Zeichnen.
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In Obigem sind nur solche Vvrlagenwcrke cmfgcführt worden, welche nach überein-stimmendem Urtheil dnrchgebildcter Fachmänner in erster Linie empfohlen werden mäßen;sie finden sich, mehr oder weniger vollständig*), an den meisten wohlbestclltcn, wohl-ausgestattctcn Schulen. Unter den unerwähnt gebliebenen Vorlagen giebt. cs noch garmanches Brauchbare und Gute, aber auch viel Schlechtes. In Deutschland ist währendder ersten Jahrzehente dieses Jahrhunderts mitunter unglaublicher Schund producirtworden von Leuten, welche, ohne selbst richtig zeichnen gelernt zu haben, sich berufenglaubten, dem Zeichenunterricht durch Herausgabe von Vorlegeblättern unter die Armezu greifen. Wo man das Zeichnen nicht bloß um des Namens willen im Schul-plan stehen hat, sondern zu der Einsicht gelangt ist, daß der Zeichenunterricht ebensogutwie jedes andere Lehrfach einen ihm gewachsenen Lehrer erheischt, da sind die schädlichenVorlagen längst beiseite geworfen. Leider läßt sich dies noch nicht von allen Lehran-stalten sagen. Sehr verwunderlich ist, daß sogar in neuester Zeit (in der zweiten Hälftedes vorigen Jahrzehents) ein weitschichtigcs Vorlagenwerk (in Wandtafeln) veröffentlichtwerden konnte, welches zwar vom besten Willen zeugt, aber besonders in der deinKopfzeichnen bestimmten Abtheilung die heitersten Naivetäten aufzuweisen hat. Einurtbeilsfähiger Lehrer wird dergleichen ihm angebotcne Hülfen ablehnen; ein sie arglosacccptircnder Lehrer aber würde sich damit das Zeugnis auöstcllen, daß er auch mitguten Vorlagen nichts anzufangen wüßte.
II. Coustruircndes Zeichnen.**) — In dieser Betrachtung bleibt unberührt dasden Applicationsschulen anheimfallcnde technische Zeichnen (Architckturzeichncn, Ma-schinenzcichncu), sowie das in Fortbildungsschulen zu betreibende sogenannte „gewerbliche"oder „Fachzeichncn," worunter die Anfertigung von Weichzeichnungen verstanden ist, nack>denen in den Werkstätten bestimmter Handwerke die Arbeitsstücke hergestellt werben. Zur
,k. Commission für die gewerblichen Fortbildungsschulen," hat zu llnterrichtszwecken eine systema-tische, schon die Anfänger berücksichtigende Gipsmodellsammlung Herstellen lassen, ans welcherauch an nichtwürttembergische Schulen abgegeben wird. Eine illnstrirte Preisliste ist durch dasSekretariat der Centralstclle zu beziehen.
"i Von den französischen Vorlagen, welche auch in den größeren Kunsthandlungen Deutsch-lands fast immer vorräthig sind, werden einzelne Blätter abgegeben, so daß ein Lehrer je nachdem Bedürfnis oder dem Fcrtigkeilsgrade seiner Schüler auswählen kann, ohne zur Anschaffungeiner ganzen Sammlung genöthigt zu sein.
**) Man findet dafür, außer dem ganz zutreffenden Namen „geometrisches Zeichnen," auch öftersdm Ausdruck „Liuearzeichnen" gebraucht, welcher selbst dann nicht völlig passen würde,'.venu unter „Linie" bloß die gerade Linie gemeint, der Ausdruck mithin als Linealzcichncnverstanden sein sollte; denn als Werkzeug des geometrischen Zeichnens ist der Zirkel eben so wichtigwie das Lineal. Zielt der Ausdruck nicht auf das Werkzeug sondern auf die Natur der Auf-gaben, so bleibt er nicht auf die gerade Linie beschränkt, sofern zu diesen Aufgaben außer demZeichnen von Kreisen noch das Constrniren von Cnrvcn anderer Art gehört; dann aber ist cnt-gegenzuhaltcn, daß auch alles Freihandzeichnen, solange man vom Schattircn mit dem Wischer ab-sieht, Linearzeichnen ist. Daher wäre der gleichfalls an manchen Orten übliche Name „Zirkclzeichncn"»och eher znläßig, da er zugleich an das Messen von Distanzen, also mittelbar an die geradeLinie und das andere Hauptwcrkzeug des confiruirenden Zeichnens erinnert. — Es ist zu be-dauern, daß der kurze und gute Name „Reißen" beinahe ganz abgckommcn ist. Obwohldieser Name ursprünglich jede Art des Zeichnens bedeutet hatte (worauf noch die Worte Um-riß, Schattenriß, Reißkohle, Reißblei Hinweisen), nahm man ihn doch später nur in der engerenBeziehung auf das geometrische Zeichnen; in diesem Sinne entstanden die Ausdrücke Grundriß,Aufriß, Reißzeug, Reißbrett, Reißschiene; der Uebergang vcrrätl, sich in der Bezeichnung „Hand-riß" (brouilton) für die erste, aus freier Hand entworfene Skizze zu einem nachträglich geo-metrisch auszugestaltenden Riß. Schwankend blieb bis in die neueste Zeit der Name „Reißfeder,"indem derselbe zuweilen noch im ältesten Sinne (statt Bleistifthaltcr) gebraucht wird, währendrr jetzt vorzugsweise das Werkzeug bedeutet, welches beim geometrischen Zeichnen zum Ausziehenvon geraden Linien oder (als Einsatzfeder) von Kreisen mit Tusch dient. Die vorliegende Ab-handlung verwendet den Namen ausschließlich im letzteren Sinne.