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Zeichnen.
aus die erklärenden Bemerkungen deS Lehrers zu achten. Das Zeichnen beginnt bei Weg-nahme der Vorlage, welche dann nach einiger Zeit wieder dargeboten wird, damit dieZeichner ihre inzwischen gelieferte Copie berichtigen können. Dabei muß nur häufigdie Berichtigung so gründlich auSfallen, daß sie fast einer völligen Neuzeichnung gleich-kommt. Dies dürfte einer der Gründe sein, warum außerhalb Frankreichs die Methodewenig Nachahmung gefunden hak. Aber sie läßt sich emcndiren. Es ist begreiflich undvon der Erfahrung bestätigt, daß eine vom Schüler selbst gezeichnete Figur weit festerin seinem Gedächtnis haftet als eine bloß angeschaute. Davon ausgehend kann mandem Schüler aufgcbcn, eine von ihm nach Vorlage bereits gefertigte leichte Figur zumzwcitenmalc hcrzustcllen, diesmal jedoch aus der Erinnerung. Bei Adoption des belgi-schen Wandtafelzeichnens bedarf es bloß eines sorgfältigen Weglöschens der ersten Sckii-lerzeichnung; während der nachfolgenden Arbeit ans dem Gedächtnis bleibt die Ver-zeichnung an der Lehrcrtafel verdeckt, bis sic schließlich der Vergleichung wegen wiedersichtbar werden muß.
Wenn verlangt wird, der Schüler solle beim Anfangsunterricht das vielleicht ziem-lich entfernte Vorbild in gleicher Größe nachzeichnen, so ist dies nicht so leicht zu befolgenwie eS scheinen könnte; denn der Zeichner empfängt vom Vorbild direct nur den Ein-druck der scheinbaren Größe, welche bekanntlich nicht auf ein Längenmaß, sondern nurauf den Sehwinkel zurückgeführt werden kann; er muß also zuvor aus der Erfahrungdie wirklichen Dimensionen des Vorbilds kennen und sie mit den Dimensionen seinerArbeitsfläche vergleichen. Um dieser Vergleichung eine sichere Grundlage zu gebe»,sollten für sämmtliche Schüler einer Elaste die Rahmen oder Wandtafeln von gleicherForm und Größe sein, nemlich einem bestimmten Rechteck congrucnt, welches an derLehrertafel das Vorbild zu umrahmen hätte. Bei solcher Anordnung wäre dann auchdie spätere Forderung, ein Vorbild nach verkleinertem Maßstab abzuzeichncn, i» präci-serem Sinne zu fassen, indem man die Hälfte, zwei Drittel re. der wirklichen Größeverschreiben könnte. Es ist nemlich jedenfalls zu empfehlen, dein Copircn in wirklicherGröße eine Reihe von Ucbungen folgen zu lassen, bei denen das Vorbild in veränderterGröße copirt wird. Kann eine Schule wegen Mangels an passenden Localen das zu-crstgenanntc Copiren nicht ausführen lassen, während sie doch die gemeinsamen Waudvor-bilder beibchalten will, so muß sie sogleich zum verkleinerten Nachzeichnen greifen, alsoeine wichtige Stufe überspringen. Dies ist ein Nachthcil, doch immer noch besser, alswenn mit kleinen Einzelvorlagcn angcfangen wird.
So unerläßlich der nach ebenen Vorbildern betriebene Anfangsunterricht ist, sodarf doch der Lehrer, wie schon gesagt, den Schritt zum Zeichnen nach Modellen nichtzu lange verzögern. Bezüglich des schattirenden Zeichnens nach Gipsmodellen ist nochzu bemerken, daß solche Modelle sich nicht auf die dem menschlichen oder thierischen Körperentnommenen Nachbildungen zu beschränken brauchen; es können zwischenhinein Modellevon Ornamenten, architektonischem Maßwerk, Capitellcn w., auch Naturabgüsse vongroßen Pflanzenblättern re. verwendet werden; ja an einer gewerblichen Lehranstalt kamfür eine Schülerabtheilung das Zeichnen von Ornamenten wichtiger sein als das Zeichne»von Köpfen und Figuren. Bei allem Gipszeichncn mit Schattiruug muß dafür gesorgtsein, daß i>as Modell nicht mehreren Lichtquellen zugleich ausgesetzt ist. Für das Zeichnenbei Tage erreicht man die einseitige Beleuchtung (das sogenannte gespannte Licht) be-kanntlich durch Scheidewände aus Brettern oder dunkelfarbigem Zeug, welche senkrechtzur Fenstcrwand die einzelnen Fenster von einander trennen. Bei künstlicher Beleuchtungam Abend erhält jedes Modell seine eigene Gasflamme mit Schirm, während eine zweiteFlamme mit etwas anders geformtem Schirm dem Schüler, oder einigen nach dem-selben Modell arbeitenden Schülern, das Papier der Zeichenrahme beleuchtet; beideSchirme müßen so gestellt sein, daß die ihnen entsprechenden Lichtkegel sich nicht kreuzen.Die Schatten am Modell treten bei Gaslicht noch bestimmter und kräftiger hervor alsbei Tage. — Haben einzelne Schüler bedeutende Fertigkeit im Zeichnen nach Gipsköpfen