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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Zeichnen.

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her beim Zeichnen nach Modellen, statt der Tische Rahmen benützt werben können,aus welche schon oben (S. 595) hingewiescn worden ist. Eine solche ans Holz gefügteRahme, etwa 70°-» hoch und 50 °>» breit, ist mit aufgcleimtem Pappdeckel überspannt, aufwelchem der Zeichnungsbogcn an den Ecken durch vier ins Holz gebrückte Hcftnägelbefestigt aufliegt. Die Rahme ruht in schräg ansteigender Stellung mit dem unternRand auf dem Schenkel des sitzenden Zeichners, mit dem obern auf dem Querholz eineskleinen Ständers und wird dabei von der linken Hand des Schülers in der passendenLage erhalten. Gezeichnet wird mit Reißkohle; zur Beseitigung unrichtiger Linien dientxju Lappen Feucrschwamm, zur Fixirung der corrigirtcu Zeichnung entweder weicherBleistift oder (besser) schwarze Kreide. Will man statt Zcichcnpapiers das von Ferd.Dupuis eingeführte schwarze Wachstuch verwenden, so fällt die Nothwcndigkeit wieder-holten Aufheftens, aber auch die Möglichkeit der Fixirung weg. Eine cigenthümlicheModification der hier besprochenen Anfängerunterrichts ist von Brüssel aus in mehrerebelgische Städte übergcgangen und seit 1871 auch in Stuttgart (an der gewerblichenFortbildungsschule oderstädtischen Gewerbeschule") adoptirt. An der einen Schmal-seite deS rechteckigen Zeichnungszimmers befindet sich die Schultafel für die Verzeich-nungen des Lehrers; an den beiden Längsseiten ziehen sich Reihen kleinerer Wandtafeln(aus Holz mit schwarzem Oelanstrich) hin, ungefähr von den Dimensionen der vorhingenannten Rahmen oder noch etwas größer; vor jeder solchen Tafel steht ein Schülerund zeichnet mit Kreide. Auch an der zweiten Schmalseite, gegenüber der Lehrertafelsind Schülcrtafeln angebracht, welche jedoch nicht unbeweglich an der Wand haften, son-dern je an der einen Verticalkantc Charniere haben, damit sie von der Wand so weitabgedreht werden können, daß der Schüler die Lehrertafel nicht mehr ini Rücken hat;eiugchackte Eisenstäbe halten sic dann unter einem Winkel von etwa 45" gegen die Wandfest. Im Mittelraum des Zimmers sitzen Schüler mit leichten Holztafeln, welche gleicbden Rahmen gehandhabt werden. Sollen die rascher vorschreitendcn Schüler mit eineretwas schwierigeren Aufgabe beschäftigt werden als die schwachen, so ist die Lehrertafelbreit genug um zwei Vorzcichnungen nebeneinander anfzunehmcn. Die feste Zeichen-stäche in verticalcr Stellung und die Weiche Kreide erleichtern dem Anfänger das Arbeiten.Der Lehrer überschaut von dem vor seiner Tafel befindlichen Podium aus die Thätigkeitsämmtlicher Wandzeichner zugleich, bemerkt den lässigen oder ungeschickten und weiß so-fort, wo er zunächst cinzuschreitcn hat. In den Mittelraum wird er solche Schülersehen, bei denen fortlaufende Controlc nicht mehr so nöthig ist. Aus der Beschreibungder Einrichtung geht übrigens von selbst hervor, daß dieselbe nur auf abendlichenUnterricht bei Gasbeleuchtung anwendbar ist, oder, wenn am Tage unterrichtet werdensoll, einen fensterlosen, durch Oberlicht erhellten Raum voraussctzt.

Bei dem eben geschilderten Wandtafelzeichnen ist für einen Theil der Schüler basHinsehen auf die Vorzeichnung weniger bequem als wenn der Zeichner das Vorbildgerade vor sich hat. Darin liegt aber eher ein Vortheil als ein Nachthcil. Der Schülergewöhnt sich nemlich, es mit jedem Hinblick auf die Lehrertafel genau zu nehmen, denbetreffenden Theil der Vorzeichnung scharf aufzufassen und in der inneren Anschauungfestzuhalten. Es geschieht hiemit gewißermaßen ein erster Schritt zu einer Uebung, welchedurch französische Lehrer in ein förmliches System gebracht worden ist: dem Zeichnenaus dem Gedächtnis. Daß das Formengedächtnis auf dircctem Wege geweckt undgestärkt werden kann, steht ebenso außer Zweifel als daß Reproduktion aus der Erin-nerung die Vorstufe bilden muß zu einer späteren, in der Imagination sich vollziehendenErfindung neuer Formen, weiterhin zur künstlerischen Composition. Allein ob es ge-rade nothwendig sei, dergleichen Gedächtnisübungen zum besondern Gegenstand einesSchulunterrichts zu machen, mag fraglich bleiben. Nach dem um l860 von der Pariserbieols impsrials äs ässsin gegebenen Beispiel lassen manche französische Schulen solcheUebnngen in folgender Art vornehmen. Eine einfache Figur bleibt für einige Minutenvor den Augen der Schüler aufgchangen, ohne laß diese zeichnen dürfen; sie haben nur