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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Zeichnen.

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hinterher mit schwarzer Kreide fixirt; für die Schatten kommt derWischer" (Lstomxs) inAnwendung. Die Modelle des Alexander Dupuis, für das Fignrenzeichnen bestimmt,*)beginnen mit sechs Reihen von je vier Exemplaren eines »nd desselben Gipskopfs,der aber erst im letzten Exemplar völlig ausgebildct erscheint; das erste Exemplar gicbt nurdie allgemeine Hauptsorm, gleichsam den räumlichen Umriß, an welchem die einzelnenTheile des Kopfes noch als bloße Andeutungen hervortreten; von da an durchlaufen diefolgenden Exemplare successive Entwicklungsstufen. Jeder Kopf wird zuerst nur in Um-rissen gezeichnet, später je der letzte und vorletzte auch als schattirte Zeichnung ansgeführt.,Tie unausgebildeten Köpfe machen für den ersten Blick einen befremdlichen Eindruck,Md in der That scheint diese Reihenfolge ein doctrinärer Versuch zu sein, altbekannteBlattvorlagcn für das Kopfzeichnen, aus denen gleichfalls (der Eintheilung wegen) mitunfertigen Umrissen angefangcn wird, ins Plastische zu übertragen. Gleichwohl habendie rudimentären Köpfe, welche zunächst nur die Verhältnisse zwischen den Haupttheileneines Kopfes zur Anschauung bringen, ihre praktische Verwendbarkeit bewährt, und unbe-dingt zweckmäßig sind die übrigen Gipsmodelle. Hat ein Schüler diese Modellreiheumit Erfolg verarbeitet, so können ihm unbedenklich die im Kunsthandel überall zu haben-den Abgüsse von Köpfen, Torsen oder ganzen Figuren (nach der Antike oder nach fran-zösischen und deutschen Originalen) vorgesetzt werden. DieDupuis'sche Methode"ist bei ihrem ersten Bekanntwerdcn in Deutschland **) überschätzt, später zum Thcil ver-nachläßigt worden. Schulbehörden hatten geglaubt, die Methode und die Modelle wür-den allein schon wirken und es bedürfe bloß einer einfachen Anweisung für die Lehrer.Tas Beste muß aber hier, wie überall, der Lehrer selbst thun, auf dessen Verständnisund guten Willen alles ankommt. An die Gipsvorlagen des Alexander D. gicngendie meisten Lehrer nicht ungern, wenn auch einige derselben die Kopsrudimeute belächelnwollten. Dagegen fanden die Modelle des Ferdinand D. wenig Beifall bei Lehrern,welche sich als Jünger der schönen Künste fühlten und geometrische Formen für steifausahen. In der perspektivischen Behandlung dieser geometrischen Modelle liegt dereigentliche Nerv der Methode, das Unterscheidende im Vergleich mit dem althergebrachtenZeichenunterricht, während Alexander D. außer dem Beginn mit unfertigen Köpfen nichtsneues oder cigcnthümliches gebracht hat. Jene Behandlung ist aber schwer nicht bloßfür den Schüler, sondern auch für den Lehrer, schwerer als die Behandlung der erstenGipsköpfe, da die Schärfe des geometrischen Gesetzes strengere Correcturcn erheischt; einLehrer mittleren Schlags, der zuvor nur nach Vorlegcblättern unterrichtet hat, muß sichden so einfach scheinenden Modellen gegenüber anfangs selbst als Schüler bekennen unddarf sie für den Unterricht nicht herbeiziehen, ehe er von seiner eigenen Sicherheit über-zeugt sein kann. Daß Ferdinand D. an manchen Orten, wo man ihm bereits gefolgtwar, wieder verschollen ist, rührt zum Theil von der Unzulänglichkeit oder Abgeneigtheitder Lehrer her;***) ein guter Lehrer, der zugleich seine Schüler für ihre schwierige Arbeitzu intercssiren weiß, fördert dieselben durch diese Methode gründlicher als durch jede andere.

') A. Dupuis hat auch für die Anfänge des Ornamentenzeichnens Gipsmodelle hergcstellt,welche aber vor ähnlichen längst bekannten kaum etwas voraus haben und hier, wo es sich nichtum Zeichnen nach Relief, sondern um Zeichnen nach dem vollen Runden handelt, außerbetracht bleiben.

**) Moriz Mo hl machte auf sie aufmerksam in seiner Schrift:Gcwerbswisscnschaftliche Er-gkbnisse einer Reise in Frankreich" (Stuttgart I84S), S. 362379.

"*) Als der Verf. einmal (1860) in einer norddeutschen Schule eine Zeichenstunde besuchte,

>n welcher ziemlich schlecht nach DupniS gearbeitet wurde, bemerkte er einen etwas verbogenen"ahiwürfel am Boden und wollte ihn aufnehmen; der Lehrer jedoch kam zuvor, indem erdurch einen Fußstoß das Modell in den Winkel schleuderte, unter Worten des Unwillens über dieganze Methode; er müße auf höheren Befehl darnach unterrichten, obgleich er wisse, daß dabei"schts zu lernen sei. Dies war unter den hieher gehörigen Neiseerfahrnngen die stärkste, abernicht die einzige.