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Zeichnen.
Verhandlung kommt also daS Constrnctionszcichnen nur insoweit, als es auf jene Anwen-dungen und insbesondere auch auf die dcscriptive Geometrie vorbereitet, oder anderer-seits als Mittel zur empirischen Lösung solcher Aufgaben aus der ebenen Geometrie dient,deren streng theoretische Lösung entweder schwer zu finden ist, oder in der Ausführungzu verwickelt ausfallen müßte, oder auch die Grenzen der Elementargeometrie übersteigt.Daß auch für die Lösung der gewöhnlichen clcmentargcometrifchcn Aufgaben der Schülereinige Uebung im Gebrauch von Zirkel und Lineal haben sollte, ist von geringerem Be-lang; dieser Grad der Uebung läßt sich bald erreichen, fordert indes doch eine besondereAnleitung, weshalb oben (S. 594) selbst den Gymnasien auf ein Jahr lang eine Wvchen-stunde für geometrisches Zeichnen empfohlen werden durfte.*)
Ein solcher Gymnasialunterricht kann seine Ucbungsbeispiele sämmtlich aus dem Lehr-stoff der Geometriestunden herholcn. Anders bei einem systematischen Constructions-unterricht mit weitcrgestecktcn Zielen. Bei diesem kommt es vor allem darauf an, daßder Schüler völlig genau, dabei sauber und zierlich, endlich zugleich rasch arbeiten lerne;rasches und doch genaues Arbeiten setzt voraus, daß die fundamentalen, bei den fortschrei-tenden Ucbungsaufgaben immer wiedcrkehrcnden Operationen durch einfache und bequemeManipulation erledigt werden können, und damit sind für die ersten im Geometrieuntcr-richt verkommenden Aufgaben die dort gelehrten Lösungen ausgeschlossen, während vonden späteren reingeomctrischen Aufgaben viele nicht zur Steigerung der Constructions-gewandtheit sich eignen, weil sie entweder zu leicht oder zu complicirt sind, oder keineeinfache Controle (Probe) zulassen, oder im Falle relativer Brauchbarkeit anderen förder-licheren Uebungen die Zeit wegnehmen würden. Bezüglich der Elementaraufgabcn mag manz. B. vergleichen, wie die Forderung: durch einen Punct eine Parallele mit einer Geraden zuziehen, von der theoretischen Geometrie und wie sie vorn praktischen Zeichner (durch An-wendung des Schiebdreiecks) erfüllt wird. Keinem Zeichner fällt es ein, beim Errichtenoder Fällen von Lothen die Vorschrift der Geometrie zu befolgen; Tangenten an einenKreis von einem außerhalb gegebenen Punct zieht er unmittelbar durch Anlegen desLineals, und wenn zugleich auch die Berührungspuncte verlangt sind, bestimmt er dieseerst hinterher mittels des rechtwinkligen Holzdreiecks; selbst den Halbirungspunct einernicht allzugroßen Strecke oder die Halbirungslinie eines Winkels findet ein geübter Zeich-ner infolge eines Probircns schneller und ebenso sicher wie nach Anweisung der Geo-metrie. Es muß deswegen verfehlt genannt werden, wenn einige im Druck erschieneneAnleitungen zum geometrischen Zeichnen auf ihren ersten Blättern die reingeometrischenAuflösungen der Elementaraufgaben geben und auch nachher manche nicht zur Sachegehörige Aufgaben aus der Schnlgeometrie bringen; ein richtig verstandener Unterrichtim construirenden Zeichnen, wie er für Real- und Gewerbeschulen sich schickt, ist wedervom Geometrieuntcrricht abhängig noch ihm dienstbar, und was ihm aus der reinenGeometrie zugute kommen kann, ist weit weniger den Aufgaben derselben als ihrenLehrsätzen zu entnehmen. An einer gewerblichen Fortbildungsschule kann ein Schülerganz wohl am construirenden Zeichnen thcilnehmen, ehe er noch Geometrie gelernt hat,und die aus dieser zu Zeichnungsübungcn verwendeten Lehrsätze, welche er ohne Kenntniseines theoretischen Beweises im Zutreffen der Constructionen bestätigt findet, sind danngeeignet, ihn Einsicht in die inner» Gründe des Zutreffcns wünschen zu lassen, also denAppetit nach geometrischem Wissen zu erwecken.
Vorlagen sind hier nicht in der Weise wie beim Freihandzeichnen zu benützen;Sammelwerke mit solchen mögen dem Lehrer Stoff liefern, Leim Unterricht aber hatderselbe jede Aufgabe mündlich, unter Andeutung der Construction an der Schultafel,
Freilich bleibt in: Geometrieuntcrricht bei Aufgaben die Hcrleitung und Begründungder theoretischen Lösungen die Hauptsache; doch läßt ein Lehrer, der sich damit begnügt, sichund seinen Schülern ein Reizmittel entgehen. Hält man aber einmal die Ausführung ansdem Papier für dienlich, so sollten rohe, plumpe und die Probe nicht haltende Zeichnungen ver-pönt sein.