugleich Oberlehrer an der Lateinschule, auch Katechet in derFilialgemeinde Vordemwald. Durch einen 2jährigen LehrcursuS für Lehrer und Lehrerinnen,durch Unterweisung der meisten bereits angestclltcn Landschullehrer, durch monatliche Kon-ferenzen und regelmäßige Besuche in den Schulen der Stadt wußte er sich seine Arbeiterund Arbeiterinnen mehr und mehr heranzubilden. Unter den letzteren fand er (1811)seine künftige Gattin, eine Predigcrstochter, Sophia Siegfried, die von da alle seineWege bis 2 Jahre vor seinem Tode treu, verständig und hingebend mit ihm gieng. Eineinfacher Handwerksmann that ihm hier den Dienst, welchen der Laie Johann vonBasel dem großen Prediger Tauler, der edle Nürnberger Kaufmann Tobias Kießling