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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Zeitgeist.

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einfacher, biblischer Lebeusanschanuug ausgewachsener Christ obige Fragenrcihe durchläuftst werden ihm die Unterschiede zwischen all den genannten Dingen unbedeutend Vor-kommen im Vergleich mit dem, was gemeinsames hinter ihnen allen stecke; — er wirdsagen, wenn dieses mixtum compositum der Zeitgeist ist, dann läßt er sich mit einemeinzigen Namen nennen, und der heißt: Antichristenthum. Aber so rasch darf nicht ge-urtheilt werden. Auch Reiff hat nicht bloß die drei letzten, sondern auch die drei ersteneoii den oben aufgezählten Momenten als geistige Zeitmächte anerkannt, und in diesenliegt ein Object vor uns, das uns bei näherer und unbefangener Betrachtung Respectabnöthigt; wir mäßen in diesen Richtungen des Zeitgeistes berechtigte Ziele, Forderungen,Ideale anerkennen, die nur von denen zurückgewicscn werden, deren Auge durch irgend-welche Vorurtheilc für die Wahrheit getrübt, deren Urtheil gefälscht ist entweder durchfeudal-aristokratische und ultramontane Anmaßungen (diese zwei sind ja stets verbrüdert)oder überhaupt durch theoretischen Eigensinn, durch praktischen Eigennutz oder einfachdurch die Trägheit, der alles Ungewohnte lästig ist. Wenn der Erzieher seine patrio-tische Freude über die Auferstehung des deutschen Kaiserthums den Zöglingen mitzutheilensich nicht enthalten kann, wer wird so pfäffisch sein, das eine unchristliche Nachgiebigkeitgegen den Zeitgeist zu nennen? Wer in unfern Siegen über die Franzosen nicht, wiecs der giftige Haß gethan hat, zwar Wunder, aber nur Wunder des Satans, sondernWunder des allmächtigen Gottes erkennt und ihn darum preist, hat dem etwa einfalscher Zeitgeist das Herz bestrickt? Wer seinen Schülern die Ueberwindung aller räum-lichen Entfernung durch das Dampfroß und den Telegraphen als die Wunder der Gegen-wart preist, wer darf ihn beschuldigen, er lasse sie ihre Knie beugen vor dem Baal derZeit? Ein Gotteswort hat den Menschen gesagt: machet die Erde euch nnterthan —wenn die menschliche Intelligenz dies in immer größeren Dimensionen thut, wenn sieFeuer und Wasser in anderer, durch Naturgesetze bedingter, aber desto allgemeinererWeise sich dienstbar macht, als dies Elias that, cs ist darum nicht weniger eine Aus-führung jenes göttlichen Auftrags, eine Realisirung des Liebeswillens Gottes über dieMenschheit. Und ist denn die Organisation der Wohlthätigkeit, wodurch sie erst wohl-khätig und nicht, wie der Bettel, verderblich wirkt — ist die Vereinsthätigkeit für allemöglichen menschenfreundlichen Zwecke, ist die Sorgfalt in der Justiz, daß keinem An-geklagten Unrecht geschehe, ist die Menschlichkeit selbst gegen Verbrecher etwa unchrist-licher als jene Frömmigkeit, die Gott zur Ehre Ketzer und Hexen verbrannte? Ist dieÖffentlichkeit, die jedem unsauberen Gesellen droht, die so manche dereinst an den Höfenund in den städtischen Verwaltungen ohne Scheu getriebenen Skandale unmöglich macht,nicht ein Zeichen geschärfteren öffentlichen Gewissens? Wenn über den Luxus geklagtwird, so darf dabei doch nicht vergessen werden, daß auch der Sinn für das Schönegewachsen ist, der in Städten und Häusern das Schmutzige, Rohe, Gemeine nicht mehrduldet; ist es der Zeitgeist, der nicht mehr gestattet, daß Kälber und Schweine aufoffener Straße geschlachtet werden, oder daß jeder Hans und Kunz sein Haus quer indie Straße herein bauen, seine Dachrinne sich auf die Köpfe des Publicums entleerenlassen darf — so wollen wir diesen Zeitgeist als einen wohlthätigen Geist segnen. Undnicht zu vergessen ist die unermüdliche und unaufhaltsame Arbeit der Forschung, undzwar der exactcn, die wirkliche Welt, die Natur und die Geschichte durchsuchenden Wissen-schaft — sie mag oft unbequem werden, und wer es zumal in Glanbeussachen mit derWahrheit nicht genau genommen hat, der wird sich mit dem Anathema dagegen wehren:^ wir aber, auch wenn sie uns selber zum Kampfe nöthigt, erkennen in ihr eine Wir-kung des Wahrheitstriebes, der als solcher seine reine Quelle in Gott hat und wennihm nur unbedingt gefolgt wird, auch sicher, selbst auf Umwegen, zu Gott führt. Mitalle dem sind Gefahren verbunden, aber keine Gotteskraft und Gottesgabe ist sicher vorDiisbrauch, und eben diesen von der Kraft und Gabe selbst zu scheiden, das soll derZögling von seinem Meister lernen. Gefährlich istS, wenn der Arbeiter zu rechnen an-Mgt, wie viel der Kapitalist an ihm gewinne und wie wenig er selber davon habe)