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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Tcnophon.

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in guter Zucht ausgewachsen ist, wird auch die einfachen Satzungen treu beobachten.Darum hat nun auch die Staatsweishcit nicht sowohl darauf zu sehen, wie man dieUebertrctcr der gesetzlichen Ordnung strafe, sondern vielmehr auf Mittel zu denken, daß nie-mand eines strafwürdigen Vergehens sich schuldig mache (UrvOMAit. 8942).

Wie aber Xenophon im Staate der Spartaner das Vorbild für alle Staatsordnunggefunden hat, so Jsokrates im Staate der Athener (l?ano§;w. 78, kanntlwu. 144), dessenültere Geschichte er freilich in etwas willkürlicher Weise idcalisirt, wie er denn auchbei Betrachtung der Zeit des Solon und Klisthencs alles im hellsten Lichte prangensieht (^,r 60 pn§it. 16 sf., I'auntlwn. 130, 151, ^ntickos. 232). Im ganzen ist cs aberdie gemäßigte, noch von aristokratischen Elementen durchzogene Demokratie, für welcheer sich erwärmt hat (vgl. Roscher, Thukydideö 519 f.), und in dieser erscheint ihmwieder der Areopag, diese mit großen Befugnissen ausgestattcte Aufsichtsbehörde, als einenach allen Seiten wohlthätig wirkende und in besonderer Weise die Jugcndbildung regelndeWacht (^rsopussit 36 ff). Dabei hat er nun auch, hierin stark von Lenophon sich ent-fernend, die literarische Bildung in ihrem Werthe für die Jugend erkannt, lieber Poesiefreilich ist sein Urtheil ein beschränktes, und bedeutsam erschienen ihm wohl nur diedidaktischen Dichtungen von Hesiod, Phokylides und Theognis ( Xicod. 3, 42 ff., Lusir.38 f). Das Beste von den Dichtern soll die Jugend auswendig lernen, und auch dieWerke anderer, selbst der Sophisten, wenn sie Nützliches darbicten; denn wie die Bieneans allen Pflanzen das Beste ziehe, so müße auch derjenige, welcher sich zu bildenstrebe, von allen Seiten nützliche Kenntnisse cinsammeln (kuno^r. 159, Vomvnio. gg.d. Ende). Eristik, Astrologie,-Geometrie und verwandte Fächer erscheinen ihm zwar alsunnütz für das Leben, aber er läßt sie gelten als Xttl

rHs PltoaoPrlls (natürlich der Philosophie in seinem Sinne, ^ntiäos. 258 ff.). Jemehr er unzufrieden ist mit der Sittenverderbnis der Jugend seiner Zeit, desto nachdrück-licher weist er auf die großen Vorbilder der Vergangenheit hin (kunatlron. 138, ^roo-xngit. 29 ff). Vgl. im allgem. Lnum§arton-0ru8ius, äk oratoribus Orakois, ma-rimo Isoerato, eArogsiis institutionis xublieae wuAistris (Meißen 1833).

Obwohl begeistert für die wahre Demokratie, hat Jsokrates doch auch die Bedeu-tung einer weisen und gerecht waltenden Monarchie erkannt, und in der Zuschrift anNikokles wie in der Lobrede auf Euagoras einen Regentcnspiegcl ausgestellt, der imwesentlichen die Ideen Xenophons über königlichen Beruf wiederholt. Auch nach ihm istdie Thätigkeit des Herrschers wie die schwierigste, so die segensreichste. Er muß durchWeisheit und Tugend alle übertreffen und in seinem Berufe ein wahres Priestcrthumerkennen, von welchem das schönste Opfer dargebracht, der würdigste Gottesdienst ver-waltet wird. Daun ist er ein Vorbild für die von ihm Beherrschten, das wirksamsteund bindendste Gesetz für sie, und gern bilden sie sich nach ihm, der auch mit denbesten Rathgebern und Beamten sich umgiebt und so mit um so größerem Nachdruckdafür sorgen kann, daß alle in den rechten Gleisen sich bewegen.

Es war folgerichtig, daß auch Jsokrates, indem er so für das Staatslcben allesunter sittlichen Gesichtspunct stellte, das Recht des einzelnen Staates im Verhältnis' zuanderen nach seiner sittlichen Tüchtigkeit bestimmte. Wie er nun aber hieraus die bedeut-samsten Folgerungen zog, theils für das Verhältnis der einzelnen griechischen Staaten zueinander, theils für die Aufgabe des die geeinten Griechen leitenden Staats gegenüberden Persern, das haben wir in diesem Zusammenhänge nicht zu crörtem. S. besondersOncken, Jsokrates und Athen (Heidelberg 1862).

Er hatte zuletzt, um nach schmerzlichen Enttäuschungen doch eine Einigung der immerwieder in Zwietracht sich abmühenden Griechen hoffen zu können, sein Auge auf Philippusvon Macedonicn gerichtet, in diesem den rechten Mann zur Ausführung seines völker-rechtlichen Ideals erkannt. Aber gerade von diesem sah er seine Hoffnungen am schreck-lichsten betrogen. Die Einheit wurde ja wohl erzwungen; aber die Freiheit gicng verloren.