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Zeichnen.
Ein zweites Hindernis lag und liegt für viele Schulen in dem Mangel geeigneter Räum-lichkeiten. Wo nemlich eine starkbesuchte Classe nicht in Parallelabtheilungen gespaltenwerden kann, wird häufig das Zeichnungszimmer zu klein sein, um die Vertheilung derSchüler in mehrere Gruppen (je mit besonderem Modeüständer) zu gestatten.
Wie schon angedeutet wurde, scheint es eine zu abstracte Forderung, daß ein Schülerden von Ferdinand D. entworfenen Cursus vollständig durchlaufen haben müßte, ehe erzu den Gipsköpfen des Alexander D. geführt werden könne. Das Zweckmäßigere wirdsein, zwischen beiden Arten von Modellen abzuwechseln, einer ersten Abtheilung geo-metrischer Modelle die ersten Köpfe' folgen zu lassen und so fort auf beiden Seiten gleich-mäßig zum Schwierigeren aufzusteigen; denn von den beiderseitigen Modcllrcihen istin der That nicht die eine die Vorstufe zur andern, sondern jede für sich dient ihrembesondern Selbstzweck. Ebenso wäre cs pedantische Uebertreibung eines richtigen undheilsamen Gedankens, wenn man (wie es wirklich in einzelnen Fällen mißverständ-lich geschehen ist) schon die allerersten Zcichnungsvcrsuche nach körperlichen Gegenstände»vornehmen lassen wollte. Bevor der Schüler z. B. die Kanten eines Würfels nach-zcichnen kann, muß er gelernt haben, eine gerade Linie zu ziehen; bevor ihm zugemuthetwerden darf, einen schief gestellten Kreis als Ellipse abzubilden, muß seine Hand schonziemlich an den stetigen Zug einer krummen Linie gewöhnt sein; er muß überhaupt dieelementarsten Hebungen der Hand und des Augenmaßes schon hinter sich haben, wenn diehöhere Forderung an ihn kommt, perspektivische Verhältnisse aufzufasscn und wicderzugeben.Also werden für die ersten Anfänger immer Vorlegeblätter oder Vorzeichnungen erforderlichsein. Erfahrene Zeichenlehrer sind darin einig, daß womöglich gleich von Anfang an ingroßen Dimensionen gezeichnet werden sollte, weil dabei alle Formen entschiedener und faßlicherhervortreten, begangene Fehler dem Schüler selbst eher bemerklich werden, sein Blick sich an dieUmspannung einer größeren Fläche gewöhnt und er vor der gefährlichen Versuchung bewahrtbleibt, das Auge zu nah an die Zeichnung zu bringen. Demnach sind große an derWand aufgehängte Vorlagen (Wandtafeln), nach denen alle Schüler einer Classe odereiner Abtheilung zeichnen, den sonst üblichen an die einzelnen Schüler verthcilten Vor-lageblättcrn kleineren Maßstabes weitaus vorzuziehcn. Noch zweckmäßiger ist eine vomLehrer an der Schultafel vor den Augen der Schüler ausgeführte Vorzeichnung. Selbst-verständlich haben alle solche Vorbilder sich auf Umrisse, auf Combinationen aus geradenund krummen Linien zu beschränken, unter Vermeidung jeglicher Schattirung; sie sollennicht verwickelt und nirgends geschmacklos sein. Am besten eignen sich Gestalten ausdem Gebiete der Ornamentik, namentlich solche, welche auf Symmetrie gegründet sind.Haben die Schüler einige Uebung erlangt, so wird der Lehrer von einem einfach symme-trischen Gebilde nur die eine Hälfte, oder von einer mit zwei auf einander senkrechtenSymmetralaxen begabten Gestalt nur einen Quadranten verzeichnen und die aus denGesetzen der Symmetrie folgende Ergänzung von den Schülern fordern. Freilich muß,wenn die Schüler das Vorbild in gleicher Größe nachahmen sollen, ein hinreichend ge-räumiger Zeichensaal vorhanden sein, damit schon bei diesen ersten Uebungen, wie nach-
*) Man hat gesagt: wenn man den Anfänger das Drahtgcbilde eines Dreiecks, eines Qua-drats, eines Kreises re. in gerader Ansicht zeichnen läßt (d. h. das Gebilde in einer zurSchare senkrechten Ebene aufstellt), so kommen perspectivische Verkürzungen nicht vor und derSchüler kann also doch schon die ersten Grundlagen des Zeichnens an körperlichen Modellen er-lernen. Wie mit solch gekünstelter Ausdeutung die Wahrheit umgangen wird, liegt auf der Hand.Allerdings läßt man die ebenen Gestalten nnter den F. Dupniöschen Modellen zuerst in geraderAnsicht zeichnen, doch hauptsächlich nur, um dem Schüler recht fühlbar zu machen, wie sichmit veränderter Stellung der Modelle die Bilder verändern. Die gerade Ansicht ist völlig gleieb-bedeutend mit einer Vorzeichnung an der Schultafcl; aber die hieher bezüglichen Modelle, welcheihren eigentlichen Werth erst bei schiefen Stellungen erhalten, wären zum Ersatz von Verzeichnungenoder Wandvsrlagen nicht mannigfaltig genug; und ihre Zahl bloß znin Zweck der Elemcntar-übungen zu vermehren, wird keinem verständigen Manne einfallen.