Zeichnen.
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erlangt, so können sie unbedenklich zum Zeichnen nach dein lebenden Modell fortgcführtwerden, womit übrigens nicht ausschließlich das ans den Kunstakademien eingcführte„Act"-Zeichnen gemeint sein soll.
Der Grundsatz, daß das Zeichnen nach dem Körperlichen den eigentlichen Kerneines ernstlich gemeinten Zeichnnngsunterrichts zu bilden habe, ist auch bezüglich derschon vorgerückten Schüler nicht in exclusivem Sinne auszulegen. Ebene Vorlagen, undzwar diesmal Einzelblätter, kommen ein zweitesmal zu nützlicher Verwendung, wenn imZeichnen nach Gips ein gewißer Grad der Fertigkeit erreicht ist, etwa nachdem die Köpfedes Alex. Dupuis abgemacht sind. Diesmal haben die in Abwechslung mit schwieri-geren Gipsmodellen zu benützenden Vorlcgeblätter einen wesentlich andern Zweck alsdie Wandvorlagen des Anfängerunterrichts. Zunächst ist von Vorlegcblättern die Rede,auf denen ganz ähnliche Gegenstände wie die dem Schüler als Gipsmodelle bekanntenmusterhaft dargestellt sind. An ihnen soll der Schüler das lernen was man zuweilendm „guten Vortrag" nennt, d. h. er soll erkennen, wie eine Nachbildung des Körper-lichen nicht bloß richtig, sondern zugleich gefällig und geschmackvoll zu geben ist, worübergute Muster schneller belehren als die immerhin nebcnhergehcnden mündlichen Andeu-tungen des Lehrers. Während beim schattirenden Zeichnen nach Gips anfänglich nurdie verschiedenen Schattentöne selbst und lediglich durch den Wischer einzutragcn sind,soll späterhin an einer auf Tonpapier ausgeführtcn Zeichnung der Schein des Plastischennoch dadurch erhöht werden, daß man an den im Modell am hellsten beleuchteten StellenLichter mit weißer Kreide anfsetzt. Diese Lichter gleichfalls bloß durch Verreiben hcrzu-stcllen, geht wegen der Natur der weißen Kreide nicht wohl an; man legt gewöhnlicheine geeignete Schrafsirnng darüber, was aber dann, zur Wahrung der Gleichförmigkeit,die Eonsequenz nach sich zieht, daß auch die verriebenen Schatten durch Schrafsirnnggedeckt werden müßcn. Noch später soll der begabtere Thcil der Schüler lernen, Schattenund Halblichter einzig durch Schrafsirnng, ganz ohne Verreiben, zu erzielen. Ein richtigesSchrasfiren ist aber schwierig, fordert nicht nur ein feines Formgefühl, sondern vor allemdas Studium verlässiger Vorbilder, wie sie am vollkommensten in Handzcichnnngen undZüchen älterer Meister zu finden wären. Da indes Mustcrblätter von solchem Wcrthenicht unter das Lehrmaterial einer Schule eingcrciht werden können, so hat der Lehrersich um Zcichnungsvorlagen zu bemühen, welche wenigstens annähernd Ersatz zu bietenvermögen.
Ein drittesmal erweisen sich Vorlcgeblätter als nothwendig, wenn vorgeschritteneSchüler zu Arbeiten zugelassen werden sollen, welche eine besondere, durch unmittelbaresNachzeichnen körperlicher Gegenstände gar nicht zu erlernende Darstellungsmanier ver-langen. Dahin gehören Federzeichnungen und die Anfänge des Landschafts-zeichnens. Das Schrasfiren bei Federzeichnungen ist ein anderes als bei der Kreide-zeichnung und muß neu eingeübt werden; beide Schrafsirungsarten unterscheiden sich wiedie scharfe Spitze der Stahlfeder und der stumpfere Kegel des Kreidestifts. Man kanneinem Zeichner allerdings auch anfgeben, etwa ein ornamentales Gipsmodell in Fcder-manicr abzuzeichncn, aber erst wenn er zuvor die Manier selbst sich angecignet hat, wasnur durch Copiren guter Vorlcgeblätter geschehen konnte; und selbst dann noch wirdmancher nicht völlig sichere Zeichner es verziehen, nach dem Modell sich zunächst einenEntwurf mit gewischten Schatten zu machen und an einer zweiten Zeichnung die Schat-tcntöne in die Federmanicr zu übersetzen. Kunstschulen und gewerbliche Fortbildnngs-Ichulcn haben bei denjenigen ihrer Schüler, welche sich zu Kupferstechern oder xylogra-Phischcn Zeichnern bestimmen, ans ähnliche llcbcrsetzungen die größte Sorgfalt zu ver-wenden, indem sie unter Hinweisung auf die Existenz innerer Gesetze Anleitung gebenwüßeu, gemalte oder getuschte Bilder iu Linienmanier (mit Feder oder mit Beistift) zuübertragen. Als mustergiltige Beispiele dienen entweder Radirungen oder Stiche, jenach-dcm es sich um Zeichnungen in kleinem oder in größerem Maßstab handelt.*) — Das*) Von der Kunst des richtigen Schraffircns ist bedauerlicherweise in neuerer Zeit beim