Zeichnen.
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Vorlagenwerke für schon vorgeschrittene Schüler sind im Kunsthandel in großerZahl nnd Mannigfaltigkeit vorhanden, für Anfänger dagegen nur wenige wirklich brauch-bare. Muster zum Verzeichnen an der Schultafel bei einem ersten Unterricht (vgl. S. 598)enthält das Merkchen von I. G. Wolf: „Erste Grundlage des rationellen Zeichen-unterrichts" (Nürnberg, Schräg). Die hier gegebenen Formen erscheinen zuweilen etwastrocken, sind aber für Lehrzwecke sehr passend gewählt nnd haben sich beim Gebrauchvielfach bewährt. Zu ähnlichem Gebrauch eignen sich auch die meisten Blätter ans einerin Dresden (bei Naumann) ohne Namen des Autors erschienenen Sammlung mit demTitel: „Auf das Quadrat basirte Aufgaben im Elementarzeichnen." Als Wandblätterzum Aufhängen vor der Zeichenclasse sind besonders zu empfehlen: „50 Wandtafeln,
Umrisse von Ornamenten verschiedener Kunstepochcn, von E. Herdtle" (Stuttgart,Nihschke). Herdtle hat noch einige andere Sammlungen für Anfänger bearbeitet, vondenen hervorzuhebcn ist das „Vorlagenwerk für den Elementarunterricht im Freihand-zeichnen," herausgcgeben von der k. w. Commission für die gewerblichen Fortbildungs-schulen (Stuttgart, 1864). — Unter den Vorlagenwerkcn für geübtere Schüler stehen hin-sichtlich des Ornamentenzeichnens die französischen voran (von Bilordcau, Ca-lamc, Carot, Jullien, Plantar); von den deutschen behauptet eine bescheidenere, dochehrenwerthe Stelle die „Ornamcntenzeichnungsschnle in 100 Blättern" von C. Wcit-brecht (Stuttgart, Schweizerbart), und betreffs der antiken Ornamente ist Vorzüg-liches geleistet in dem Werke von I. M. Manch: „Elastische Verzierungen als Vor-legeblätter," 3 Hefte (Berlin, 1837). Nicht zum unmittelbaren Gebrauch in der Schule,wohl aber für den Lehrer zum Studium und zur Orientirung auf dem Gebiete der
Unterricht nicht genügt, guten Privatunterricht oder Zulassung in die am Orte befindliche Kunst-akademie suchen. Es zeugt von richtiger Einsicht, daß in der mit dem Londoner South-Kensiug-ton-Museum verbundenen Anstalt (DrainiuZ sobool) zur Heranbildung von Zeichenlehrern dieweiblichen Zöglinge (also die künftigen Lehrerinnen für Mädchenschulen) ganz ebenso unterrichtetund mit den nemlichen Hebungen beschäftigt werden wie die jungen Männer. — Mit demMalen kann bei Mädchen etwas früher begonnen werden als bei Jünglingen, da jene häufigereinen natürlichen Sinn für Farbenharmonie und gewöhnlich auch den lebhafteren Wunsch zumalm mitbringen; dafür finden die Aufgaben hinsichtlich der Schwierigkeit früher ihre Grenze.
' Mit Interesse nnd meist nicht ohne Geschick malen Mädchen Pflanzen nnd Blumen nach derNatur. Dieses Interesse scheint indes nur zum Theil ein rein ästhetisches zu sein, anderenTheils mit der Gewöhnung an die üblichen kuustverwandten Näh- und Stickarbeiten znsammen-zuhängcn. Solchen Arbeiten, welche öfters als Erwerbsmittel betrieben werden, durch den Unter-richt Hülfe und artistische Unterlage zu geben, steht namentlich weiblichen Fortbildungsschulenwohl an.
Wenn es gestattet ist, hier auf einen nicht zum Thema gehörigen Gegenstand abzuspringen,möchte der Verfasser die Gelegenheit warnehmen, einen kurzen Nachtrag zn seinem imJahre 188g für die Pädag. Encyklopädie geschriebenen, im II. Bande (S. 886 ff.) gedrucktenArtikel über „Fortbildungsschulen" bcizubringcn, da jener Artikel gegen den Schluß von einerAnregung zur Einrichtung weiblicher Fortbildungsschulen spricht nnd mit der Bemerkung endet,ein wirklicher Versuch sei noch nicht gemacht worden. Seitdem sind in Württemberg nach undnach Fortbildungsschulen für Mädchen in ziemlicher Anzahl entstanden; zuerst hatte eine solchein Stuttgart Gestalt gewonnen, dann folgte man nach in Ulm, Reutlingen, Ravensburg,Biberach, Frcudenstadt, Blaubcuren, Ebingen. Die am meisten entwickelte in Stuttgart (seitmehreren Jahren angeschlosscn an die allgemeine Fortbildungsschule oder „städtische Gewerbe-schule") hat einen die Elemcntarfächer (Rechnen, geschäftliche Aufsätze, Buchführung, Schön-schreiben) umfassenden „ordentlichen Curs" und daneben eine Reihe von Lehrgegenständen zufreier Wahl für besser vorgebildcte Mädchen, nemlich Zeichnen (und Malen), Musterzeichnen(d. h. Zeichenunterricht mit besonderer Rücksichtnahme auf weibliche Handarbeiten), Geographie,deutsche Stilübungen, deutsche Literatur, Naturlehrc für den Haushalt, Gesnndhcitslehre,französische Sprache, englische Sprache; die stärkste Frequenz bis jetzt (Herbst 1872) ergabI8Ü Schülerinnen; fast alljährlich finden sich auch Frauen ein, sogar als Theilnehmerinneuam ordentlichen Curs. Notizen über sämrntliche weibliche Fortbildungsschulen Württembergssind gedruckt im „Gewerbcblatt aus Württemberg", Nr. 45 des Jahrgangs 1872.