Zeichnen.
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sich dadurch repariren, daß man die Wände, soweit die Risse herabreichcn, in Wasseranwcicht, durch schräge Messerschnittc die weich gewordene Masse bis auf den Grund derRisse wegnimmt und dann das Stück sorgfältig trocken wischt; sind aber die Sprüngeschon tief gegangen, so bleibt nichts übrig als das Stück umzukehrcn und das entgegen-gesetzte Ende zum Reiben zu verwenden. Eine andere, aus falscher Sparsamkeit ent-sprungene Unart ist es, wenn Schüler den in der Schale eingetrockneten Tusch noch fürdie nächste Arbeit mit verwenden wollen; beim neuen Anreiben entstehen dann Schüpp-chen, welche in der Reißfeder eben so schlimm wirken wie abgebröckclte Körnchen.Die Tuschschale oder Carminschale muß nach Schluß einer Arbeit geleert und gründlichausgespült werden. — Damit in der Lehrstunde nicht Zeit mit dem Anreiben verlorenwerde, lassen manche Lehrer schon flüßigcn Tusch (oder Carmin) in verstöpselten Gläs-chen mitbringen. Dagegen ist nichts zu erinnern, wenn nur die Schüler nicht auf dieMeinung verfallen, es sei dann mit bloßem Ansgießen aus dem Gläschen gethan.Die Flüßigkeit im Glase wird immer etwas schwächer zu halten sein als für die Arbeiterforderlich ist, kann aber auch bei längerem Stehen eines Restes sich zu sehr verdicken;der richtige Grad ist daher erst in der Schale zu erreichen, im ersten (normalen) Falledurch Nachreiben, im zweiten durch Verdünnung.
Das Wichtigste für den Unterricht ist die Wahl der Constructionsaufgaben.Hier werden öfters Aufangsübungen übergangen, welche unbedeutend scheinen, aber imFortgang ihre Bedeutung fühlbar machen. Gerade den unscheinbarsten Operationen istSorgfalt zu widmen, weil sie als Grundlagen aller späteren Constructionen immer wie-dcrkehren und von ihrer exacten Ausführung das Gelingen der zusammengesetzteren ab-hängt. Es ist nöthig, den Gebrauch des Lineals, des Rechtwinkels, des Meßzirkels, desStückzirkels je besonders einzuüben und erst dann Aufgaben folgen zu lassen, zu derenLösung diese Werkzeuge Zusammenwirken müßen.
1. Lincalübungcn. *) Gar nicht leicht ist, durch zwei gegebene Puncte eineGerade genau zu ziehen, oder den Schnittpunct zweier Geraden scharf zu bestimmen.Gegeben wird beim constructiven Zeichnen ein Punct nicht durch einen Tupfen**), son-dern durch zwei kurze sich kreuzende Striche; aber trotzdem ist, wenn zwei Puncte ziem-lich-nahe beisammen liegen, viel Achtsamkeit aufzubieten, um die Linealkante durch beideso zu legen, daß die hiemit bestimmte Gerade auch auf große Erstreckung die genaueRichtung cinhält; ja es läßt sich oft eine geringe Ungenauigkcit im Anlegen gar nichtunmittelbar, sondern erst in ihren Folgen bemerken. Der Schnittpunct zweier Geraden,welche sich unter einem kleinen Winkel begegnen (oder einen sogenannten „langen Schnitt"geben), läßt sich nur durch Schätzung bestimmen und dann nicht immer sicher, sodaß man sich oft nach einer dritten Linie umzusehen hat, welche aus theoretischen Grün-den durch denselben Punct gehen muß, aber die eine der gegebenen Geraden unter einemgrößeren Winkel schneidet. Für diese beiden elementarsten Forderungen sind Uebungs-constructionen vorzunehmcn, welche sich selbst controliren, ohne hiezu ein anderesWerkzeug als das Lineal zu erfordern. Die Selbstcontrole besteht meist darin, daß dreiunabhängig von einander gefundene Puncte in gerader Linie liegen müßen, oder drei
*) Unter Hinweis auf eine frühere Bemerkung (S. 608 ) sei erinnert, daß sowohl an eineigentliches Lineal als an die Schiene oder die Seite eines Schiebdreiecks gedacht werde» darf.
**) Lehrer des constructiven Zeichnens haben zu bedauern, daß im Unterricht der Geometriemanche Lehrer gcwiße Hauptpuncte einer Figur durch aufgesetzte starke Tupfen hervorzuhebenPflegen, sogar gefundene Schnittpuncte mit solchen Tupfen überdecken, was für den Zeichner»ichts anderes heißt als ein erlangtes Resultat sofort wieder vernichten. Die Schüler ahmendies natürlich nach und bringen die Gewohnheit in den Unterricht deö geometrischen Zeichnensmit hinüber, wo sie dann als schlimme Unart verpönt werden muß. Um unter den an einerÄnstrnction auftrctcndcn Schnittpuncten den einen oder andern augenfällig herauszuhebcn, wirder im Bleistiftcntwurf mit einem kleinen Ring umgeben, den man nach dem Ausziehen der Figurwieder entfernt. Dieses Mittel zur Hervorhebung wäre zweckmäßig auch im Geometrieuntcr-richt anznwcndcn.