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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Zeichnen. Zeitgeist.

Handlung des Unterrichts ist manches ausgenommen in L. F. Ritt er's „18 Tafelnzum geometrischen Zeichnen" (Stuttgart, 1860). Otto Fischer's „Mustersammlungsür's Linearzeichnen; geometrische Ornamente im griechischen, arabischen und gothischenStyl" (Stuttgart, 1858), zunächst für jüngere Schüler bestimmt, läßt unter den Händender nach gedruckter Vorschrift selbständig arbeitenden Schüler schöne Gebilde entstehenund wahrt so den pädagogisch-ästhetischen Standpunct. *) Später erschienen von Fischernoch „Aufgaben für das geometrische Zeichnen" (Stuttgart, 1864), in denen Curven-constructionen zwar nicht ausdrücklich ausgenommen, aber für den Lehrer in der Artangedeutet sind, daß bei Elcmentarübungen je die Curve genannt ist, deren Zeichnunghauptsächlich auf der betreffenden Hebung beruht; solche Curvenzeichnungen können alsoweggelassen oder zugefügt werden, je nach der dem Unterricht vergönnten Ausdehnung.

Schließlich ist anzuführen, daß seit 1865 eine auf Fragen des Unterrichts im Frei-hand- und construirenden Zeichnen Bezug nehmende Zeitschrift besteht unter dem Titel:„Monatsblätter zur Förderung des Zeichenunterrichts an Schulen. Herausgegeben vonHugo Troschel" (Berlin). B. Gugler.

Zeitgeist. Das Problem, welches unter dieser Ueberschrift uns an diesem Ortegestellt ist, fassen wir in zwei bestimmte pädagogische Fragen. Nemlich: 1) In wie weithat der Erzieher dem Zeitgeist nachzugeben, also ihm gemäß seine Zöglinge zu bildenund überhaupt zu behandeln? Und 2) in wie weit kann oder soll er gerade als Erzieherselbst auf den Zeitgeist einwirken? Es wird sich aber im Verlauf rechtfertigen, wenn wirdie zweite Frage, obgleich sie so zu sagen im Futurum steht, vor der ersten im Präsensstehenden vornehmen.

Auf den Zeitgeist einzuwirken, ihn also durch Erziehung gleichsam erst zu machen,das werden nur solche sich zum Zweck setzen, die entweder in der Gegenwart, worin sieleben, überhaupt allen Geist vermissen, also ihrer Zeit erst Geist einhauchen wollen, oderdie den Zeitgeist, den sie in der Gegenwart um sich her warnehmen, dem also dieJugend ausgesetzt ist, für eiuen falschen, verderblichen halten und deshalb eben einenandern an seine Stelle setzen wollen. Sie müßcn also Opposition machen gegen jenen,und thun dies, indem sie sehr häufig von ihm reden, in allen Zuständen, Ereignissenund in den maßgebenden Persönlichkeiten der Gegenwart die schlechten Eigenschaften desZeitgeistes Nachweisen und ihre Zöglinge vor ihm warnen, indem sie sie auffordern, alles,was dermalen ist und geschieht in der Welt, in Wissenschaft und Leben, in Kirche undStaat, in Literatur und Politik, mit Mistrauen aufzunehmen und von demjenigen, wasan der Tagesordnung ist, ungefähr stets das Gegentheil zu denken und zu thun. Aufdiesem Standpunct treffen sie aber auch mit denen zusammen, die nicht nur dengegenwärtigen, sondern schlechtweg jeden Zeitgeist verdammen, weil er doch immer derGeist der Welt, also der Widerpart des Geistes Gottes sei; dieser sei nicht der Geistder Zeit, sondern der Geist der Ewigkeit. Diese Ansicht nimmt zumal bei Theologenund theologistrenden Laien hin und wieder die geschärfte Form an, daß sie in den „bösenGeistern unter dem Himmel" und in dem „Fürsten, der in der Luft herrschet," wovondie Bibel Eph. 6, 12 und 2, 2 redet, geradezu den Zeitgeist sehen, von dem also diegemeine Redeweise buchstäblich Recht habe zu sagen, daß man ihn mit der Luft einathme.— Ob man mit dieser, ohne Zweifel pessimistischen Anschauung Recht habe, lassen wirvorerst dahingestellt. Es können aber und werden auch solche, die dem Zeitgeist nichtgrollen, weil sie ihn entweder für weit nicht so schlimm, also in irgend einem Grade

weit absteht.) Der ausgesprochene Zweck Lamotte's ist, Gewerbtreibende dahin zu führen, daß siezur Mittheilung ihrer Ideen skizzirte Risse aus freier Hand zeichnen können. Daher folgen alsAnwendungen der elementaren Aufgaben Abbildungen von Gegenständen ans der Technik, da-neben auch'Omamente.

*) lieber den Gebrauch der Mustersammlung hat Fischer selbst sich ausgesprochen im II. Banddieser Encyklopädie, Artikel Formenlehre.