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Zeller, K. A.
den ersten Zöglingen befand sich der nachmalige Pater Fischer, Beichtvater des unglück-lichen Kaisers Maximilian.) Doch Familienvcrhältnisse bewogen ihn, im I. 1837 nachStuttgart abzuziehen, nachdem er die Anstalt noch mit reichen Gaben unterstützt hatte.In Stuttgart Hielt er noch mehrere Vortrage, schrieb eine Reihe von Lehrmitteln undregte als der erste in Württemberg (1840) die Errichtung einer Diakonisscnanstalt an.Mit noch rüstiger Kraft bis ans Ende mit der Schule und Kinderwelt beschäftigt, kamder rastlose Wanderer zur Ruhe den 23. März 1840. Außer obenbenannten Schriftenhat Zeller eine Reihe von Elemcntarbüchern (die Elementarschule, Berlin 1814) geschrieben,ferner die Hautpflege, in Bonn: die katholische Mutter und der evangelische Sohn,ebenda 1833: Thomas? oder Johannes? oder Paulus? — eine lebendig ansprechendeVorschule für Theologen.
Es ist nicht zu leugnen, daß Zeller in seiner Eigenart manches darbot, was zuweilen andas Lächerliche grenzte; ruhigerem Urtheil mochte der lebhafte junge Mann, der im Umgangimmer etwas von schweizerischer Art an sich hatte, gar zu hastig erscheinen; von Neigungzum Erpcrimentiren ist er nicht ganz freizusprechen, auch war in seinen Erziehungsmittelnmanches, wie es uns erschien, auf den Effect berechnete. Dennoch aber war Zeller einMann, der in nnermüdetcr Arbeit für die Schule einstand, der seine Kräfte gerne hingab,wo es noth that, der besonders für die Armen, Verwahrlosten im Volke ein offenes Herzund eine offene Hand hatte, wenn er auch äußere Anerkennung nicht verschmähte. War cs Folgeseiner Eigenart, oder ist diese Eigenart, wie er selbst es gerne deutete, durch seine Lebensführun-gen begründet worden: es kam bei ihm nirgends zu einer Jahre lang anhaltenden, die stillarbeitende Kraft ansprechenden Wirksamkeit. Anstalten zu gründen, um sie dann fremdenHänden zu überlassen, mit eingreifendem Worte für seine Ideen zu gewinnen — das ver-stand er meisterlich und in dieses setzte er auch selbst sein empfangenes Charisma. Ein Mannübrigens, den die höchsten Auctoritätcn, die geistvollsten Staatsmänner auch lange nachseiner ersten Wirksamkeit noch so anerkennend schriftlich begrüßten, dem von ganzen Ma-gistraten, z. B. von Memel, so hohe Anerkennung und Dankbarkeit ausgesprochen ward,von dem einer seiner Nachfolger im Waisenhause in Königsberg, Director Tembowski,heute noch mit so hoher Achtung und Anerkennung als dem Gründer der Anstalt spricht,kann kein nur mit Acußcrlichkeitcn sich abfindender Mann gewesen sein; eine so vielumfassende Wirksamkeit wirkte tiefeingrcifend mit bei dem Wiedererstehen Preußens undman darf weit gehen, bis man wieder eine so lebhafte Bethciligung so vieler hohen undeinflußreichen Männer und großer Communen für Jugendbildung findet, wie jene großeZeit nicht ohne den Einfluß seiner Anregungen sic aufweist.
Es ist bekannt, daß man den ganzen Pestalozzismus anfänglich in die Einübung der„Einheitstabelle" einschloß. Zeller, gründlich philosophisch gebildet, erfaßte den tieferen Geiltdes Meisters; er war, obwohl in früheren Jahren wenigstens von pelagianischcn Anschauungenausgehend, doch ein zu dankbarer Schüler Storrs, als daß er den Formalismus vielerPcstalozzianer getheilt und nicht zu geistigerer Auffassung der Pädagogik und Didaktikhatte fortschreiten wollen. Von jener Befangenheit, die das Heil allein in der Methodesieht und die Individualität des Lehrers als etwas untergeordnetes betrachtet, war erfrei, wenn er gleich dcn Tribut an dcn Jrrthum, welchen jede große Idee in ihrerpraktischen Durcharbeitung von uns fordert, auch seinerseits entrichtete. Zeller ist jeden-falls einer der bedeutendsten, selbständigsten Schüler Pestalozzi's gewesen, der seine Ideengleichmäßig für die einzelnen Disciplinen praktisch verarbeitet hat, der überall die Ver-wcrthung des Unterrichts fürs praktische Leben bezweckte und sie aus der Schule insLeben übcrzulciten beflissen war.
An dem Dome unseres Erziehungs- und Untcrrichtswesens wird auch der NameK. A. ZellerS, wenn auch nicht als ein Grund- oder Eckstein, so doch als viel verwendbarerund viel verwendeter Baustein erscheinen.
Stadtpfarrer Hcgler, a. D., früher in Löwenstein.